Zeitzeuge

Georg Meusel

Werdau, Sachsen
* 1942

...hatte mit der Demokratiebewegung die große Hoffnung, dass die DDR einen dritten Weg mit mehr Gerechtigkeit im SED-Überwachungsstaat versuchen könnte.

Themen
  • Opposition/Bürgerrechtsbewegung
  • Runder Tisch
  • Kirche
  • historische Aufarbeitung

Biografisches

1942 in Moritzburg geboren
1950er-Jahre Schulverweis aus politischen Gründen, Gärtnerlehre und politische Diskriminierung in Ausbildung und Beruf, Arbeit als Gärtner, Hilfsarbeiter und Elektromonteur im VEB, ehrenamtliche Mitarbeit in der Jungen Gemeinde
seit 1961 vom MfS überwacht, ab 1979 im Operativen Vorgang „Marder“
1962 Wehrdienstverweigerung
1968 Solidaritätsaktionen mit Tschechen und Slowaken
1970er-Jahre pazifistische philatelistische Exponate gestaltet (Exponat „Martin Luther King“)
1970er und 1980er-Jahre Ausstellungen in der DDR, in Wolgograd sowie auf den Weltausstellungen Poznan 1973 und Prag 1988
1973 Mitbegründer des Christlichen Friedensseminars Königswalde
1982 Zersetzungsmaßnahmen und wiederholte Festnahmen
durch das MfS
1989 Initiator des Runden Tisches in Werdau
1990 Mitbegründer der ersten SED-unabhängigen Zeitung Sachsens
1998 Gründung des Martin-Luther-King-Zentrums

Kurzbeschreibung

Geprägt von dem frühen Kindheitserlebnis der Bombennächte, der Wiederaufrüstung, dem Prager Frühling und dem Gedankengut der Gewaltfreiheit Martin Luther Kings, hatte ich im Friedensseminar Königswalde eine geistige Heimat gefunden und versuchte dazu beizutragen, die DDR friedlicher, freundlicher und menschlicher zu gestalten. Anfang 1989 half ich mit, Wahlfälschungen aufzudecken und in Eingaben von zunehmender Dringlichkeit und Schärfe Demokratisierung zu fordern. Nach vergeblichen Versuchen 1987 und 1988, Parteien und Organisationen zum Gespräch mit dem Friedensseminar zu bewegen, führte die 1989 wiederholte Dialogforderung gegenüber der SED zum Runden Tisch Werdau.
Mich bedrückte der „Demo-Tourismus“ vom Herbst 1989 in die Großstädte. So gelang es mir mit wenigen Verbündeten, in unserer Stadt Friedensgebete und Demonstrationen zu initiieren, denen zahlreiche Mitbürger folgten und aus denen sich acht Arbeitsgruppen bildeten. Anfang 1990 folgten dann die Gründung des „Werdau-Crimmitschauer Wochenblattes“ als erster partei-unabhängiger DDR-Zeitung in Sachsen, noch vor der offiziellen Wahl eine „Bürgerratswahl“ und mit der Blockade des Volkspolizei-Kreisamtes eine gewaltfreie Direktaktion von Bürgern und Volkspolizisten gegenüber der Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt.

Berichte

"Werdauer Bürgerrechtler Meusel schickt Verdienstkreuz zurück" - Georg Meusel hat sein Bundesverdienstkreuz an Bundespräsident Joachim Gauck zurück geschickt. Damit protestiert er gegen dessen Forderung nach mehr deutschem Engagement in weltweiten Konflikten. MDR Nachrichten, 2. August 2014