Zeitzeugen für den Unterricht

Wie haben Sie die Schulzeit erlebt? Was mussten Sie beim Wehrdienst machen? Warum wurden Sie nicht konfirmiert? Gab es Möglichkeiten, sich der FDJ zu entziehen? Dies sind nur einige Frage, die Jugendliche an Zeitzeugen richten können. Sie werden im Folgenden kurz vorgestellt. Über ihr Profil können sie direkt kontaktiert und für Veranstaltungen eingeladen werden. Alle Biografien können zusammen mit den Angeboten des Schwerpunkts "Jugend in der SED-Diktatur" für die Gestaltung von Schulstunden genutzt werden.

Jahrgang 1964, Berlin: Jürgen "Chaos" Gutjahr gründete 1981 in Leipzig die Punkband "Wutanfall". Als Gründer und Sänger der Band war er aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit der Hauptverantwortliche für alles, was bei der Band sowie in deren Umfeld passierte.

Jahrgang 1962, Hannover: Josephine Keßling erhielt trotz guter Noten keinen Platz auf dem Gymnasium. Sie machte eine Ausbildung und engagierte sich in der Jungen Gemeinde Halle-Neustadt. Die Stasi beobachtete die Gruppe mit Argwohn und so geriet auf Josephine Keßling in den Blick der Stasi.

Jahrgang 1934, Neustadt-Glewe: Christa Schenk stammt aus einem evangelisch-katholischen Umfeld. Aufgrund ihres Glaubens geriet sie in Konflikt mit dem SED-Regime. Ihre Töchter waren weder bei den Jungen Pionieren, noch in der FDJ und erhielten auch keine Jugendweihe.

Jahrgang 1935, Tübingen: Peter Bohley wuchs in einem pazifistischen Elternhaus auf. Er verweigerte den Wehrdienst und war Mitbegründer und Veranstalter eines Lesezirkels in Halle, der vom MfS den Namen "Freitags-Kreis" erhielt. 1979 eröffnete das MfS den Operativen Vorgang "Ring", der an der Zersetzung des Lesekreises arbeitete.

Jahrgang 1937, Euskirchen: Thomas Ammer war Mitglied des "Eisenberger Kreises". Die Gruppe an der Oberschule Eisenberg unternahm kleinere Aktionen und versuchte, die FDJ zu unterwandern. Dank strenger Konspiration und besonderer Vorsicht bestand die Gruppe über vier Jahre, bis das MfS sie 1958 zerschlug.

Jahrgang 1941, Berlin: Klaus Schulz-Ladegast besuchte Schulen in Ost- wie auch in West-Berlin. Sein Vater war engagierter Christ und arbeitete für den Bundesnachrichtendienst. Im August 1961 wurde Klaus Schulz-Ladegast zusammen mit seinem Vater verhaftet.

Jahrgang 1943, Leipzig: Hans-Jürgen Sievers war nicht in der FDJ und engagierte sich in Brandenburg in der Jungen Gemeinde. Er studierte Theologie und war nach seinem Vikariat sieben Jahre Pfarrer in der Uckermark und seit 1974 in Leipzig. Er half Jugendlichen, die wegen ihrer Kirchenmitgliedschaft sozialen Nachteilen ausgesetzt waren.

Jahrgang 1944, Leipzig: Gisela Kallenbach verweigerte die Jugendweihe, weshalb ihr das Abitur verwehrt wurde. Sie machte eine Lehre als Laborantin, absolvierte ein Fernstudium und engagierte sich in Umwelt- und Kirchengruppen. 1989 gehörte sie zum Gründungsmitglied des Vereins "Ökolöwe" und war nach 1989 im Dezernat Umweltschutz der Stadt Leipzig und für Die Grünen im Europäischen Parlament.

Jahrgang 1944, Berlin: Zweimal wurde Siegmar Faust wegen regimekritischer Lesungen und Gedichte vom Studium ausgeschlossen. 1971 wurde er verhaftet und stellte zwei Jahre später erfolglos Ausreiseanträge. Aufgrund oppositioneller Aktionen wurde er erneut inhaftiert. Drei Jahre später, 1976, konnte er in den Westen ausreisen.

Jahrgang 1944, Leinfelden-Echterdingen: Nach der Konfirmation durfte Hartmut Ernst Henke nicht zur Oberschule. Als seine Eltern in die LPG eintraten, konnte er das Abitur nachholen und ein Studium aufnehmen. Um sich dem Wehrdienst zu entziehen, versuchte er, die DDR zu verlassen.

