Zeitzeugen für den Unterricht

Der Prager Frühling und seine Niederschlagung waren für viele DDR-Bürger Anlass und Bestätigung, gegen die SED-Diktatur zu protestieren. Einige bekundeten ihren Protest öffentlich, andere engagierten sich fortan in Friedens- und Oppositionsgruppen. Journalisten, die als Korrespondenten in Osteuropa tätig waren, erlebten den Aufstand hautnah mit. Fluchthelfer waren bei ihren Fluchtprojekten über die Tschechoslowakei nach Österreich von den Folgen des Aufstands betroffen. Die Zeitzeugen des Portals, die über den Prager Frühling und seine Folgen berichten können, werden im Folgenden kurz vorgestellt. Über ihr Profil können sie direkt kontaktiert und für Veranstaltungen eingeladen werden. Alle Biografien können zusammen mit den Angeboten des Schwerpunkts "Prager Frühling" für die Gestaltung von Schulstunden genutzt werden.

Jahrgang 1940, Berlin: Joachim Jauer sammelte erste journalistische Erfahrungen beim RIAS. Als Moderator und Redakteur beim ZDF war er für Ausstrahlungen wie "Drüben" und "Kennzeichen D" verantwortlich. Als Sonderkorrespondent des ZDF für Ost- und Mitteleuropa wurde er zum Chronisten der Revolutionen in Prag, Sofia, Budapest und Bukarest.

Jahrgang 1942, Berlin: Als Student interessierte sich Hans-Jürgen Fink für die politischen Entwicklungen in Mittel- und Osteuropa. So organisierte er den ersten Studierendenaustausch zwischen der Bundesrepublik und der CSSR nach 1945. Seit 1967 arbeitete er an der Ökonomischen Hochschule in Prag und erlebte den Prager Frühling hautnah mit.

Jahrgang 1948, Leipzig: Reinhard Bohse war seit 1967 in der Nationalen Volksarmee und erlebte den Prager Frühling als Soldat. Seine Erfahrungen prägten ihn stark, so dass er sich schon früh in DDR-kritischen Kreisen engagierte. 1989 war er Mitbegründer des Neuen Forums und des Forum Verlages Leipzig.

Jahrgang 1945, Berlin: Peter Bieber fasste früh den Entschluss, aus der DDR zu fliehen. Der Prager Frühling und die revolutionäre Stimmung steckten ihn an. Ein Fluchtversuch über Bratislava zur österreichischen Grenze missglückte. Schließlich gelangte er in einem Schrank auf der Ladefläche eines PKWs von der DDR nach Westdeutschland.

Jahrgang 1951, Kloster Lehnin: Als im August 1968 der Prager Frühling gewaltsam niedergeschlagen wurde, kursierte in der Berufsschule von Andreas Kuhnert eine Resolution. Als einziger verweigerte er seine Unterschrift, mit der die "Niederschlagung der Konterrevolution" begrüßt werden sollte. Daraufhin wurde ihm sein Mathematikstudium verweigert.

Jahrgang 1946, Dresden: Heinz Eggert reiste 1968 nach Prag und erlebte die Stimmung des Prager Frühlings unmittelbar mit. Als Pfarrer in Sachsen unterstützte er Andersdenkende und Ausreisewillige. 1989/90 hielt er Friedensgottesdienste ab, besetzte die Kreisdienststelle der Stasi und vertrat das Neue Forum am Runden Tisch.

Jahrgang 1944, Leinfelden-Echterdingen: Die Repressalien des SED-Regimes wurden ihm bewusst, als er den Volksaufstand 1953 und die Verhaftung von Freunden erlebte. Als die Panzer 1968 nach Prag zogen, kommentierte er dies bei einer Versammlung mit "1938 braune deutsche Faschisten in Prag - 1968 rote sowjetische Kommunisten in Prag".

Jahrgang 1943, Frankfurt (Oder): In Studentenkreisen sprach er sich offen gegen die gewaltsame Niederschlagung des Prager Frühlings und die Ausbürgerung Biermanns aus. Er nahm an Veranstaltungen teil, die zu Veränderungen in der DDR beitragen sollten und war Mitglied der Initiative Frieden und Menschenrechte.

Jahrgang 1942, Görlitz: Der Fluchthelfer Ralph Kabisch fuhr ab 1967 DDR-Bürger in einem umgebauten Cadillac über die Tschechoslowakei, Ungarn und Bulgarien in den Westen. Bei einer Aktion in der Tschechoslowakei wurde er verhaftet.  Beeinflusst durch den Prager Frühling erhielt er ein überraschend mildes Urteil.

Jahrgang 1950, Teuchern: Lothar Tautz trat vor dem Hintergrund der Ereignisse des Prager Frühlings 1968 aus der SED aus und war später Mitbegründer der Gruppe "Frieden 83" und der "Solidarischen Kirche" in der DDR. Er war in zahlreichen Umwelt- und Oppositionsinitiativen aktiv.

Jahrgang 1962, Leipzig: Als Schüler besuchte Oliver Kloss die Junge Gemeinde, nahm an einem Rudolf-Bahro-Lesekreis teil und erfuhr auf Reisen in die CSSR vom Prager Frühling. Mit anderen entwarf er den "Aufruf zum 13. Februar 1982" und war 1986 Gründungsmitglied der Arbeitsgruppe Menschenrechte in Leipzig.

Jahrgang 1942, Werdau: Geprägt von dem frühen Kindheitserlebnis der Bombennächte, der Wiederaufrüstung, dem Prager Frühling und dem Gedankengut der Gewaltfreiheit Martin Luther Kings, engagierte er sich im Friedensseminar Königswalde und versuchte dazu beizutragen, die DDR friedlicher, freundlicher und menschlicher zu gestalten.

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

Contemporary Witnesses of Divided Germany

The brochure provides information on the portal www.zeitzeugenbuero.de, presents the educational offers of the Federal Foundation for the Study of Communist Dictatorship in East Germany as well as memorial sites and museums in Berlin and Brandenburg with English-language offers. 

You can download and order the broschure for free in our publication shop.

DDR-Geschichte vermitteln

Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

>>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.