Zeitzeuge

Else Ackermann

Neuenhagen, Brandenburg
* 1933
† 2019

Der von mir verfasste "Neuhagener Brief" war ein Zustandsbericht über die beklagenswerten politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der DDR.

Themen
  • deutsche Einheit
  • Parteien
  • Volkskammer
  • verstorbene Zeitzeugen

Biografisches

1933 in Berlin geboren
1952 Abitur an der Einstein-Oberschule in Neuenhagen
1952-1957 Studium der Humanmedizin an der Humboldt-Universität zu Berlin
1957-1959 klinische Ausbildung im Krankenhaus
1960-1964 Ausbildung zum theoretischen Facharzt am Institut für Pharmakologie in Ost-Berlin
1965 Oberassistentin am Institut für Klinische Pharmakologie in Dresden
1969 Habilitation
bis 1989 Forschung und Lehre u. a. in Dresden und Ost-Berlin
1989 Absetzung von ihrem Posten aus politischen Gründen
1990 außerordentliche Dozentin für Klinische Pharmakologie, Volkskammerabgeordnete für die CDU
1991-1994 Mitglied des Deutschen Bundestages (MdB)
1994 Rückkehr an die Charité in Berlin
seit 1998 Rentnerin

Else Ackermann ist leider am 14.09.2019 verstorben.

Kurzbeschreibung

Else Ackermann legte 1952 das Abitur an der Einstein-Oberschule in Neuenhagen ab und begann im September desselben Jahres das Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät (Charité) der Humboldt-Universität Berlin (DDR). Nach einer Facharztausbildung für das Fach Pharmakologie und Toxikologie setzte sie ihre wissenschaftliche Arbeit an der Medizinischen Akademie „Carl-Gustav-Carus“ (jetzt Medizinische Fakultät der Technischen Universität Dresden) fort. 1969 habilitierte sie über den „mikrosomalen Elektronentransport in der menschlichen Leber“, die erste Habilitation in dem Fach Klinische Pharmakologie in Deutschland. Bis 1989 arbeitete sie an der Akademie der Wissenschaften in Berlin-Buch. 1985 trat sie in die CDU (Ost) ein und war von 1986 bis 1999 Vorsitzende der Ortsgruppe CDU in Neuenhagen. Im Juni 1988 verfasste sie den "Neuhagener Brief" an den Vorsitzenden der CDU (Ost) Gerald Götting. Der Brief war ein Zustandsbericht über die beklagenswerten politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der DDR, die ein Ventil in einer dramatischen Ausreisewelle von Fluchtwilligen über Botschaften in Ost-Berlin und außerhalb der DDR fanden und die Wirtschaft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt destabilisierten. Auf Druck des MfS wurde gegen sie ein Ermittlungsverfahren (Operativer Vorgang "Bauer") eingeleitet. Im März 1990 wurde sie zur außerordentlichen Dozentin für Klinische Pharmakologie an der Humboldt-Universität ernannt. Am 18. März 1990 wurde Ackermann Mitglied der Volkskammer der DDR. 1991 rückte sie für Lothar de Maizière in den Deutschen Bundestag nach, in dem sie bis Ende der Legislaturperiode 1994 Mitglied blieb. Anschließend arbeitete sie wissenschaftlich mit Lehrverpflichtungen im Institut für Klinische Pharmakologie an der Medizinischen Fakultät (Charité) bis zu ihrer Berentung 1998 mit 65 Jahren weiter und war außerdem bis 2009 gewählte Gemeindevertreterin in Neuenhagen.