Jahrgang 1973, Nebel: Immer wieder geriet Tim Eisenlohr in der Schule in Konflikte. Als er 12 Jahre alt war, trat er bei den Thälmann-Pionieren aus. Zwei Jahre später fand er Kontakt zur Umweltbibliothek. Bei der Stasi-Aktion "Falle" im November 1987 wurde er verhaftet.

Jahrgang 1966, Ainring: Seit seinem 12. Lebensjahr wurde Andreas Freund für vier Jahre in Einrichtungen der DDR-Jugendhilfe untergebracht. Immer wieder versuchte er, den unerträglichen Zuständen durch Fluchten zu entkommen. Kein Versuche gelang, er wurde zu einem Jahr Gefängnis im Jugendhaus Halle verurteilt. Mit 16 Jahren wurde er entlassen.

Jahrgang 1945, Zossen: Gilbert Furian war Mitglied der Jungen Gemeinde und wurde deshalb aus der FDJ ausgeschlossen. Damit war ihm das Studium zunächst verwehrt. Er absolvierte den Grundwehrdienst bei der NVA und konnte anschließend Philosophie studieren. 1970 wurde er exmatrikuliert. Als er 1982 versuchte, Interviews mit Ost-Berliner Punks in den Westen zu schmuggeln, verurteilte man ihn zu 26 Monaten Freiheitsentzug.

Jahrgang 1947, Chemnitz: Der Pfarrerssohn engagierte sich früh in Friedens- und Menschenrechtsgruppen in der DDR. 1970 verweigerte der Physiker den Waffendienst, später wurde er Mitinitiator der jährlichen Friedensseminare ehemaliger Bausoldaten.

Jahrgang 1947, Coburg: Bereits in den 1950er Jahren stattete Rupert Appeltshauser der DDR viele Besuche ab. Nach einer Unterbrechung durch den Mauerbau nahm er seine Besuchsreisen 1970 wieder auf und erlebte das Leben der Menschen in beiden Teilen der Stadt.

Jahrgang 1948, Berlin: Hartmut Richter lehnte es ab, seinem Pionierleiter über seine Mitschüler Bericht zu erstatten oder der FDJ beizutreten. Als Dreizehnjähriger beobachtete er den Mauerbau. Er trug Jeans und hörte die Rolling Stones. Seine langen Haare wurden ihm von Mitarbeitern der Staatssicherheit abgeschnitten. 1966 floh er in den Westen.

Jahrgang 1948, Berlin: Als evangelischer Christ war Wolfgang Koch von Kindheit an immer wieder Repressalien ausgesetzt. Da er sich konfirmieren ließ, durfte er nicht auf die Erweiterte Oberschule gehen. Auch das Studium wurde ihm verwehrt, als er den Dienst als Bausoldat antrat.

Jahrgang 1949, Buchloe: Nach der Polytechnischen Oberschule machte Claus Kurth eine Lehrausbildung bei der Deutschen Seerederei zum Vollmatrosen. Wegen angeblicher "versuchter Republikflucht" wurde er entlassen. Zu diesem Zeitpunkt war er noch überzeugt von der kommunistischen Idelogie, aber die Zweifel wuchsen.

Jahrgang 1950, Baden-Baden: Nach dem Abitur in Suhl absolvierte Immo Sennewald ein Studium und wurde wissenschaftlicher Assistent an der Akademie der Wissenschaften der DDR. Als Theater-Komparse bekam er Kontakt zu kritischen Regisseuren, Autoren und Schauspielern, die ihn zum Berufswechsel bewogen. Nach einem Regiestudium gründete er die erste und einzige Freie Theaterproduktion der DDR.

Jahrgang 1950, Neubrandenburg: Aufgrund seines katholischen Glaubens verwehrte die SED Rainer Prachtl die von ihm gewünschte Ausbildung. Er wurde Koch und holte während des Wehrdienstes das Abitur nach. Er war Mitglied im Arbeitskreis "Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung".

Jahrgang 1950, Erfurt: Wolfgang Mayer wuchs im Vogtland auf. Er studierte Pädagogik und arbeitete anschließend als Lehrer an einer POS für Mathematik und Polytechnik im thüringischen Ilmenau. Als er 1986 einen Ausreiseantrag stellte, wurde er fristlos aus dem Schuldienst entlassen und erhielt ein Berufsverbot.

