Bürokratopoly - Ein Lehrspiel aus der DDR

In den 1980er Jahren entwickelte Martin Böttger ein Spiel, mit dem er den SED-Staat aufs Korn genommen hat. Anders als bei "Monopoly" geht es nicht um Geld, sondern um Macht. Ziel ist es, den Posten des SED-Generalsekretärs zu bekommen - Meuterei, Wahlbetrug, Vetternwirtschaft, alles ist erlaubt. Das Spiel verbreitete sich rasch im politischen Untergrund der DDR.

Mehr als 30 Jahre später haben Pädagogen, Historiker und Spieleexperten vom DDR Museum und von Capito es neu aufbereitet und für den Schulkontext optimiert. Den Lehrern steht mit Videos, Arbeitsblättern und Originaldokumenten umfassendes      Zusatzmaterial zum Einsatz im Schulunterricht zur Verfügung.    Die Bundesstiftung Aufarbeitung hat das Projekt gefördert.


 Auf www.buerokratopoly.de können Sie das Spiel         kostenfrei bestellen und erhalten weitere Informationen.

Zeitzeugengespräch

Neben Martin Böttger stellen sich viele weitere DDR-Oppositionelle im Zeitzeugenportal vor, die Sie in den Unterricht einladen können. Im Themenschwerpunkt "Friedliche Revolution 1989/90" haben wir diese für Sie zusammen gestellt. Dort finden Sie auch Hinweise zu weiterem Unterrichtsmaterial, zu Büchern, Filmen,  Zeitzeugenberichten und anderen Internetangeboten.

Video-Interview mit Martin Böttger

Das Interview wurde vom DDR Museum durchgeführt. 

- Weg in die DDR-Opposition

- Jugend in der DDR

- Friedensbewegung

- Spiel mit der Stasi

- Berufliche Karierre

Schülerinnen und Schüler haben "Bürokratopoly" am 29.9.2014 in der Bundesstiftung Aufarbeitung getestet

In der DDR waren Gesellschaftsspiele rar und so wurden immer wieder Spielideen aus der Bundesrepublik kopiert oder in veränderter Form übernommen. So auch Monopoly, dass aufgrund seiner "kapitalistischen" Inhalte in der DDR verboten war und den Oppositionellen Martin Böttger auf die Idee brachte, Bürokratopoly zu erfinden.

Michael Geithner von "Nachgemacht - Spielekopien aus der DDR" koordinierte die erste Neuauflage des Spiels im wiedervereinten Deutschland und setzte diese für das DDR Museum und in Kooperation mit Capito - Agentur für Bildungskommunikation sowie der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur um. 

Am 29. September 2014 wurde das Spiel in der Bundesstiftung Aufarbeitung präsentiert und ausprobiert: Mehr als 60 Schülerinnen und Schüler aus Berlin und Brandenburg würfelten mit Zeitzeugen und Journalisten um den Sieg. Zu Beginn der Veranstaltung berichteten Robert Rückel vom DDR Museum und Dr. Jens Hüttmann von der Bundesstiftung Aufarbeitung von der Neuauflage des Spiels. "Zahlreiche Studien belegen, dass junge Menschen, die nach 1990 geboren wurden zu wenig über die Geschichte der DDR wissen", erläuterte Jens Hüttmann, "doch was in den Studien häufig unterschlagen wird, ist das Interesse der Schüler an der DDR". Mit Bürokratopoly sollen die jungen Menschen die Chance haben, einen Einblick in das SED-Regime zu erhalten.

In der DDR wurde Bürokratopoly in oppositionellen Kreisen gespielt und viele Male kopiert und dabei leicht verändert. So hat Herr Großkopf das Spiel unter dem Namen "Karriere" in der DDR kennen gelernt, wie er bei der Veranstaltung berichtete. Auch Frau Börner-Grimm und Frau Dillenhardt spielten Bürokratopoly in der DDR gern und bastelten sich selbst ein Spiel mit eigenen Ereigniskarten, die sich am Original von Martin Böttger orientierten. Mit der Verbreitung des Spiels fiel es auch der Stasi in die Hände, wie Martin Böttger nach 1990 aus seiner Stasiakte erfuhr. Bürokratopoly wurde als "Gesellschaftsspiel mit negativ-feindlichem Charakter", welches auf "ironische Weise die angeblichen Wege zur Erlangung und zum Verlust politischer Macht in der DDR aufzeigt", bezeichnet. Der Auszug aus den Stasiakten und die Bilder vom Original des Spiels bilden die Rückseite des "neuen" Bürokratopoly. Für das Spielen im Unterricht und eine Auseinadersetzung einserseits mit den Machtstrukturen in der SED-Diktatur und andererseits mit der DDR-Opposition wird das Spiel durch umfangreiches didaktisches Material ergänzt.

"Damit wir nicht immer nur in Ernst und Traurigkeit versinken", antwortete Martin Böttger auf die Frage, wieso er das Spiel erfunden habe. Die Schülerinnen und Schüler sahen das ganz genauso: Alle versuchten mit viel Strategie und taktischen Bündnissen das Ziel des Spiels zu erreichen und den Posten des SED-Generalsekretärs zu erkämpfen. Die Schüler freuten sich über die Idee, mit einem Gesellschaftsspiel einen Einblick in das SED-Regime zu erhalten. Auch die Lehrer begrüßten es als ganz neuen Zugang für den Geschichtsunterricht.

Abschließend erhielten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Urkunde. Das Spiel ist für Schulen und Lehrer kostenfrei erhältlich. Privatpersonen müssen eine Schutzgebühr von 5 Euro bezahlen. Auf www.buerokratopoly.de können Sie das Spiel bestellen.

Philip Wulkow, Freiwilliges Soziales Jahr im politischen Leben

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Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

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Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

DDR-Geschichte vermitteln


Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

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Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

 >>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.

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