Zeitzeuge

Klaus-M. von Keussler

Erfurt, Thüringen
* 1939

Um eine demokratische Gesellschaft zu schaffen, ist zwischen Staat und Bürgern als dritte Kraft das ehrenamtliche Engagement unerlässlich. (frei nach John Locke)

Themen
  • deutsche Einheit
  • Mauerbau 13. August 1961
  • historische Aufarbeitung
  • Flucht/Fluchthilfe
Sprache
  • Englisch

Biografisches

1939 geboren in Königsberg/Ostpreußen
1944 Vater fällt im Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion, Flucht der verbliebenen Familie aus dem brennenden Königsberg über Umwege nach Königs Wusterhausen
1945-1959 Besuch der Grundschule in Berlin und altsprachlicher Gymnasien in Rhöndorf, Bonn, Krefeld, Köln
1959-1960 Dienst bei der Bundeswehr, Reserveoffizier
1960-1965 Studium der Rechtswissenschaft und der Volkswirtschaft an der Universität Hamburg und an der Freien Universität Berlin
1965 bzw. 1969 Erste bzw. Zweite Juristische Staatsprüfung in West-Berlin
1967 Heirat mit Ute Berg-Leonhardy
1969-1992 Beschäftigungen in Landesbehörden (Senat von Berlin), Bundesbehörden (Bundesrechnungshof in Frankfurt/Main) und Institutionen der internationalen Zusammenarbeit (Deutsche Stiftung für Entwicklungsländer, Deutscher Entwicklungsdienst, Friedrich-Naumann-Stiftung, Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit)
1972-1977 Berater bei der Industrie- und Handelskammer und beim Institut für öffentliche Verwaltung in Indonesien
1989-1992 Senior Auditor bei den United Nations (u. a. in Äthiopien, Botsuana, Bangladesch, New York)
1992 Übersiedlung nach Erfurt/Thüringen
1992-2005 leitende Stellungen im Thüringer Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und im Thüringer Finanzministerium
2003-2005 Beratertätigkeit bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Podgorica/Montenegro
2012 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande
2016-2021 Mitglied im Beirat Aufarbeitung der Stiftung Ettersberg
bis 2021 Vorsitzender des Freiheit e. V. – Förderverein Gedenkstätte Andreasstraße
bis heute vielseitiges gesellschaftliches Engagement, u. a. als Vormund für einen minderjährigen Geflüchteten

Veröffentlichungen (Auswahl)

Klaus-M. von Keussler: Am 3. Oktober 1990 in New York. Erinnerungen und Gedanken. In: Gerbergasse 18, Thüringer Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte und Politik, Ausgabe 3/2020, S. 27 ff.
Klaus-M. von Keussler und Peter Schulenburg: Fluchthelfer. Die Gruppe um Wolfgang Fuchs. Berlin: Berlin Story Verlag, 4. Auflage 2019.
Klaus-M. von Keussler: „Überall erschienen Ost- und Westberliner in hellen Scharen und rissen sie nieder.“ Der Journalist James Preston O’Donnell sagte das Ende der Berliner Mauer voraus. In: Gerbergasse 18, Thüringer Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte und Politik, Ausgabe 3/2019, S.4 f.
Klaus-M. von Keussler: Der Fall der Mauer als realistisches Hörspiel. WELT, 07.11.2009.

Kurzbeschreibung

Insbesondere die Geschichte Berlins hat v. Keussler in verschiedenen Zeitabschnitten hautnah kennengelernt.
Zum Kriegsende 1945 erlebte er die Auflösung der deutschen Truppen und den Einmarsch der Sowjetarmee und drei Jahre später die Berlin-Blockade.
Der Bau der Berliner Mauer (1961) und die Beteiligung an Fluchthilfe für DDR-Bürger sowie die Studentenproteste 1968 gehören zu seinen prägenden Erlebnissen im geteilten Berlin der sechziger Jahre. Seine Tätigkeit als Fluchthelfer während des Studiums (u. a. Bau von Tunneln, zuletzt „Tunnel 57“) beruhte auf idealistischen Gründen. Er kam damit Hilfeersuchen von Menschen aus der DDR nach und verstand sein Tun als politischen Protest gegen die Errichtung der Mauer.
Als Mitglied einer politischen Partei in West-Berlin unterstützte v. Keussler Anfang der 1970er-Jahre aktiv die „Neue Ostpolitik“ von Willy Brandt und Egon Bahr. Aufgrund eines Haftbefehls der DDR-Staatssicherheit konnte er erst 1978 von West-Berlin auf dem Landweg (Transit) in den Westen reisen. Enge und regelmäßige Kontakte zu zahlreichen geflüchteten Menschen oder freigekauften Inhaftierten waren für ihn authentische Informationsquellen für die eigene Meinungsbildung.
Als die Berliner Mauer am 9. November 1989 fiel, war er als Mitarbeiter der Vereinten Nationen (UN) in Addis Abeba/Äthiopien. Wenige Tage später saß er selbst auf der Mauer. Die juristische Vereinigung der beiden deutschen Staaten hat er am 3. Oktober 1990 in der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York miterlebt – sie ist für ihn das wichtigste Datum der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Seine Übersiedlung nach Erfurt 1992 bot ihm die lange angestrebte Möglichkeit, den anderen Teil Deutschlands intensiv kennenzulernen. Er begann sich für die Aufarbeitung des SED-Unrechts zu engagieren. Seit einigen Jahren ist er Vorsitzender des Freiheit e. V. – Förderverein Gedenkstätte Andreasstraße. Als Zeitzeuge ist v. Keussler in Schulen zu Gast und wirkt bei verschiedensten Veranstaltungen mit.
Er ist verheiratet, hat zwei Töchter und fünf Enkelkinder.

Berichte (Auswahl)

„Virtually History. The Berlin Wall“ – Virtual Reality-Beitrag, in dem auch über Klaus-M. von Keussler und den „Tunnel 57“ berichtet wird. Reel Truth History Documentaries/Remarkable Television, 2019.
„'Fluchthilfe war auch eine Form von politischem Widerstand'“ – Interview mit Klaus-M. von Keussler anlässlich 30 Jahre Mauerfall. Artikel von Wolfgang Hauskrecht, Münchner Merkur, 06.11.2019.
„Tod an der Mauer – wie an wen erinnert werden sollte. Ein Wahl-Thüringer macht die Perspektiven auf DDR-Grenzsoldaten 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer zum Thema“. Artikel von Gerlinde Sommer, Thüringische Landeszeitung, 05.10.2019.
„03.10.1964 – Fertigstellung von 'Tunnel 57'“. Audio-Beitrag von Thomas Klug (Redaktion: Ronald Feisel), WDR ZeitZeichen, 03.10.2019.
„Fluchthelfer grub mehrere Tunnel in den Westen“ – Klaus-M. von Keussler war als Zeitzeuge in der Fachoberschule Kitzingen zu Gast. Artikel von Franziska Schmitt, Main-Post, 13.06.2019.
„Klaus Von Keussler: The Story of A Tunnel Digger“. Bericht von Sara Richards, National Public Radio (NPR, Berlin), 30.10.2009.