Jahrgang 1951, Berlin: Als Pfarrerssohn war Ekkehard Maaß weder Mitglied der Jungen Pioniere noch der FDJ. Wegen eines Artikels gegen den Wehrdienst in der NVA wurde ihm zunächst das Studium verweigert. Er übersetzte Lieder russischer Dissidenten und trug sie vor, obwohl seine Auftritte in der DDR meist verboten waren. In seiner Wohnung organisierte er einen inoffiziellen Literarischen Salon.

Jahrgang 1951, Königs-Wusterhausen: Peter Driske machte eine Ausbildung und absolvierte den Grundwehrdienst bei der NVA. Danach holte er das Abitur an der Abendschule nach. Er studierte und wurde Lehrer in Berlin-Friedrichshain. Die Einführung von "Wehrdienst" und "vormilitärischer Ausbildung" in der Schule lehnte er ab. 1982 versuchte er zu fliehen.

Jahrgang 1952, Halle: Seit 1977 war Lothar Rochau Jugenddiakon in Halle-Neustadt. Er führte eine große Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppe an. Die Offene Jugendarbeit war nicht nur dem SED-Staat ein Dorn im Auge. Auch die Kirchenleitung distanzierte sich zunehmend von ihm.

Jahrgang 1953, Berlin: Doris Liebermann wuchs in einem Dorf an der bayerisch-thüringischen Grenze auf. Sie absolvierte eine Ausbildung mit Abitur und begann zu studieren. Doris Liebermann engagierte sich in der Jungen Gemeinde Jena Stadtmitte, wurde vorübergehend festgenommen und exmatrikuliert. 1977 wurde sie nach West-Berlin ausgebürgert.

Jahrgang 1954, Berlin: Bernd Florath wuchs in Berlin-Köpenick in einem kommunistischen Elternhaus auf. Wegen einer Kritik an der Ausbürgerung von Wolf Biermann wurde er exmatrikuliert und zur Bewährung in die Produktion geschickt. 1986 trat er unter dem Eindruck der neuen Politik Gorbatschows in die SED ein. Wie er später merkte, war dies "ein fundamentaler Irrtum".

Jahrgang 1957, Krakow am See: Nach einem Suizidversuch wurde die damals 11-Jährige in ein Kinderheim gebracht. Immer wieder unternahm sie Fluchtversuche und wurde daraufhin in andere Kinderheime gesteckt. Vier Monate musste sie im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau verbringen.

Jahrgang 1958, Großhennersdorf: Andreas Schönfelder verweigerte den Wehrdienst und engagierte sich für "Sozialer Friedensdienst" und "Schwerter zu Pflugscharen". Er gründete u.a. den "Offenen Friedenskreis Großhennersdorf". Von 1987 an baute Andreas Schönfelder nach dem Berliner Vorbild eine Umweltbibliothek in seinem Wohnhaus auf. Das MfS wollte seine Aktivitäten verhindern.

Jahrgang 1959, Schwerin: 1987 verweigerte Martin Klähn den Reservistendienst in der NVA. Er schloss sich dem "Freundeskreis Wehrdiensttotalverweigerer" an und gründete mit Freunden in Schwerin eine Regionalgruppe. Daraus entwickelte sich ein Lesekreis. Ab 1988 arbeitet er an einer Schweriner Untergrundzeitung mit. Das MfS beobachtete ihn seit 1987 im Operativen Vorgang "Gastgeber".

Jahrgang 1959, München: Sein politisches Bewusstsein erwachte mit der Ausweisung von Wolf Biermann 1976. Um seinen Schulabschluss nicht zu gefährden, hielt er sich mit öffentlichen Äußerungen zurück. Ab 1988 nahm er an Friedensgebeten in der Leipziger Nikolaikirche teil und engagierte sich im Arbeitskreis "Ausreise".

Jahgang 1959, Berlin: Jens Asche war 1980 Lagerleiter im Zentralen Pionierlager "Kurt Bürger" in Parchim. Ihm wurde klar, dass es dabei um eine Vorbereitung auf den Militärdienst ging. Antworten auf seine Fragen erhielt er in der Jungen Gemeinde. Er entschied sich, den NVA-Dienst als Bausoldat zu absolvieren; tagsdarauf durfte er seine Arbeitsstelle nicht mehr betreten.

Jahrgang 1960, Belzig: Der Sänger der legendären DDR-Rockband "Keimzeit" studierte nach dem Abitur und machte zugleich eine Karriere als Songschreiber und Sänger. Der kommerzielle Erfolg blieb jedoch aus, in den späten 1980er Jahren wurde "Keimzeit" für kurze Zeit die Spielerlaubnis entzogen.

