Zeitzeuge

Doris Liebermann

Berlin, Berlin
* 1953

Eigensinn, Tapferkeit und Geduld (frei nach Hermann Hesse)

Themen
  • Kirche
  • Kunst/Kultur/Literatur
  • Staatssicherheit
  • historische Aufarbeitung
  • Ausreise/Ausbürgerung
  • Grenzerfahrungen

Biographisches

1953 in Leimrieth (Kreis Hildburghausen, Thüringen) geboren
1960-1970 Schulbesuch in Leimrieth, Pfersdorf und Häselrieth
1970-1973 Berufsausbildung als Handelskaufmann mit Abitur in Hildburghausen und Meiningen
1973-1977 Studium (Slavistik, Theologie) und verschiedene Jobs in Jena (u. a. diakonisches Jahr im Feierabendheim „Martin Luther“ Jena)
1977 an ihrem 24. Geburtstag Ausbürgerung nach West-Berlin, bis Ende 1989 Einreiseverbot in die DDR
1979-1983 Studium der Osteuropäischen Geschichte und Slavistik in West-Berlin
1988-1994 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Politische Wissenschaften der Freien Universität Berlin
seit 1983 bis heute Autorin für Radio, Fernsehen, Zeitungen


Veröffentlichungen (Auswahl)

Bücher

  • Dissidenten, Präsidenten und Gemüsehändler: Tschechische und ostdeutsche Dissidenten 1968-1998, hrsg. von Doris Liebermann, Jürgen Fuchs und Vlasta Wallat. Essen: Klartext-Verlagsges., 1998. ISBN 978-3-88474-678-3.
  • Die Umerziehung der Vögel. Ein Malerleben. Autobiographie von Hans-Hendrik Grimmling mit Doris Liebermann als Co-Autorin. Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2008. ISBN 978-3-89812-543-7.
  • Die Mauer in der Kunst. Bildende Kunst, Literatur und Film. Von Doris Liebermann u. a. , Berlin: Verlag Christoph Links 2011. ISBN 978-3-86153-652-9.

Hörbücher

  • Doris Liebermann (Hg.): Jürgen Fuchs: Das Ende einer Feigheit. Mit einer Einführung von Herta Müller und einem Lied von Wolf Biermann. Hörbuch, 2 CDs, Hörbuch Hamburg 2010/2011, ISBN 978-3-89903-089-1.
  • Doris Liebermann (Hg.): Landschaften der Lüge. Gespräche mit Jürgen Fuchs. Mit einem Vorwort von Roland Jahn, 2 CDs, Hörbuch Hamburg 2012/2013.

Kurzbeschreibung

Doris Liebermann wuchs in einem kleinen Dorf in Thüringen auf, unweit der DDR-Staatsgrenze zur Bundesrepublik (Bayern). Um die Brutalität der Grenze und die tödliche Gefahr wusste sie von Kindheit an. Sie konnte einige Schulfreunde und Verwandte nicht besuchen, da deren Dörfer bereits im Sperrgebiet lagen. In das Sperrgebiet durfte man nur mit Passierschein reisen. Schlagbäume, die Straßen unterbrachen und Kontrollen durch DDR-Grenzpolizisten, selbst bei harmlosen Skiausflügen im Wald, gehörten damals zu ihrem Alltag. Nach der 10. Klasse absolvierte sie eine Berufsausbildung mit Abitur und begann danach zunächst ein Studium der Slavistik in Jena,  wechselte aber später zur Theologie und engagierte sich in der Jungen Gemeinde Jena Stadtmitte. Nach einer Unterschriftensammlung in der Jungen Gemeinde am 18. November 1976 gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermanns wurde sie vorübergehend festgenommen und später exmatrikuliert. Doris Liebermann hatte die Schriftstellerpetition per Schreibmaschine vervielfältigt, die ihr Jürgen Fuchs telefonisch übermittelt hatte. 1977 wurde sie zusammen mit der "staatsfeindlichen Jenaer Gruppe" um den Schriftsteller Jürgen Fuchs, die vom MfS schon längere Zeit verfolgt worden war, nach West-Berlin ausgebürgert. Bis zum Fall der Mauer hatte sie Einreiseverbot in die DDR. In West-Berlin absolvierte sie ein Studium der Osteuropäischen Geschichte und Slavistik. Seit 1983 arbeitet sie als freie Autorin für Funk, Fernsehen und Printmedien und realisierte zahlreiche Feature-Produktionen zur Geschichte, Literatur und Politik Osteuropas und der DDR.

Von 2004 bis Mitte 2007 war Doris Liebermann Vorstandsmitglied der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Sie ist Mitglied des Autorenkreises der Bundesrepublik, des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland und der Menschenrechtsorganisation Memorial.

Doris Liebermann erzählt von ihrer Kindheit nahe der Mauer in Thüringen und der Ausbürgerung Wolf Biermanns.