Zeitzeuge

Reinhard Bohse

Leipzig, Sachsen
* 1948

Demokratie schenkt uns keiner. Die Karre müssen wir selbst aus dem Dreck ziehen.

Themen
  • Parteien
  • Medien
  • historische Aufarbeitung
  • Mauerbau 13. August 1961
  • Umbruchserfahrungen seit 1989/90
  • Opposition/Bürgerrechtsbewegung

Biografisches

1948 in Leuben/Meißen geboren
1963-1967 EOS (Abitur) und Internat in Meißen
1969-1973 Studium der Geowissenschaften in Freiberg
1974-1982 Referent in der Bezirksstelle für Geologie in Leipzig
1982 Lektor im Tourist Verlag Berlin/Leipzig
1989 Mitbegründer Neues Forum in Leipzig, Mitgründer des Forum Verlages Leipzig
1990 Mitherausgeber „Jetzt oder nie – Demokratie"
1990-1998 Pressesprecher der Stadt Leipzig, Leiter Öffentlichkeitsarbeit
1991 Mitbegründer von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen
1999 Institut für Medienanalysen Medien Tenor in Leipzig
2001 Leiter Unternehmenskommunikation Leipziger Verkehrsbetriebe
2014-2020 Geschäftsführer Wortgebrauch GmbH 
2014-2020 Lehraufträge an Universität Leipzig, Fachhochschule Mittweida, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK)

Veröffentlichungen 

Reinhard Bohse: Von einem, der auszog in eine nicht vergangene Zeit. Historischer Report 1945-1989, Leipzig: Edition Hamouda, 2021.

Reinhard Bohse: Warum war die 89er Revolution friedlich? Das Jahr 1989 – eine Sternstunde in Europa. In: Krieg und Frieden. ed. Dominik Becher und Alexandra Bär, Leipzig: Edition Hamouda, 2017.

Reinhard Bohse und Tobias Hollitzer (Hg.): Heute vor 10 Jahren. Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution, Bonn: InnoVatio Verlag, 2000.

Reinhard Bohse und Grit Hartmann, Ulla Heise, Matthias Hoch, Josef Kurz, Amelie Möbius, Rolf Sprink (Hg.): Jetzt oder nie – Demokratie! – Leipziger Herbst ’89, Leipzig: Forum Verlag Leipzig, 1989.

Kurzbeschreibung

Reinhard Bohse wuchs in einem weitgehend staatstreuen Haushalt auf. Der Vater Schuldirektor, die Mutter Grundschullehrerin erzogen ihn in christlicher Tradition. Bohse war FDJ-Mitglied, besuchte ein Internat und machte das Abitur. Während des Mauerbaues besuchte er in West-Deutschland Verwandte und kehrte mit der Mutter zurück. 1967-1969 war er in der DDR-Armee und erfuhr den Prager Frühling als Soldat. Seine Erfahrung in der NVA, die er als faschistoid empfand, prägte ihn. Auch deshalb war er bereits vor 1989 in DDR-kritischen Kreisen aktiv. Seit 1975 organisierte er regelmäßige Gesprächsrunden in seiner Wohnung. Bohse gründete in Leipzig die Jazzgruppe SUM, die zeitweise Auftrittsverbot hatte und beteiligte sich an einem Literaturzirkel, der vom MfS aufgelöst wurde.
1989 war er Mitbegründer des Neuen Forums und des Forum Verlages Leipzig. Dort konzipierte er 1990 Publikationen wie „Stasi intern“ und „Stasi intim“. Von 1990 bis 1998 – nach der Wahl von Dr. Hinrich Lehmann-Grube zum Oberbürgermeister – sprach Bohse als Pressesprecher für die Stadt Leipzig und verantwortete die Öffentlichkeitsarbeit. Nach der 89er-Revolution erwiesen sich die 1990er-Jahre erwartungsgemäß als besonders turbulente Zeiten, geprägt vom demokratischen sowie organisatorischen Neuaufbau der Stadt Leipzig und der Auseinandersetzung mit den DDR-Eliten. Nichts blieb unverändert. Die Wahl des Oberbürgermeisters 1990 ging als erste demokratische Wahl eines Stadtoberhauptes nach 60 Jahren in die Geschichte Leipzigs ein. 1991 gehörte er zu den Mitbegründern von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen und organisierte Leipziger Montagsgespräche als Opfer-Täter-Gespräche. 2009/10 moderierte er regelmäßig montags mit Tobias Hollitzer in der „Runden Ecke" Montagsgespräche, welche Akteure der Friedlichen Revolution vorstellen. Seine besonderen Interessen sind Jazzmusik, Literatur und osteuropäische Zeitgeschichte.

Bericht

"DDR blieb der doofe Rest" - Reinhard Bohse erinnerte anlässlich eines Festaktes zum 25. Jubiläum der deutschen Einheit im Stadthaus in Bargteheide an die friedliche Revolution. Stormarner Tageblatt, 04.10.2015.