Zeitzeuge

Elke Schlegel

Koblenz, Rheinland-Pfalz
* 1958

Das Böse triumphiert allein dadurch, dass gute Menschen nichts unternehmen. (Edmund Burke)

Themen
  • politische Haft
  • Opposition/Bürgerrechtsbewegung
  • historische Aufarbeitung
  • Freikauf

Biografisches

1958 in Jena geboren
1964 Besuch der Polytechnischen Schule „Werner Seelenbinder“ in Jena
1974 Ausbildung zur Hotelfachfrau im „Interhotel International“ Jena
1981 Geburt des Sohnes
1983 Ausreiseantrag, Besuch der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland; arbeitslos, da politisch nicht mehr tragbar
1984 Verhaftung durch die Staatssicherheit, Untersuchungshaft in Gera; Verurteilung zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis im Frauenzuchthaus Hoheneck (Stollberg) wegen "versuchter Republikflucht", "landesverräterischer Nachrichtenübermittlung" und "Beeinträchtigung staatlicher oder gesellschaftlicher Tätigkeit"
1984 Freikauf wegen Haftunfähigkeit durch die Bundesrepublik Deutschland
1985 Einreise des Sohnes in die Bundesrepublik Deutschland
2000 Ausbildung zur Automobilkauffrau
2013-2018 Einsatz für Informationstafeln an den Mauersegmenten beim Deutschen Eck in Koblenz – die Einweihung erfolgte am 08.11.2018
seit 2013 als Zeitzeugin in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen aktiv
seit 2017 Regionalbeauftragte der "Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft" (UOKG) für Rheinland-Pfalz
2019 Gründungsmitglied des „Forums für politisch verfolgte und inhaftierte Frauen der SBZ/SED-Diktatur e. V.“
2020 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande


Veröffentlichung

Elke Schlegel: 5 Monate und 24 Tage. Frauenzuchthaus Hoheneck – eine Extremerfahrung. Koblenz: Dietmar Fölbach Verlag, 2020, ISBN: 978-3-95638-205-5.

Kurzbeschreibung

„Mitkommen!“ brüllte der ranghöchste Stasi-Offizier und stürmte an mir und meinem Freund vorbei in unsere Wohnung. Plötzlich standen fünf Männer und eine Frau vor uns. "Klärung eines Sachverhaltes", hieß es. Wir galten als Staatsfeinde. Damit unser Ausreiseantrag endlich bewilligt wurde, demonstrierten wir regelmäßig mit Regimegegnern des "Weißen Kreises" und versammelten uns zu stummen Protesten. Unseren Sohn durfte ich zu meiner Mutter bringen und ich verabschiedete mich mit den Worten: "Ich gehe dir was Schönes kaufen". Das Schlimmste an der Haft war die Ungewissheit über den Verbleib des eigenen Kindes. Unser Ausreiseersuchen war soweit bearbeitet, dass wir schon seit Tagen auf gepackten Koffern saßen. Heute weiß ich, dass Franz Josef Strauß mit seiner Vermittlertätigkeit beim sogenannten "Milliardenkredit" damals Ausreisegenehmigungen für politisch Inhaftierte verlangte. Es gab nicht genügend Inhaftierte und eine Welle der Verhaftungen zog sich durch Jena. Mein Wunsch ist es, bei der Aufarbeitung der SED-Diktatur zu helfen und dazu beizutragen, dass die Opfer und die DDR-Geschichte nicht in Vergessenheit geraten.

Elke Schlegel berichtet von ihrem Leben in der DDR, dem Entschluss einen Ausreiseantrag zu stellen und ihrer Hafterfahrung.

Berichte:

"'Ab da war ich nur noch eine Nummer'" - Melinda Kreutz und Fabian Wäldl, Kollegiaten des Staatlichen Koblenz-Kollegs, berichten von einem Zeitzeugengespräch mit Elke Schlegel am 09.04.2018.

"DDR-Zeitzeugin zu Gast bei Karthäuser Gespräch" - Elke Schlegel berichtete in Koblenz-Karthause von ihrem Ausreiseantrag, der Verhaftung und Inhaftierung. Blick aktuell, 24.01.2017

"Surving the East. A witness from East Germany visited our school to tell her tale" - Die Schülerin Lisa Hawelka berichtet von einem Zeitzeugengespräch mit Elke Schlegel am 07.10.2015 in der Ecole Européenne Luxembourg I. The Pupils' Voice, 2015.

"Mauerfall: Wahl-Koblenzerin saß im DDR-Zuchthaus" - Elke Schlegel erinnert sich an das Leben in der DDR, Ausreiseantrag und Inhaftierung. Rhein-Zeitung, 05.11.2014