Jahrgang 1961, Finne: Andreas Ilse verweigerte in der DDR den Waffendienst. Dies führte schon während der Lehre in den Buna-Werken zu Konflikten, da zur Lehr- auch die Schießausbildung gehörte. Als Bausoldat war er für 18 Monate am Militärstandort Prora kaserniert. 1984 deckten sie den Wahlbetrug bei der dortigen Kommunalwahl auf.

Jahrgang 1961, Berlin: Nach einer Empfehlung eines damaligen Japanologie-Professors durfte der Asien-Interessierte die Oberschule besuchen. Der Schulverweis einer kritischen Mitschülerin brachte Thomas Klingenstein in Konflikt mit der Schulleitung. Er suchte Kontakt zur Opposition, weshalb ihm das Studium verwehrt wurde. Als Schriftsteller engagierte er sich in der oppositionellen Kunst- und Kulturszene.

Jahrgang 1961, Magdeburg: Seit seiner Zeit als Bausoldat war Wolfgang Geffe in Basisgruppen engagiert, die sich Fragen von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Umwelt zuwandten. Seit 1987 traf sich der Friedenkreis der Kirchgemeinde Altenburg wöchentlich in der Wohnung der Familie Geffe.

Jahrgang 1961, Berlin: Die Pfarrerstochter schrieb bereits als Kind Gedichte. Trotz hervorragender schulischer Leistungen wurde sie nicht zur Erweiterten Oberschule und später nicht zum Studium zugelassen. Sie veröffentlichte ihre ersten Texte und ließ sich dabei nicht vom Staat vereinnahmen.

Jahrgang 1962, Rostock: Michael Hugo gehörte der DDR-Friedensbewegung an, war Wehrdiensttotalverweigerer und befasste sich innerhalb seiner ökumenischen Kirchenarbeit mit Menschenrechts-, Minderheiten- und Ausländerfragen. Die Staatssicherheit hat ihn seit 1964 und deshalb speziell ab 1979 im Operativen Vorgang "Kreuz" beobachtet.

Jahrgang 1962, Lohme: Christian Schmidt lehnte den Dienst an der Waffe ab und wurde Bausoldat. Diese Entscheidung schränkte seine berufliche Entwicklung in nicht-kirchlichen Institutionen stark ein, so dass er seit 1981 in einem Behindertenheim der Diakonie arbeitete.

Jahrgang 1962, Berlin: Michael Schuhhardt erhielt 1983 eine Zusage zum Studium, nach dem er sich für den erweiterten Wehrdienst für drei Jahre verpflichtet hatte. Als er einen Ausreiseantrag stellte, wurde ihm gekündigt und die Fachschulberechtigung entzogen. Er verweigerte den Wehrdienst und wurden zu 20 Monaten Freiheitsentzug verurteilt.

Jahrgang 1962, Berlin: Als Thomas Raufeisen 17 Jahre alt war, musste er mit seiner Familie von Hannover nach Ost-Berlin übersiedeln. Sein Vater war Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit und ihm drohte im Westen eine Verhaftung. In der neuen Stadt sah er sich auch mit einer ganz anderen Schule konfrontiert. 1980/81 scheiterten mehrere Fluchtversuche der Familie.

Jahrgang 1963, Crimmitschau: Matthias Kluge durfte nach der Polytechnischen Oberschule das Abitur nicht ablegen. Er war weder Mitglied bei den Jungpionieren, noch erhielt er die Jugendweihe. 1978 kam er mit der kirchlichen Jugendarbeit in Berührung und engagierte sich in Friedenkreisen. Er verweigerte den Dienst an der Waffe und war bis 1987 Bausoldat.

Jahrgang 1965, Berlin: Janina Mantheys Vater war ein hoher NVA-Offizier. Sie war Mitglied in der FDJ und bei den Thälmann-Pionieren. Ihr Wunsch zu studieren, wurde aufgrund ihrer Weigerung der SED beizutreten, verwehrt. Im August 1989 reiste sie über Ungarn nach Österreich aus.

Jahrgang 1966, Berlin: Anne Hahn organisierte Punkkonzerte. Wegen ihres Engagements für die Punks in Magdeburg verlor sie ihren Studienplatz für Kulturwissenschaften. Die Staatssicherheit versuchte, sie zur Mitarbeit zu erpressen. Im Mai 1989 unternahm sie einen Fluchtversuch in den Westen.

