Zeitzeuge

Barbara Preil

Berlin, Berlin
* 1948

Themen
  • deutsche Einheit
  • Flucht/Fluchthilfe

Biografisches

1948 geboren in Quedlinburg in Sachsen-Anhalt
1954-1962 Grundschule
1962 Umzug nach Berlin-Schöneweide
1962-1964 Polytechnische Oberschule
1964-1967 Ausbildung zum Großhandelskaufmann bei der DHZ Chemie-Düngemittel
1966 Heirat mit Klaus Schulz-Ladegast
August 1967 gemeinsame Flucht im ausgebauten Handschuhfach eines Autos über die Tschechoslowakei und Österreich und mit der Unterstützung von Fluchthelfern
Ende August 1967 Ankunft in West-Berlin
Ab 1968 Arbeit als Großhandelskauffrau
1987 Ausbildung zur Erzieherin
1991 Studium der Heilpädagogik
ab 2013 Rente

Kurzbeschreibung

Ich bin nie wirklich im "Westen" angekommen, sondern sehe einen Teil meiner Identität immer noch in der DDR. Ganz anders ist es bei meinen drei Söhnen mit deutschen und türkischen Wurzeln: Sie sind in West-Berlin geboren und verstehen sich selbst heute als "Weltbürger". Nach der Flucht besuchten meine Familie und ich bis zum Fall der Berliner Mauer häufig meine Mutter in der DDR. Dort hatte ich auch meine Freunde zurück gelassen und war oft allein. Es bedeutete für mich eine ständige Auseinandersetzung mit der DDR, mit Westdeutschland und der Türkei. Es konnte nicht ausbleiben, dass die Söhne erst unbewusst, später bewusst, in diese Auseinandersetzung einbezogen wurden. Spätestens in der Schule wurden diese Konflikte für sie deutlich. Zum Beispiel sollten sie in der Schule die Nationalhymne auswendig lernen und kamen mit dem Anliegen zu mir. Ich brachte ihnen, für mich selbstverständlich, die Nationalhymne der DDR bei. Was das in der Klasse beim Vortragen auslöste, kann man sich vorstellen.