Zeitzeuge

Dietmar Riemann

Mosbach, Baden-Württemberg
* 1949

Die Ausreisebewegung destabilisierte das diktatorische Staatsgefüge DDR ideologisch und wirtschaftlich in hohem Maße

Themen
  • Kunst/Kultur/Literatur
  • Ausreise/Ausbürgerung

Biografisches

1950 in Hainichen (Sachsen) geboren
1956-1966 Besuch der Polytechnischen Oberschule
1966-1968 Lehre als Fotograf
1972-1975 Werksfotograf im Braunkohlekraftwerk Boxberg (Lausitz)
1973-1974 massive Anwerbeversuche durch das MfS
1976-1981 Kunsthochschulstudium in Leipzig
1986 Ausstellungsverbot in staatlichen Einrichtungen und Galerien der DDR
1986 Antrag auf ständige Ausreise und Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR
1989 Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland


Eigenständige Veröffentlichungen (u.a.)

Riemann, Dietmar : „Schöne Grüße aus der DDR“, Fotografien 1975-1989, Bildband mit Texten von Roman Grafe, 128 Seiten, gebunden, 220x270mm, 24,95 Euro, Mitteldeutscher Verlag 2012, ISBN 978-3-89812-943-5

Riemann, Dietmar: Ich wollte nicht mehr mitmachen. Geschichte einer Verweigerung, in: Roman Grafe (Hrsg.): Die Schuld der Mitläufer: Anpassen oder Widerstehen in der DDR. München: Pantheon Verlag, 2009.

Riemann, Dietmar: Laufzettel. Tagebuch einer Ausreise. Göttingen: Vandehoek & Ruprecht, 2005.
 

Kurzbeschreibung

Nach seiner Ausbildung zum Fotograf war Riemann als Werks-
fotograf im Braunkohlekraftwerk Boxberg (Lausitz) tätig. Zu dieser Zeit versuchte das MfS, ihn als IM anzuwerben. Doch Riemann ging darauf nicht ein und enttarnte die Anwerbeversuche. Nach seinem Abschluss als Fotografenmeister und nach mehreren Preisen für seine Arbeit erhielt Riemann den Ruf als Architekturfotograf an die Deutsche Bauakademie Ost-Berlin. Zeitgleich absolvierte er in Leipzig ein Kunsthochschulstudium. Danach war er als Mitglied des Verbands Bildender Künstler als staatlich zugelassener Freiberufler tätig. Es folgten mehrere Ausstellungen und Publikationen, vor allem Bücher ohne Auftrag, in denen er sich kritisch mit der DDR auseinander setzte. Die Konsequenz dieser kritischen Haltung war ein Ausstellungsverbot. 1986 stellte Riemann einen Antrag auf Ausreise nach West-Berlin und auf Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR. 1989 durfte er in die Bundesrepublik ausreisen. Heute lebt Riemann als Fotograf in der Nähe von Heidelberg. Neben zahlreichen Ausstellungs- und Buchprojekten betreibt er die Webseite www.ddr-fotografie-riemann.de. Die dort abgebildeten Fotografien sind zugleich die Grundlage der unter der Überschrift „Fotografien aus der DDR – Die Sicht von Dietmar Riemann“ an der Universität Freiburg eingereichten Magisterarbeit.

Dietmar Riemann im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern (Video):

Bei dem Projekt „Stimmen der Opposition“ führen Schülerinnen und Schüler Interviews mit einem Zeitzeugen. Es entsteht ein Bild der DDR-Bürgerrechtsbewegung, gesehen mit den Augen der heutigen Jugendlichen. Das Zeitzeugeninterview mit Dietmar Riemann wurde veröffentlicht. Eine Kurzversion finden Sie hier.

Projekt der Deutschen Gesellschaft e. V., gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung.

Berichte

"Feind der Republik zu Gast" - Dietmar Riemann berichtet in zwei zehnten Klassen der Kreisrealschule Gelnhausen von seinem Leben in der DDR. Das Gespräch wurde durch die Plakat-Ausstellung "Der Weg zur deutschen Einheit" der Bundesstiftung Aufarbeitung ergänzt und fand im Rahmen eines Aktionstages statt. Gelnhäuser Tageblatt, 12.09.2015.

Rezension: "Schöne Grüße aus der DDR" - Fotografien 1975-1989 von Dietmar Riemann, rbb Kulturradio, 25.09.2012.

Rezension: "Heraus zu 'hohen Taten'", Beitrag von Kai Agthe, 27.12.12 Thüringische Landeszeitung