Jahrgang 1967, Berlin: Die Kindheit von Kerstin Kuzia war von Aufenthalten in verschiedenen Erziehungseinrichtungen der DDR geprägt. 1981 gab ihre Mutter sie zur Adoption frei. Bis zur ihrer Volljährigkeit war sie in Heimen untergebracht. Auch in den Geschlossen Jugendwerkhof Torgau wurde sie gesperrt.

Jahrgang 1967, Berlin: Als er 15 Jahre alt war, wurde Stefan Lauter in eine Jugendhilfe-Einrichtung gebracht. Er widersetzte sich der "Erziehung zu einer vollwertigen sozialistischen Persönlichkeit", trat aus der FDJ aus und wurde Punk.

Berlin: Olaf Wieland war Jung- und Thälmannpionier, Gruppen- und Freundschaftsratsvorsitzender sowie Fahnenträger und später in der FDJ. In den 1980er Jahren entwickelte er eine kritische Haltung, ihm wurde das Abitur verwehrt. Olaf Wieland suchte Anschluss an die subkulturelle Heavy-Metal-Bewegung.

Jahrgang 1973, Hamburg: Als Schüler erlebte er die militärisch ausgerichtete Erziehung und das "Wehrlager": Eine Woche lang mussten sie das Marschieren sowie den Umgang mit Schusswaffen und Gasmasken üben und Schießübungen machen. Der 16-Jährige floh im Oktober 1989.

Jahrgang 1968, Fürstenberg: Anke Domscheit-Berg durfte nicht studieren, was sie wollte. Als Studentin tippte die 19-Jährige nachts Aufrufe und widersetzte sich den Anwerbeversuchen der Staatssicherheit.

Jahrgang 1966, Bonn: Das Theaterstück von Rainer Schneider war von Jugendlichen und für Kinder. Er hatte Kinder mit Behinderungen zu einem gemeinsamen Theatererlebnis eingeladen. Kurz vor der Premiere kam das Spielverbot. Das Stück sei ein "Aufruf zur Anarchie".

Jahrgang 1963, Rostock: Das MInisterium für Staatssicherheit versuchte, Peter Heubach anzuwerben. Er verweigerte sich und wurde zum Wachregiment "Felix Dzierzynski" einberufen. Nach einem Jahr musterte man ihn aus disziplinarischen Gründen aus. Seinen Bemühungen um Weiterbildungen und Berufe wurde immer wieder ein Riegel vorgeschoben.

Zeitzeugenberichte

Norbert Leisegang: „Wir wollten einfach gute Partys haben“

Interview des Deutschlandfunk mit Norbert Leisegang über die Band Keimzeit und das Musikmachen in der DDR, Frank Schröder, Mai 2012.

Zeitzeugen im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern (Videos)

Hartmut Richter, Matthias Kluge, Christian Schmidt, Lothar Rochau, Gilbert Furian und Hartmut Ernst Henke führten im Rahmen des Projekts "Stimmen der Opposition" der Deutschen Gesellschaft e.V. Gespräche mit Schülerinnen und Schülern. Gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung.

Thomas Ammer im Interview (Videos)

Thomas Ammer gibt Auskunft über seine Kindheit sowie die Entstehung des "Eisenberger Kreises" und berichtet von den Aktionen der Gruppe und den Reaktionen der Bevölkerung. Schließlich schildert er, wie die Gruppe von der Staatssicherheit entdeckt und verhaftet wurde. Hrsg. von Bundeszentrale für politische Bildung, Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.,  Produktion: 2005, Redaktion: Inga Jochimsen, Tom Sello, Christoph Ochs

Hans-Jürgen Sievers: „Ich wollte hier etwas ändern, aber ich wollte nie weg"

Als Zehnjähriger erlebte Hans-Jürgen Sievers den Volksaufstand am 17. Juni 1953. Als sein Onkel verhaftet und über Jahre eingesperrt wurde, beschloss er, nicht länger zuzusehen. Interview von Franziska Eichholz, in: Die Spiesser Schreibwerkstatt zum 17. Juni 1953.

Kerstin Kuzia: „Wie im Gefängnis“ (Video)

In dem Video "GJWH Torgau - Erziehung in der DDR" (Teil 1) berichtet Kerstin Kuzia, wie es den Jugendlichen in dem "Jugendwerkhof" ergangen ist. Das Video von DeineGeschichte steht hier zur Verfügung.

