Zeitzeuge

Dr. Manfred Probst

Dresden, Sachsen
* 1945

Die Wiedervereinigung war ein Glücksfall. Das geteilte Deutschland war in einer verfeindeten Welt des Pudels Kern, umzingelt von Atomwaffen, die auf uns gerichtet waren.

Themen
  • deutsche Einheit
  • Flucht/Fluchthilfe
  • Wirtschaft/Landwirtschaft
  • Umbruchserfahrungen seit 1989/90

Biografisches

1945 in Podemus bei Dresden
1960 Zwangskollektivierung des elterlichen Bauernguts
1960 Flucht mit der Familie in den Westen
1966 Abitur in Heidelberg
1971 Diplomabschluß an der Landwirtschaftliche Hochschule der Universität Stuttgart-Hohenheim
1975 Promotion zum Dr.sc.agr. in Stuttgart-Hohenheim
1977-1993 Bezirksdirektor der „Leipziger Hagelversicherung e.G.“ in Stuttgart
1991 Rückkehr auf den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb
seitdem Aufbau des Guts als Ökobetrieb

 

Eigenständige Veröffentlichungen (u.a.)
Probst, Manfred: Ein Rückblick auf das Jahr 1960 – Anmerkungen zur aktuellen Situation, in: Beleites, Michael/Graefe zu Baringdorf F.W./ Grünbaum, Robert [Hrsg.]: Klassenkampf gegen die Bauern. Metropol: Berlin, 2010, S. 13-19.

Kurzbeschreibung

Manfred Probst verbrachte seine Kindheit auf dem elterlichen Bauerngut „Vorwerk Pomedus“ bei Dresden. 1950 kehrten sein Großvater und sein Vater aus zwei verschieden Internierungslager als Dystrophiker zurück. Zwischen 1952 und 1960 besuchte er die Gesamtschulen in Brabschütz und Cossebaude und erlebte die Zwangskollektivierung des elterlichen Betriebs mit. 1960 floh die Familie in den Westen. Bis zur Wiedervereinigung hielt Probst Kontakt zu der Verwandtschaft in der DDR, außerdem hat er Brieffreundschaften nach Dresden gepflegt. In dieser Zeit hat ihn das MfS mehrfach kontaktiert. Alle Anwerbungsversuche lehnte er ab. Zu seiner Person existieren mehrere Einträge in verschiedenen Stasi-Akten, der letzte ist auf das Jahr 1988 datiert. Der Eintrag entstammt der Akte seines Vaters. Zeitgleich ist dort aufgeführt, dass das Telefon der Familie bis 1953 abgehört wurde. In der Bundesrepublik studierte Probst bis 1971 an der Land- wirtschaftlichen Hochschule der Universität Stuttgart-Hohenheim und promovierte anschließend. Nach der Wiedervereinigung kehrte er auf das Gut seines Vaters zurück und baute dieses als Ökobetrieb wieder auf. Seit 2000 ist er Vizepräsident des „Verbandes der privaten Landwirte und Grundeigentümer Sachsen e.V.“.