Zeitzeuge

Paulino José Miguel

Heidelberg, Baden-Württemberg
* 1970

Mit der Wiedervereinigung erfüllte sich mein Traum zu studieren.

  • Zeitzeuge Paulino José Miguel in der Zeit der deutschen Teilung bei der Arbeit an einer Maschine.
  • Zeitzeuge Paulino José Miguel mit Mikrofon bei einer Veranstaltung im Jahr 2022.
Themen
  • historische Aufarbeitung
  • deutsche Einheit
  • Alltagserfahrungen
  • Umbruchserfahrungen seit 1989/90
  • Wirtschaft/Landwirtschaft
  • Migrationserfahrungen
  • Bildung/Erziehung
Sprache
  • Portugiesisch

Biografisches

1970 in Ancuabe/Mosambik geboren
1978–1981 Besuch der Grundschule in Mosambik
1982–1988 Besuch der Polytechnischen Oberschule „Schule der Freundschaft“ in Staßfurt
1986–1988 Lehre als Instandhaltungsmechaniker im Volkseigenen Betrieb (VEB) Kali- und Steinsalzbetriebe „Saale“ in Staßfurt
1988–1989 Armeedienst in Mosambik
Oktober 1989 Rückkehr in die DDR
1989–1990 Tätigkeit als Hydraulikschlosser/Schweißer im VEB Metallgußwerk Wernigerode
1991 Schweißerlehrgang an Schweißtechnischen Lehranstalt Magdeburg
1992–1995 Abitur auf dem zweiten Bildungsweg in Magdeburg
1992–1997 verschiedene Tätigkeiten (u. a. als Bauarbeiter, Schlosser und Schweißer) in Magdeburg
1998–2006 Studium der Erziehungswissenschaft und Politikwissenschaft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg mit zwischenzeitlichem Auslandsstudium an der Universität Aarhus in Dänemark (Abschluss: Magister Artium)
seit 1999 freiberufliche Tätigkeit im Bildungs- und Wissenschaftsbereich (u. a. Organisation und Moderation von Workshops, Projekten und Tagungen)
2001–2006 verschiedene Tätigkeiten (u. a. als wissenschaftliche Hilfskraft, Hausmeister und wissenschaftlicher Mitarbeiter) in Heidelberg und Köln
2007 Praktikum an der Evangelischen Akademie Bad Boll
seit 2008 Leitung des Fachbereichs Migration und Entwicklungspolitik im Forum der Kulturen Stuttgart e. V.
2024 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande
 

zahlreiche Ehrenämter (Auswahl):
- 2012–2023 Mitglied des Beirats zur Weiterentwicklung für das Programm der kommunalen Entwicklungspolitik
- seit 2012 Mitglied des Rats für Entwicklungszusammenarbeit (REZ) Baden-Württemberg
- 2019 Gründungsmitglied des Uthukumana Afrika e. V. und aktuell Vorstandsvorsitzender
- 2024 Gründungsmitglied des Panafrikanischen Rates Baden-Württemberg e. V.

 

Veröffentlichung

Christiane Mende und Paulino Miguel: Mauerfall und Deutsche Einheit aus Perspektive mosambikanischer Migrantinnen und Migranten. Beitrag auf www.bpb.de, 19.03.2021.

Kurzbeschreibung

Paulino José Miguel stammt aus der mosambikanischen Provinz Cabo Delgado, wo er als viertes von fünf Kindern geboren wurde.
Nach Abschluss der vierten Klasse begann ein neues Kapitel in seinem Leben. Er verließ seine vertraute Umgebung, um in der DDR seine schulische und später auch berufliche Ausbildung fortzusetzen. Die Grundlage dafür war ein Staatsvertrag zwischen der DDR und Mosambik, der damals etwa 900 mosambikanischen Jugendlichen zwischen 12 und 14 Jahren ermöglichte, in Deutschland einen Schulabschluss zu machen. Im August 1982 kam Paulino Miguel im Alter von 11 Jahren nach Staßfurt bei Magdeburg. Das Leben in der „Schule der Freundschaft“ bedeutete für ihn eine komplette Umstellung – der Alltag war beispielsweise streng organisiert und es gab wenig Privatsphäre.
Bis Ende der 1980er-Jahre war Paulino Miguel als mosambikanischer Vertragsarbeiter in der ehemaligen DDR tätig. Später erkämpfte er sich das Bleiberecht im vereinten Deutschland.
Er studierte Erziehungs- und Politikwissenschaft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und an der Universität Aarhus in Dänemark. Zu seinen bisherigen Tätigkeiten zählen Projekte zur Reintegration von ehemaligen Kindersoldaten, Vereinsarbeit sowie die Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im DOMiD (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e. V. in Köln) und am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Heidelberg. Paulino Miguel leitet im Forum der Kulturen Stuttgart e. V. den Fachbereich Migration und Entwicklungspolitik und fördert in diesem Rahmen entwicklungspolitische Bildungsarbeit, berät migrantisch-diasporische Vereine und setzt sich für deren Vernetzung ein.
Paulino Miguel erlebte in seinen prägenden Jahren als Jugendlicher und junger Erwachsener den real existierenden Sozialismus, beobachtete und gestaltete migrantische Proteste und Widerstände, wurde Zeuge der gesellschaftlichen Umbrüche und des Aufbaus in Ostdeutschland sowie der Freuden und Enttäuschungen rund um die deutsche Wiedervereinigung. All das ist selbstverständlicher Teil SEINER Geschichte und SEINER aktiven Rolle als Förderer und Forderer von gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Berichte (Auswahl)

„'Brückenbauer für interkulturelles Miteinander': Bundesverdienstkreuz für Paulino José Miguel“ – Artikel über die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Paulino José Miguel. Beitrag auf www.heidelberg.de, 14.02.2025

„Nachwuchs für den Klassenkampf. Die Schule der Freundschaft in Staßfurt“ – Artikel über den gleichnamigen Film von Kristin Siebert, in dem auch Paulino José Miguel zu Wort kommt. Beitrag auf www.mdr.de, 2023.
Nähere Informationen zum Film sind auf der Internetseite der Produktionsfirma Elbmotion zu finden.

„Paulino para RDA — Mosambik, DDR und die Heimat im Westen“ – ein Film von Daniel Poštrak, produziert für das Projekt „Erinnern stören“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung, 2020.