Zeitzeuge

Manuela Morgenstern

Selsingen, Niedersachsen
* 1955

Jeder Tag, den ich in Freiheit leben kann, ist ein Geschenk!

Themen
  • politische Haft
  • Bildung/Erziehung
  • Flucht/Fluchthilfe
  • Freikauf

Biografisches

1955 geboren in Postdam
1972 Abschluss der 10. Klasse an der Polytechnischen Oberschule "Edgar Andre" in Mirow (Mecklenburg)
1972-73 Fluchtversuch und Haft in Berlin-Hohenschönhausen und Hoheneck
25. Juli 1973 Freikauf
1973-76 Gymnasium in Bremen
1977-81 Studium der Kunsttherapie
1981-84 Therapeutische Arbeit in der Geriatrie
1985 Diplom in Kunsttherapie
ab 1985 Kinder- und Jugendarbeit in der örtlichen Kirchengemeinde und im Sportverein
1985-2010
Arbeitsplatzassistentin
ab 2004 Engagement als Zeitzeugin zum Beispiel mit dem Vortrag "Bruchstücke eines Lebens" in verschiedenen Schulen

Veröffentlichungen

Tina Österreich: Manuela oder die sozialistische Persönlichkeit, in: ebd.: Gleichheit, Gleichheit über alles. Alltag zwischen Elbe und Oder. Busse-Seewald Verlag, Stuttgart 1978, S.259-283.

Manuela Wenau: Habe ich den Fehler meines Lebens gemacht, in: Gerhard Finn/Liselotte Julius (Hg.): Von Deutschland nach Deutschland. Zur Erfahrung der inneren Übersiedlung. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1983, S. 83-89.

Kurzbeschreibung

Manuela Morgenstern wuchs gemeinsam mit ihren drei Brüdern behütet in einer Lehrerfamilie in Kleinmachnow bei Berlin und in Mecklenburg in der DDR auf. Frühzeitig lernte sie, mit zwei Identitäten zu leben: Vieles in der DDR widerstrebte ihr, aber sie begehrte nur minimal gegen das System auf - aus Angst, sie könnte ihrer Familie oder sich selbst schaden. So entwickelte sie sich, wie sie sagt, zu einem systemtreuen Mitläufer. Als sie 17 Jahre alt war, hatte sie die 10. Klasse gerade abgeschlossen, war zu einer weiterführenden Schule angemeldet und in einen Jungen aus dem Westen verliebt. Sie lernten sich kennen, als er in den Ferien die DDR besuchte. Zu diesem Zeitpunkt teilten ihre Eltern ihr mit, dass sie die DDR verlassen wollen. Manuela Morgenstern entschied sich, mit ihnen den Fluchtversuch zu wagen. Fluchthelfer sollten sie in mehreren Autos, insgesamt waren es neun Personen, über die Grenze bringen. Fast alle schafften es, nur sie, ihr Vater und ihr Onkel wurden im Kofferraum entdeckt. Manuela Morgenstern wurde zu 15 Monaten Haft verurteilt und kam von der MfS-Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen in das Frauengefängnis Hoheneck. Am 25. Juli 1973 kaufte die Bundesrepublik sie frei, in Bremen begann für sie ein neues Leben. Seit einigen Jahren berichtet sie Schülerinnen und Schülern von ihren persönlichen Erfahrungen. Es ist ihr wichtig, den Jugendlichen  Geschichte lebendig zu vermitteln.

Berichte

"Flucht endet im Gefängnis. Manuela Morgenstern erzählt von ihren Erfahrungen in der DDR.", Nordwest Zeitung vom 22. April 2016.

Das Frauengefängnis Hoheneck

Tausende Frauen waren von 1949 bis 1989 in dem berüchtigten DDR-Gefängnis Hoheneck in Sachsen eingesperrt. Die Haftbedingungen in Hoheneck waren gefürchtet. Weitere Informationen zum Frauengefängnis Hoheneck, Zeitzeugen, Hinweise auf Lehrmaterialien, Medien und Links finden Sie in unserem Themenschwerpunkt.