Zeitzeuge

Anne Hahn

Berlin, Berlin
* 1966

Mein Bett hab ich im Freien gemacht/
Und in der Nacht gelacht/
Geweint auch und die Stimme klang/
Tausendstimmig wild ein Schlachtgesang
(Inge Müller)

Themen
  • Kunst/Kultur/Literatur
  • politische Haft
  • Flucht/Fluchthilfe
  • Jugendkultur

Biografisches

1966 in Magdeburg geboren
1989 Haft in Hohenleuben nach einem Fluchtversuch an der sowjetisch-iranischen Grenze
1998 Hochschulabschluss in Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin
seit 1999 Autorin, Subkultur-Forscherin
 

Veröffentlichungen (Auswahl):

Anne Hahn und Frank Willmann (Hg.): Stadionpartisanen. Fußballfans und Hooligans in der DDR. Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag, 2021.
Anne Hahn und Frank Willmann: Vereint im Stolz. Fußball, Nation und Identität im postjugoslawischen Raum. Reihe „Zeitbilder“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Bonn: 2021.
Anne Hahn und Frank Willmann: Mittendrin. Fußballfans in Deutschland. Reihe „Zeitbilder“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Bonn: 2018.
Anne Hahn: Das Herz des Aals. Ventil Verlag, 2017.
Anne Hahn: DreiTagebuch. Ventil Verlag, 2014.
Anne Hahn: Gegenüber von China. Ventil Verlag, 2014.
Anne Hahn und Frank Willmann (Hrsg.): Der weiße Strich. Vorgeschichte und Folgen einer Kunstaktion an der Berliner Mauer. Berlin: Christoph Links Verlag, 2011.

Kurzbeschreibung

Nach dem Verlust eines Studienplatzes für Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin durch ihr Engagement für die Punks ihrer Heimatstadt versuchte Anne Hahn im Mai 1989 einen Grenzdurchbruch aus der aserbaidschanischen Republik in Richtung Iran, um von dort aus in die Türkei und schließlich nach West-Berlin zu gelangen. Ihre Festnahme und Rückführung erfolgte durch die sowjetischen Grenztruppen. Nach einer sechsmonatigen Haft und der Entlassung durch Amnestie Ende November 1989 studierte sie in Berlin unter anderem Kunstgeschichte.
Ihre Erlebnisse verarbeitete sie im Roman „Dreizehn Sommer“, der 2005 erschien. In den Folgejahren veröffentlichte sie gemeinsam mit Frank Willmann mehrere Sachbücher, die sich der Aufarbeitung von subkulturellen Strömungen in der DDR widmen, darunter „Stadionpartisanen. Fans und Hooligans in der DDR“ (2007) und eine Biografie über den Punk-Musiker Dieter „Otze“ Ehrlich („Satan, kannst du mir nochmal verzeihen“, 2008). Des Weiteren erarbeitete Anne Hahn eine Ausstellung und ein Sachbuch zu einer spektakulären Kunstaktion an der Berliner Mauer, die mit der Festnahme eines der Akteure endete („Der weiße Strich“, 2011). 2014 folgte der autobiografisch geprägte Roman „DreiTagebuch“, dem der Literaturpreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft 2015 verliehen wurde. Weitere Publikationen erschienen 2017 und 2018.
Anne Hahn lebt in Berlin und Magdeburg.

Podiumsgespräch mit Anne Hahn: Gegen alle Mauern – Unangepasste Jugendliche in der DDR der 1970er- und 1980er-Jahre

Der Anpassungsdruck, der auf der Jugend in der SED-Diktatur lastete, war gewaltig. Jugendliche, die sich den Vorschriften und Einengungen ihres Lebens durch die Staatsorgane in Schule, Beruf und Freizeit widersetzten, die sich frei machen und eigene Lebensformen erproben wollten, stießen schnell und hart an die sichtbaren und unsichtbaren Mauern der DDR. Aufgrund ihres „Anderseins“ als Punks oder Friedensaktivistinnen bekamen sie die geballte Macht des Systems zu spüren. Die Auswirkungen auf ihre Jugend und ihre Zukunft waren gravierend: Ausgrenzung von Bildung und Beruf, Stigmatisierung, Verfolgung durch die Stasi und politische Haft.
Das Podiumsgespräch fand am 22.06.2022 in der Bundesstiftung Aufarbeitung statt.

Zeitzeugengespräch mit Jugendlichen aus Bayreuth

99 Schülerinnen und Schüler des Markgräfin-Wilhelmine Gymnasiums Bayreuth beteiligten sich an dem Zeitzeugengespräch, das die Deutsche Gesellschaft e. V. im Rahmen ihrer Reihe „Erinnerung ist Zukunft“ bei der Bundesstiftung Aufarbeitung ausrichtete. Anne Hahn berichtete von ihrer Flucht, die 1989 an der sowjetisch-iranischen Grenze scheiterte, und ihrer Haft im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen. Hier gelangen Sie zum Veranstaltungsbericht von Helen Stoeßel, Praktikantin in der Bundesstiftung Aufarbeitung.