Einführung


Staatliche Jugendpolitik

Das wichtigste Erziehungsziel der SED war es, die jungen Menschen in der DDR zu "sozialistischen Persönlichkeiten" zu erziehen. Die "Hausherren von morgen" sollten den Sozialismus "stärken und gegen alle Feinde zuverlässig schützen" (Jugendgesetz der DDR, 1974). Der Grundstein dafür sollte schon bei den Grundschülern gelegt werden. Mit dem Eintritt in die Polytechnische Oberschule (POS) erfolgte auch die Aufnahme in die "Pionierorganisation Ernst Thälmann". Mit dem Übergang in die achte Klasse traten die Schüler in die "Freie Deutsche Jugend" ein. Die Mitgliedschaft war zwar formal freiwillig, aber wer nicht mitmachte, hatte mit erheblichen Nachteilen zu rechnen. So wurden in der Regel nur FDJ-Mitglieder zur Erweiterten Oberschule (EOS) und zum Abitur, der Voraussetzung für ein Studium, zugelassen. Neben guten Noten war demnach vor allem die "richtige" politische Einstellung relevant.

Der Schulunterricht sollte Einfluss auf die ideologisch-politische Erziehung der Jugendlichen nehmen und die Schüler auf die Arbeitswelt vorbereiten. Ab der 5. Klasse lernten sie Russisch, in den höheren Klassen kamen die Fächer Staatsbürgerkunde und ab 1978 Wehrkunde hinzu. Auch für Fleiß, Ordnung, Mitarbeit und Betragen erhielten sie Noten. Für die Zeit nach dem Unterricht organisierte die FDJ Freizeitangebote und Ferienlager, lud zu Jugendklubs ein, publizierte eine eigene Zeitung ("Junge Welt") und ein Jugend-Reisebüro ("Jugendtourist"). Es wurden Ernteeinsätze, Jugendbrigaden, Pfingsttreffen und Fackelzüge veranstaltet. Gleichzeitig richtete sich die FDJ gegen alle anderen Jugendgruppierungen und versuchte, diese zu vereinnahmen. Besonders die Jugendarbeit der evanglischen Kirche in der DDR sollte gestört werden. Anstelle der Konfirmation wurde die Jugendweihe als einzig akzeptierte Alternative etabliert. Jene, die sich verweigerten, hatten auch hier mit Nachteilen für ihre Schul- und Berufsausbildung zu rechnen.

Wer zum Studium zugelassen werden wollte, war nicht nur auf gute Noten angewiesen. Eine positive Einstellung zum Arbeiter- und Bauernstaat war ebenso wichtig wie die Herkunft: Jugendliche aus einem bürgerlichen, christlichen oder als intelektuell geltendem Elternhaus hatten schlechte Chancen. Zudem war festgelegt, wie viele Hochschulabsolventen in welcher Branche benötigt wurden. Die individuellen Berufswünsche wurden in der Regel den wirtschaftlichen Erfordernissen untergeordnet.

Militarisierung
Hatte die Uniformierung der Gesellschaft bereits in der Grundschule begonnen, mussten ab 1978 alle Schüler der neunten und zehnten Klassen am Wehrkundeunterricht teilnehmen.  Die zunächst spielerischen Elemente der Militarisierung wurden z.B. durch ein "freiwilliges Wehrlager" für die Jungen abgelöst. Jene Jungen, die nicht teilnahmen, und alle Mädchen hatten einen "Lehrgang für Zivilverteidigung" zu absolvieren. Die paramilitärische Jugendorganisation "Gesellschaft für Sport und Technik" (GST) war gemeinsam mit der Nationalen Volksarmee (NVA) für die vormilitärische Ausbildung in Schulen, Universitäten und Betrieben verantwortlich.

1962 wurde die Wehrpflicht in der DDR eingeführt. Wer bei Einberufung verweigerte, hatte einen waffenlosen Wehrersatzdienst zu leisten und wurde "Bausoldat". Die Bausoldaten waren in das militärische Regime der NVA eingebunden, mussten aber keinen Eid ablegen, der sie zum Einsatz ihres Lebens verpflichtete. Einen zivilen Wehrersatzdienst gab es in der DDR nicht. Vermehrt in den 1970er und 1980er Jahren wollten sich junge Männer dem Wehrdienst verweigern und erhielten Freiheitsstrafen zwischen 18 bis 22 Monate.

