Zeitzeuge

Jürgen Kurt Wenzel

Aukrug, Schleswig-Holstein
* 1947

Immer wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtschein her!

Themen
  • politische Haft
  • Flucht/Fluchthilfe
  • Ausreise/Ausbürgerung

Biographisches

1947 geboren in Dalldorf auf dem großelterlichem Bauernhof
1954-1962 Besuch der Polytechnischen Grundschule Dalldorf, dann Oberschule Gröningen
1962 Bäckerlehre in Schwanebeck und Halberstadt
1964 erster Fluchtversuch in Berlin-Ost
März 1964 zweiter Fluchtversuch im Harz, sieben Monate Haft
1965 versuchter Ausbruch und erneuter Fluchtversuch, vier Jahre und zehn Monate Zuchthaus Brandenburg und Rummelsburg
1970 Kontakte zu den "Helfenden Händen" Hamburg
1974 fingierte Familienzusammenführung und Ausreise mit Frau Anita und Sohn Christian nach Hamburg
1976 Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister, Anstellung in der Fachklinik Aukrug
seit 2003 Erwerbsunfähigkeitsrente und wohnhaft in Aukrug

Kurzbeschreibung

Jürgen Kurt Wenzel lebte bis 1961 die meiste Zeit auf dem Bauernhof der Großeltern in Dalldorf (Sachsen-Anhalt). Die patriotische Erziehung des Großvaters und Kindheitserlebnisse vom 17. Juni 1953 in Leipzig prägten seinen Drang nach Freiheit und seine Wut auf das sowjetisch dominierte Besatzungssystem. Die Bäckerlehre und die Kontaktaufnahme zum leiblichen Vater nach West-Berlin führten zum ersten Fluchtversuch 1964 in Ost-Berlin. Wenzel wurde aufgegriffen, verhaftet und kurz darauf wieder entlassen. Im März 1964 versuchte er wieder zu fliehen. Diesmal im Harz. Auch dieser Fluchtversuch misslang. Nach sieben Monaten im Jugendgefängnis Luckau unternahm Wenzel 1965 einen dritten Fluchtversuch mit Freunden. Alle vier Freunde wurden verhaftet. Gemeinsam brachen sie aus dem Gefängnis aus und versuchten wieder zu fliehen – vergeblich. Im September 1970 wurde Wenzel aus dem Zuchthaus Rummelsburg entlassen. Er kam in Kontakt mit den "Helfenden Händen" Hamburg. Durch eine fingierte Familienzusammenführung gelang es ihm, mit seiner Frau und seinem Sohn 1974 legal nach Hamburg auszureisen. 1976 begann Wenzel eine Ausbildung zum Masseur und Bademeister in Kiel und Aukrug. Ab 1978 war er beruflich in der Fachklinik Aukrug tätig. Seit 2003 bezieht er Erwerbsunfähigkeitsrente aufgrund einer Retraumtatisierung. Heute ist Jürgen Kurt Wenzel Rentner und in Zeitzeugenprojekten engagiert.

Bericht:

"Freiheit, die ich meine. Mein Leben in der DDR", autobiografischer Bericht von Jürgen-Kurt Wenzel auf www.mdr.de