Zeitzeuge

Thomas Ammer

Euskirchen, Nordrhein-Westfalen
* 1937

Wir haben nicht gesiegt, aber gekämpft. Wir haben unser Land nicht gerettet, aber verteidigt. Wir haben die Tyrannei nicht gebrochen, aber ihren Lauf aufgehalten. Und wenn einst unsere Geschichte geschrieben wird, werden wir sagen können, dass wir widerstanden haben.

Themen
  • Kirche
  • politische Haft
  • historische Aufarbeitung
  • Freikauf

Biografisches

1937 in Eisenberg/Thüringen geboren
1953/54 Gründung der Widerstandsgruppe „Eisenberger Kreis“
1955 Abitur
1955-1958 Medizinstudium in Jena
1956 Flugblätter und Wandparolen zu den Aufständen in Polen und Ungarn, Brandanschlag auf Schießstand bei Eisenberg
13.2.1958 Verhaftung
September 1958 Prozess und Verurteilung zu 15 Jahren Zuchthaus wegen Staatsverrats
1958-1964 Haft in der Strafvollzugsanstalt Brandenburg-Görden
1964 Freikauf durch die Bundesrepublik
1965-1972 Studium der Rechtswissenschaften, Geschichte und Politischen Wissenschaften in Tübingen, Bonn und Erlangen
1975-1991 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Gesamtdeutschen Institut in Bonn
1991-2001 Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Bundeszentrale für politische Bildung
1992-1998 abgeordnet zu den Sekretariaten der Enquête-Kommissionen des Deutschen Bundestages zur DDR-Geschichte
seit 2001 berentet

Veröffentlichungen

Patrik von zur Mühlen: Der "Eisenberger Kreis": Jugendwiderstand und Verfolgung in der DDR 1953-1958, Bonn 1995.

Kurzbeschreibung

Seit Herbst 1952 wurden in der DDR Schüler und Studenten verfolgt, die der "Jungen Gemeinde" angehörten. Nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 bildete sich an der Oberschule Eisenberg eine Gruppe, die sich gegen die Repressalien zur Wehr setzen wollte. Der "Eisenberger Kreis" unternahm kleinere Aktionen (Mauerparolen, selbst hergestellte Flugblätter) und versuchte, die FDJ zu unterwandern, vornehmlich an der Universität Jena. Im Januar 1956 wurde ein Schießstand der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) und der SED-Kampfgruppen als Protestaktion in Brand gesteckt. Die Aktion ging gegen die Militarisierung in der DDR, die Gründung der Nationalen Volksarmee und die Einführung der Wehrpflicht vor. Die Widerstandsgruppe bestand dank strenger Konspiration und besonderer Vorsicht über vier Jahre und verzichtete in der Regel auf Westkontakte. Im Ergebnis einer mehrmonatigen operativen Kombination zerschlug das MfS die Gruppe im Februar 1958. Von etwa 30 Verhafteten wurden 24 im September und Oktober 1958 vom Bezirksgericht Gera zu Freiheitsstrafen zwischen eineinhalb und fünfzehn Jahren verurteilt. Die letzten von ihnen wurden im August 1964 im Zuge des "Freikaufs" politischer Gefangener aus der Haft in die Bundesrepublik entlassen.

Zitat: Lajos Kossuth, 1849

Bericht

Der Eisenberger Kreis auf jugendopposition.de