Zeitzeuge

Hartmut Bartmuß

Bielefeld, Nordrhein-Westfalen
* 1944

Du kannst dein Leben nicht verlängern, nicht verbreitern, nur vertiefen. Gorch Fock

Themen
  • Kirche
  • Staatssicherheit
  • Ausreise/Ausbürgerung

Biografisches

1944 geboren in Zwickau (Sachsen)
1959-1962 Lehre als Hochseefischer
1962-1963 Fahrenszeit in der DDR-Hochseefischereiflotte
1963-1966 Soldat auf Zeit bei der Volksmarine, Navigationspersonal Raketenschnellboot
1966 Konfirmation als Soldat (Stabsmatrose) in der Paulus-Kapelle in Dranske auf Rügen durch Pfarrer Heinz Milkereit
1966-1967 Tätigkeit als Arbeiter,
1967 Sonderreifeprüfung an der Karl-Marx-Universität Leipzig
1967-1972 Studium der Evangelischen Theologie an der Karl-Marx-Universität Leipzig
1972 Staatsexamen (I. Theologisches Examen)
1972-1974 Vorbereitungsdienst für das geistliche Amt in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens (Vikariat)
1974 II. Theologisches Examen und Ordination
1974-1979 Pfarrer in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens
1979-1982 Pfarrer in der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg
06.10.1982 Ausreise nach Westdeutschland
1982-1983 ehrenamtliche landeskirchliche Dienste in Hessen
1983-2008 Pfarrer in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), zuletzt im Pfarrbezirk Wernigerode-Halberstadt
seit 1998 ehrenamtliches Besatzungsmitglied (Hand für Koje) auf dem Segelschulschiff Greif (ehemals Wilhelm Pieck)
seit 1998 Autor in der Reihe "Jüdische Miniaturen"
2000 Beauftragter der Selbständigen Evangelisch Lutherischen Kirche (SELK) für die Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover
seit 2000 Redakteur der Kirchenzeitung "Lutherische Kirche"
2005-2013 Mitmoderator und Mitinitiator der "Halberstädter Abende" in der Winterkirche des Domes zu Halberstadt
2008 Eintritt in den Ruhestand als Pfarrer, ehrenamtliche Vertretungsdienste
 

Veröffentlichungen

Hartmut Bartmuß: "So nimm denn meine Hände ..." Pfarrer Brüsewitz und der schwere Entschluß aus dem Leben zu scheiden. In: Christen drüben, 03/1986,2, S. 13-15.
Hartmut  Bartmuß: Protest gegen die Kirchensprengung. In: Christen drüben, 01/1988, S. 13-17

Kurzbeschreibung

Hartmut Bartmuß war ab 1958 Vollwaise. Seine Konformation im Februar 1966 erlebte er in der Uniform der Volksmarine in der Paulus-Kapelle Dranske, er nahm auch an der Jugendweihe teil. Der ausgebildete Hochseefischer absolvierte zu dieser Zeit seinen Dienst auf einem Raketenschnellboot - und intensivierte seine Kontakte zur evangelischen Kirche. Der 21-Jährige bekam ein Parteiverfahren und wurde von der SED-Mitgliederliste gestrichen. Er nahm ein Theologie-Studium in Leipzig auf und war für die freitäglichen Andachten in der Universitätskirche St. Pauli verantwortlich. Kurz vor der Sprengung der Kirche 1968 wurde ihm der Schlüssel zur Kirche im Dekanat der Fakultät abgenommen. Bereits zu dieser Zeit stand er unter Beobachtung der Staatssicherheit. An der Beerdigung von Pfarrer Oskar Brüsewitz 1967 nahm er im Talar teil. Er betreute Ausreisewillige und geriet zunehmend in Konflikte mit dem SED-Staat. Nach der Verschärfung des Wehrgesetzes 1982 gab Hartmut Bartmuß seine Wehrunterlagen ab und beantragte erfolglos eine Versetzung zur Reserve. In Ost-Berlin organisierte er ökumenische Gebetstreffen mit internationaler Beteiligung. Am 06. Oktober 1982 konnte er nach Westdeutschland ausreisen. Seit mehr als 30 Jahren ist Hartmut Bartmuß Pfarrer auf Lebenszeit in der Selbständigen Evangelisch Lutherischen Kirche. Außerdem engagiert er sich seit vielen Jahren gegen Rechtsextremismus und ist Mitglied der Initiative "Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus" (IKDR) in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover.

Kirche in der SED-Diktatur

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