Zeitzeuge

Ralf Steeg

Berlin, Berlin
* 1961

Niemals aufgeben.

  • Zeitzeuge Ralf Steeg als Kind in der Zeit der deutschen Teilung.
  • Zeitzeuge Ralf Steeg heute.
Themen
  • politische Haft
  • historische Aufarbeitung
  • Freikauf
  • Heimerfahrungen
Sprache
  • Englisch

Biografisches

1961 geboren in Lauchhammer/Brandenburg
1967 Einschulung
1974 Besuch der Erweiterten Oberschule (EOS)
1975 Ausreiseantrag
1977 Fluchtversuch über die tschechisch-deutsche Grenze
1978–1979 10-monatige Haft in folgenden Einrichtungen: Durchgangsheim Alt-Stralau in Berlin, Gefängnis Keibelstraße in Berlin, Zuchthaus Cottbus, Jugendhaus Halle/Saale (dort u. a. Zwangsarbeit für die Firma IKEA), Kaßberg-Gefängnis in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz)
1979 Freikauf durch die Bundesrepublik Deutschland
1993 Abitur in West-Berlin
1995–2000 Studium der Landschaftsarchitektur an der Technischen Fachhochschule Berlin, Abschluss: Diplom-Ingenieur für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung
seit 2000 selbstständiger Unternehmer im Bereich Gewässerökologie

 

Auszeichnungen und Ausstellungen (Auswahl):

  • Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland („Werkstatt N“-Projekt)
  • Bernisches Historisches Museum
  • Kunsthalle Bern
  • Architekturbiennale Venedig
  • Expo Shanghai
  • Deutsches Architekturmuseum in Frankfurt a. M.
  • Martin-Gropius-Bau in Berlin (Ausstellung „WeltWissen. 300 Jahre Wissenschaften in Berlin“)

     

Veröffentlichungen

Udo Grashoff: Jugendhaus Halle. „Die Schlägerei hört einfach nicht auf“. Gefängnisalltag (1971–1990). Edition Zeit-Geschichte(n), Band 9. Mitteldeutscher Verlag, 2023.
Für das Buch wurden ehemalige Insassen des Jugendhauses Halle interviewt, darunter auch Ralf Steeg, der auch Initiator der Studie war.

Sandra Prechtel: Der Wassermann. Ralf Steeg und sein Kampf für den sauberen Fluss. F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung, 2015.

Kurzbeschreibung

Ein großer Garten voller Obstbäume, ein Tor öffnet sich, ich stehe im gleißenden Sonnenschein und blicke auf blühende Wiesen und Kornfelder. Am Horizont stehen Kohlefabriken, die Schlote rauchen, nachts erleuchten Flammen den Himmel. Bilder, die mich mein Leben lang begleiten werden.
Die glückliche Kindheit, das Fußballspielen mit Freunden, der Traum, Pilot zu werden, enden im Alter von 13 Jahren abrupt, als meine Eltern einen Antrag stellen, die DDR zu verlassen. Der Staat, der vorgibt, seine Bürger glücklich machen zu wollen, wird für mich und meine Familie über Nacht zur Diktatur. Wir werden verfolgt und von der Staatssicherheit bespitzelt. Man verweist mich von der Erweiterten Oberschule, die nur ausgewählte Schülerinnen und Schüler besuchen dürfen und versucht, uns zu zerstören. Aber jeder Druck macht uns als Familie stärker.
Meine versuchte Republikflucht scheitert im letzten Moment, nach der Verurteilung lande ich im Gefängnissystem der DDR und zum Schluss im Jugendhaus, der „Hölle von Halle“. Im Alter von 17 Jahren werde ich von der Bundesrepublik freigekauft und verlasse das Land mit dem Gefühl, als Kind einen Staat besiegt zu haben.
Reisen durch die ganze Welt folgen, ich wohne in Hippie-WGs, werde Hausbesetzer, hole mein Abitur nach, studiere und werde zu einem Ingenieur, der sich seit Jahrzehnten für Umweltschutz und Stadtökologie einsetzt.

Berichte

„In Haft. Vom Aufhalten, Festhalten und Durchhalten“ – Podcast mit Ralf Steeg in der Reihe „Staatsbürgerkunde“. Beitrag auf https://steady.page (ehemals www.steadyhq.com), 20.02.2022.

„Für Ikea Lampen schrauben – im DDR-Jugendknast“ – Artikel von Efthymis Angeloudis und Rico Grimm auf www.krautreporter.de, 30.01.2018.

„Der Wassermann“ – Porträt von Ralf Steeg, verfasst von Sandra Prechtel. ZEITmagazin Nr. 46/2014, 06.11.2014.

„Ikeas Fall“ – Bericht über die Zwangsarbeit für die Firma IKEA im Jugendhaus Halle/Saale. Artikel von Uwe Rada auf www.taz.de, 23.02.2013.