Alternative Jugendkulturen und Jugendopposition
Je größer im Verlauf der Jahre die Kluft zwischen sozialistischer Propaganda und der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen wurde, desto offener sagten sich immer mehr junge Leute von der staatlichen Bevormundung los. Der Eingriff in den Alltag und die für jeden Staatsbürger der DDR scheinbar vorgefertigte "Normalbiographie" ließ viele Jugendliche zurück schrecken. Sie suchten nach Freiräumen und alternativen Ausdrucksformen. Es bildeten sich verschiedene Gruppierungen heraus. So unterschiedlich sie waren, so sehr einte sie die Ablehnung der staatlich verordneten sozialistischen Gesellschaft als "spießbürgerlich".

Anfang der 1960er Jahre gelangte die Beat-Musik aus England und den USA in die DDR. Die Fans waren oft unpolitisch, sie standen für persönliche Unabhängkeit und für Zwanglosigkeit im Alltag. Ihre Sympathie mit der Musik und dem Westen drückten sie mit langen Haaren, Jeans und Miniröcken aus. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) reagierte darauf mit Verboten von Bands, Schallplatten und mit Schulverweisen. Nach der Verhaftung von mehr als 250 Beat-Fans 1965 zogen diese sich aus dem öffentlichen Raum zurück. An versteckten Treffpunkten spielten Bands die Hits der Originale oder eigene Stücke.

Eine offene politische Opposition war aufgrund der Verfolgung systemkritischer Jugendlicher kaum möglich. Jugendliche, die sich dennoch widersetzen wollten, schlossen sich zunehmend illegalen und konspirativ arbeitenden Gruppen an. So entstanden Ende der 1970er Jahre Kultur-, Friedens-, Menschenrechts- und Umweltgruppen. Die evangelische Kirche wurde für viele unangepasste Jugendliche zur Nische und entwickelte sich zu einem Sammelbecken für kritische oder staatsfeindlich denkende Menschen.

Anfang der 1980er Jahre erreichte die Punk-Bewegung die DDR. Die Jugendlichen demonstrierten ihre grundlegende Verweigerung öffentlich und fielen auf: mit gefärbten Haaren, anarchistischen Sprüchen und provokanter Musik. Der SED galten sie als "dekadent" und "asozial". Das MfS reagierte mit Hausdurchsuchungen, dem Abrasieren der gefärbten Haare und mit Gefängnisstrafen. Viele Punkbands wurden aufgelöst und die Musiker verhaftet. Einige von ihnen fanden bei den Kirchen Auftrittsmöglichkeiten.

Unter den Skinhead-Gruppen sammelten sich rechtsexteme sowie unpolitische Skins und Hooligans. 1987 kam es zu einem weit über die Grenzen der DDR bekannt gewordenen Zusammenstoß von rechtsextremen Skins mit Punks und Bluesern: Als die West-Berliner Band "Element fo Crime" und die Ost-Berliner Untergrundband "Die Firma" in der Zionskirche in Berlin-Mitte spielten, überfiel eine Gruppe von Skinheads die Musikfans. Die SED leugnete die Existenz von Rechtsextremen in der DDR und versuchte vergeblich, den Überfall zu verschweigen.

Zunehmend verlor die SED ihre Einflussmöglichkeiten und die Kontrolle über einen großen Teil der Jugend in der DDR. Die Versuche der Überwachung und Zersetzung liefen immer öfter ins Leere. Stattdessen sollten Teile der Subkulturen in die offizielle Jugendkultur integriert werden. Einige Punk-Bands durften offiziell als "die anderen Bands" auftreten. Zurückgewinnen konnte die SED die jungen Bürger dadurch nicht. 

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

Contemporary Witnesses of Divided Germany

The brochure provides information on the portal www.zeitzeugenbuero.de, presents the educational offers of the Federal Foundation for the Study of Communist Dictatorship in East Germany as well as memorial sites and museums in Berlin and Brandenburg with English-language offers. 

You can download and order the broschure for free in our publication shop.

DDR-Geschichte vermitteln

Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

>>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.