Zeitzeuge

Heidemarie Puls

Krakow am See, Mecklenburg-Vorpommern

Gegen das Vergessen – denn was vergessen wird, droht sich zu wiederholen!

Themen
  • Heimerfahrungen

Biografisches

1957 in Neukalen geboren
1963 Einschulung in Neukalen
1967 nach einem Suizidversuch wird Heidemarie Puls in das Kinderheim Müritz Kreis gebracht, von dortflüchtet sie zu ihrem leiblichen Vater, der in Ribnitz-Damgarten lebt
1970-1972 Aufenthalt in verschiedenen Heimen u.a. in Wendhof und Demmin, sie unternimmt mehrere Fluchtversuche
Mai 1972 Einweisung in den Jugendwerkhof „August Bebel“ in Burg
März 1974 Einweisung in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau (GJWH)
11.07.1974 Entlassung und Rückführung in den JWH Burg
22.10.1974 Entlassung aus dem JWH Burg
1975 Arbeit als Raumpflegerin im VEB Getreidewirtschaft Malchin
1976 Ausbildung zur Baufacharbeiterin im dortigen Baustoffkombinat
April 1979 Arbeit als Näherin im VEB Kleiderwerke Altentreptow, Außenstelle Teterow
1981 Beginn der Tätigkeit als Kindergartenhelferin in Groß Bäbelin
1990 Kinder- und Jugendarbeit der Diakonie, Teilabschluss zur Sozialarbeiterin
Seit 2002 ist Heidemarie Puls in Rente. Sie hat drei Enkelkinder
2011 wird Heidemarie Puls Vorsitzende des Interessenverbandes „Heimerziehung in der DDR“ in Mecklenburg-Vorpommern

Eigenständige Veröffentlichungen (u.a.)

Heidemarie Puls: „Schattenkinder hinter Torgauer Mauern“, mit einem Nachwort von Christian Sachse, AiLuLa Verlag Puls, 2009.

Leseprobe "Schattenkinder hinter Torgauer Mauern"

Kurzbeschreibung

Heidemarie Puls lebte mit ihrer jüngeren Schwester bei ihrer Mutter. Nach der erneuten Heirat der Mutter wurden die Kinder zunehmend vernachlässigt. Als Heidemarie wiederholt von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht wurde, begann sie die Schule zu schwänzen. Mit elf Jahren unternahm sie einen Suizidversuch und kam daraufhin in ein Kinderheim, aus dem sie zu ihrem leiblichen Vater nach Ribnitz-Dammgarten flüchtete. Als sie 1970 ins Kinderheim Wendhof kam, fühlte sie sich einsam und missverstanden. Mehrere Fluchtversuche waren die Folge. Im Durchgangsheim in Demmin erlebte die 15-Jährige ein drakonisches Strafsystem. In der gefängnisähnlichen Einrichtung waren harte Arbeit in der Näherei und Wäscherei, militärischer Drill und Strammstehen Alltag. Unterricht fand kaum statt. Gemeinsam mit einem anderen Mädchen versuchte sie zu fliehen. Ihre nächste Lebensstation war der Jugendwerkhof „August Bebel“ in Burg bei Magdeburg. Hier erfolgte der Abbruch ihrer Schulausbildung. Ohne Auswahlmöglichkeit für einen Beruf wurde ihr eine Teilfacharbeiterausbildung zur Gärtnerin zugewiesen. Später arbeitete sie im Jugendwerkhof als Näherin. Nach erneuten Fluchtversuchen kam sie in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau. In dieser Zeit erfuhr sie durch tägliche Gewalt, Misshandlung und sexuellen Missbrauch weitere Unterdrückung und Missachtung ihrer Persönlichkeit. Die Unterbringung erfolgte für vier Monate. Seit ihrer Entlassung aus dem Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau folgte Heidemarie Puls uneingeschränkt allen Anweisungen der Erzieher im JWH Burg und erbrachte überdurchschnittliche Arbeitsleistungen in der Produktion in der Näherei. Im Dezember 1974 wurde sie entlassen und zog zu ihrer Großmutter nach Neukalen. Erst viele Jahre später war es Heidemarie Puls möglich, das Erlebte und Erlittene nach und nach aufzuarbeiten. Heute ist sie Vorsitzende des Interessenverbandes „Heimerziehung in der DDR“ in Mecklenburg-Vorpommern.
Als Mitglied des Opferbeirates der Gedenkstätte GJWH Torgau engagiert sie sich seit Jahren in Zeitzeugengesprächen und Opferbetreuung für die Aufarbeitung und Vermittlung der DDR-Heimerziehung.

Berichte

Videodokumentation: Missbrauch auch in Heimen der DDR, Bericht von Knud Vetten, MDR Exakt, 2010.