Missbrauch auch in den Heimen der DDR (Video)

Zeitzeugen berichten von ihren Erinnerungen an die Heimunterbringung, von Gewalt, verzweifelten Fluchtversuchen und sexuellem Missbrauch. Bericht von Knud Vetten, MDR Exakt, 2010. 

Sirko Hanisch: „Morgens Wehrdienst und Russisch, auch samstags.“

Sirko Hanisch berichtet von seinen Erfahrungen in der Schule. Erschienen in Schekker. Das Jugendmagazin der Bundesregierung.

Marko Schubert: „Frühsport, Schießübungen und kilometerlange Waldläufe“

Marko Schubert verbrachte seinen 18. Geburtstag im "Wehrerziehungslager" der Gesellschaft für Sport und Technik in Storkow. Er berichtet von dem Alltag im Lager, von den Schikanen und der Überwachung. Schließlich schildert er, warum er anschließend von der Schule verwiesen wurde. Der Spiegel, 2012

Matthias Storck: „Warum darf ich nicht Bob Dylan hören?!“ (Video)

Als Pastorenkind hatte Matthias Storck Schwierigkeiten mit den staatlichen Institutionen im SED-Staat. Der gelernte Buchhändler erinnert sich an seine Kindheit in den 1960er Jahren und an jene Jugenderlebnisse, die seine kritische Einstellung zur DDR beförderten. Interview aufgenommen von Gedächtnis der Nation, 2011.

Carsten Fiebler: Als Punk in der DDR (Video)

War es ein Problem, in der DDR Punk zu sein? Was war das Besondere an den Punks? Wie kamen die Punks an die West-Schallplatten? Das Video gibt einen Einblick in die Punkszene der 1980er Jahre. Interview aufgenommen von DeineGeschichte, 2010.

Die Stasi auf dem Schulhof (Video)

Am Ende der DDR waren ungefähr 8.000 Kinder und Jugendliche so genannte "Inoffizielle Mitarbeiter" der Staatssicherheit. Sie wurden in Jugendklubs, in Kirchen und an den Schulen angesprochen. Sie sollten ihre Freunde aushorchen oder über ihre Eltern berichten. Der Film von Annette Baumeister rekonstruiert das Schicksal von Marko, Kerstin und Elvira. MDR/NDR-Produktion

Schulprojekt: Jugend in der DDR

Michael Müller aus Westdeutschland und Kathrin Kuhnigk aus der ehemaligen DDR beantwortden die gleichen Fragen: Wie sah Ihr Schulalltag aus? Was dachten Sie über die andere Seite? Gab es in Ihrer Freizeit Einschränkungen? Ein Projekt der Klasse 11-2 der Friedrich-List-Schule Wiesbaden 

Ralf Weber erinnert sich an den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau (Video)

Ralf Weber kehrte in den Geschlossen Jugendwerkhof Torgau - heute Gedenkstätte - zurück und berichtet von seinen Erlebnissen. Video von Planetopia, 2013.

Jugendkultur in der DDR: Skinheads, Punks und FKK (Video)

Porträt von Jugendkulturen in Ost-Berlin mit Zeitzeugeninterviews. Spiegel-Reportage

Reportage „Schlimmer als Knast" (Video)

Film von Katarina Schickling über die Jugendwerkhöfe in der DDR. Wer dort eingeliefert wurde, galt als „schwer erziehbar“ und sollte zu einer „sozialistischen Persönlichkeit“ erzogen werden. Der Film porträtiert u.a. Marno Bönicke, Andreas Freund und Stefan Lauter, die im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau waren. Ausgestrahlt über die ARD, 2013.

Zeitzeugeninterviews: Jugendopposition in der DDR (Videos)

Die Bundeszentrale für politische Bildung und die Robert-Havemann-Gesellschaft stellen Interviews mit Zeitzeugen zur Verfügung. Die Interviewten berichten von Aktionen der Umweltbibliothek, von Friedensdemonstrationen, der Überwachung durch die Staatssicherheit, von oppositionellen Jugendgruppen in Jena, im Schutz der Kirche und in Eisenberg. Es wird ein Einblick in das Leben in der DDR gegeben und es werden die Gründe der Jugendlichen für ihre Ablehnung des SED-Staates aufgezeigt.

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

Contemporary Witnesses of Divided Germany

The brochure provides information on the portal www.zeitzeugenbuero.de, presents the educational offers of the Federal Foundation for the Study of Communist Dictatorship in East Germany as well as memorial sites and museums in Berlin and Brandenburg with English-language offers. 

You can download and order the broschure for free in our publication shop.

DDR-Geschichte vermitteln

Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

>>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.