Zeitzeuge

Dr. Burkhart Veigel

Berlin, Berlin
* 1938

Es war mir unerträglich, dass Menschen irgendwo leben müssen, wo sie nicht denken und sagen dürfen, was sie wollen. Deshalb wurde ich Fluchthelfer – und blieb das neun Jahre lang.

Themen
  • Grenzerfahrungen
  • Mauerbau 13. August 1961
  • Flucht/Fluchthilfe

Biografisches

1938 in Eisfeld/Thüringen geboren
1959 Abitur am humanistischen Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart
1961-1967 Medizinstudium an der Freien Universität Berlin
1961-1970 Fluchthelfer in Berlin
1967 Staatsexamen in West-Berlin
1968 Promotion in München
1976-2006 Arzt für Orthopädie und Sportmedizin in Stuttgart
seit 2007 wieder in Berlin wohnhaft
2012 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande
 

Veröffentlichungen/Herausgeberschaft (u. a.)

Veigel, Burkhart und Roswitha Quadflieg: Frei, Europa Verlag, Juni 2018. - Das Buch des ehemaligen DDR-Fluchthelfers Burkhart Veigel und der Schriftstellerin Roswitha Quadflieg erzählt die ereignisreiche Geschichte eines erfolgreichen Fluchthelfers aus dem Westen, die mit dem Mauerbau 1961 begann. Vierzig Jahre später kehrt der Protagonist des Romans nach Berlin zurück und verliebt sich in eine jüngere Frau mit einer linientreuen ostdeutschen Vergangenheit. Kurz darauf wird er wieder zum Fluchthelfer einer jungen syrisch-kurdischen Frau, die vor ihrer Familie flüchten muss. Das Buch stellt die Frage nach der subjektiven Verantwortung während politischer Umwälzungen damals wie heute.

Veigel, Burkhart: Wege durch die Mauer. Fluchthilfe und Stasi zwischen Ost und West, Ch. Links Verlag, 5. Auflage, Herbst 2019, 624 S., über 100 neue Bilder. - Das Buch gibt einen Überblick über das Thema Flucht und Fluchthilfe durch die Berliner Mauer zwischen 1961 und 1970. Die persönlichen Erlebnisse des Autors fließen hier genauso ein wie seine umfangreichen Recherchen mit Hilfe von Interviews und Stasi-Akten.

Johnson, Uwe: Ich wollte keine Frage ausgelassen haben. Gespräche mit Fluchthelfern,  Berlin: Suhrkamp Verlag, 2010. - Eine kommentierte Transkriptíon der Tonbänder, die Uwe Johnson von Interviews mit Fluchthelfern der ersten Stunde aufgenommen hat.

Kurzbeschreibung

Burkhart Veigel legte 1959 sein Abitur am humanistischen Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart ab. Ab dem Frühjahr 1961 studierte er Medizin an der Freien Universität von Berlin. Vom Bau der Berliner Mauer erfuhr Burkhart Veigel aus der Zeitung, da er sich zu diesem Zeitpunkt nicht in Berlin aufhielt. Als er zum Wintersemester 1961 in die geteilte Stadt zurück kam, begann er damit, Menschen aus der DDR zur Flucht zu verhelfen. Bis Januar 1962 war er als "Starläufer" in der sogenannten Girrmann-Gruppe aktiv, anschließend organisierte er zusammen mit einigen Kommilitonen eine eigene Fluchthelfergruppe. Die Gruppe grub unter anderem Tunnel oder baute verschiedene Autos zu Fluchtfahrzeugen um. Das MfS beobachte die Vorgänge um Veigel genau und versuchte, ihn zu entführen. Daraufhin verließ Veigel West-Berlin und zog 1969 nach Hannover. In seiner Zeit als Fluchthelfer verhalf Veigel ca. 650 Menschen zur Flucht in den Westen. 1976 ließ er sich als Orthopäde, Sportmediziner und Manualtherapeut in Stuttgart nieder. 2007 zog Burkhart Veigel wieder nach Berlin, um über seine Zeit als Fluchthelfer zu forschen und zu schreiben.

Weitere Infos unter www.fluchthilfe.de

„Mein Motiv war weniger für die Freiheit, sondern gegen die Unfreiheit zu kämpfen“, sagt Burkhart Veigel über seine Zeit als Fluchthelfer nach dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961. In unserer Videoreihe „5 Fragen an …“ spricht der Autor, Mediziner und Stifter des Karl-Wilhelm-Fricke-Preises über seine Motive als Fluchthelfer, besonders brenzlige Situationen und warum er 1970 seine Aktivitäten einstellte.

Berichte

Bei der Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 2011 in der Gedenkstätte Berliner Mauer berichtete Burkhart Veigel von seinen Gründen, anderen zur Flucht zu verhelfen und schilderte die Organisation. Der Beitrag kann >>hier<< nachgehört werden.

Vorlass im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung

Der von Burkhart Veigel an die Bundesstiftung Aufarbeitung übergebene Bestand wurde 2016 erschlossen. Er umfasst ca. vier lfm und erlaubt Einblicke in Veigels Tätigkeit als Fluchthelfer und Autor. So finden sich neben Unterlagen zu Fluchthilfeunternehmen mit dem Cadillac auch Materialsammlungen zu Fluchthelfern, Interviews mit Zeitzeugen und Notizbücher.