Zeitzeugen für den Unterricht

Viele Frauen, die zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden, waren im Frauengefängnis Hoheneck inhaftiert. Sie werden im Folgenden kurz vorgestellt. Über ihr Profil können sie direkt kontaktiert und für Veranstaltungen eingeladen werden. Alle Biografien können zusammen mit den Angeboten des Schwerpunkts „Hoheneck“ für die Gestaltung von Schulstunden genutzt werden.

Jahrgang 1951, Weil der Stadt: Rosel Werl wollte heiraten, einen Bürger aus der Bundesrepublik. Sie stellte mehrere Ausreiseanträge, die alle abgelehnt wurden. Im Juni 1982 wurde sie verhaftet und zu 26 Monaten Haft verurteilt.

Eva-Maria Neumann

Jahrgang 1951, Aachen: 1977 versuchte das Ehepaar Neumann im Kofferraum eines Fluchthelfers über die Grenzanlage Hirschberg in die Bundesrepublik zu gelangen. Ihre dreijährige Tochter war dabei. Das MfS verhaftete die Familie. Die Tochter kam zu den Großeltern, Eva-Maria Neumann wurde zu drei Jahren Haft verurteilt und verbüßte ihre Freiheitsstrafe unter anderem im Frauengefängnis Hoheneck.

Jahrgang 1948, Schondorf: Carmen Rohrbachs Anträge für Forschungsaufträge auf Kuba, in der Mongolei oder Sibirien wurden abgewiesen. Um ihr Berufsziel zu verwirklichen, versuchte die Biologin eine Flucht über die Ostsee. Nach zwei Tagen und Nächten wurde sie verhaftet und zu zwei Jahren Gefängnis in Hoheneck verurteilt.

Jahrgang 1955, Selsingen: Manuela Morgenstern wollte zusammen mit ihren Eltern in die Bundesrepublik fliehen. Fluchthelfer sollten sie in mehreren Autos über die Grenze bringen. Bei ihrem Wagen flog das Vorhaben auf. Die 17-Jährige wurde in Hoheneck inhaftiert.

Jahrgang 1951, Wülfrath: 1984 wurde Regina Labahn verhaftet und in das Frauengefängnis Hoheneck gebracht. Ihr Mann wurde im Gefängnis in Cottbus inhaftiert, ihre drei Kinder kamen in ein Heim. 1986 wurde das Ehepaar mit der Aufforderung entlassen, sofort die DDR zu verlassen. Ihre Tochter sahen sie 1987, ihre beiden Söhne erst nach dem Fall der Mauer 1989 wieder.

Jahrgang 1947, Mainz: Zusammen mit ihrem Mann stellte Barbara Große mehrere Ausreiseanträge aus der DDR und informierte sich in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin sowie in der bundesrepublikanischen Botschaft in Prag. Am 19. Januar 1983 wurde sie deshalb wegen "landesverräterischer Agententätigkeit" verhaftet und zu einer Haftzeit in Hoheneck verurteilt. 1984 kaufte die Bundesrepublik sie frei.

Jahrgang 1933, Berlin: Im Mai 1953 wurde die damals 20-Jährige zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Fünf Monate später brachte sie im Haftkrankenhaus Leipzig-Meusdorf ihre Tochter zur Welt. Mutter und Tochter wurden getrennt und Anita Goßler in das Gefängnis Hoheneck gebracht. Sie wurde gezwungen, ihr Kind zur Adoption freizugeben. Im September 1956 wurde Anita Goßler entlassen.

Angelika Feustel

Jahrgang 1956, München: 1977 erfuhr die Staatssicherheit von Angelika Feustels geplanten Fluchtversuch über Bulgarien. Sie wurde verhaftet und zu 18 Monaten Haft verurteilt, die sie im Frauengefängnis Hoheneck absitzen musste.

Jahrgang 1958, Koblenz: Elke Schlegel hatte einen Ausreiseantrag gestellt und demonstrierte regelmäßig, um eine Bewilligung zu erhalten. Stattdessen wurde sie 1984 verhaftet und zu 18 Monaten Haft im Frauengefängnis Hoheneck verurteilt. Wegen Haftunfähigkeit kaufte die Bundesrepublik sie frei.

Anje Jauch

Jahrgang 1959, Korschenbroich: Anke Jauch und ihr Ehemann versuchten 1980, die DDR zu verlassen. In einer Sperrzone zwischen Bulgarien und Jugoslawien nahmen Grenzsoldaten beide fest. Nach Gefängnisaufenthalten in Bulgarien und in Leipzig verurteilte das örtliche Kreisgericht Anke Jauch wegen "versuchtem ungesetzlichen Grenzübertritt in schwerem Fall" zu 18 Monaten Haft im Frauengefängnis Hoheneck.

Alexander Latotzky

Jahrgang 1948, Berlin: Alexander Latotzky kam im sowjetischen Speziallager Bautzen zur Welt. Seine Mutter Ursula war 1946 wegen "Agententätigkeit für eine ausländische Macht" zu 15 Jahren Strafarbeitslager verurteilt worden. Mutter und Sohn verlegte man zuerst nach Bautzen, später in das Speziallager Nr. 4 und schließlich in den DDR-Strafvollzug in Hoheneck. Die Behörden trennten beide, Alexander verbrachte die nächsten sieben Jahre in verschiedenen Kinderheimen. 1956 wurde seine Mutter begnadigt. Sie starb mit 41 Jahren an den Folgen der Haft.

Catharina Mäge

Jahrgang 1956, Berlin: Catharina Mäge war die Tochter von Intellektuellen und durfte im SED-Staat kein Abitur machen. Sie beschloss, die DDR zu verlassen. Doch bevor sie ihre Fluchtpläne umsetzen konnte, wurde die 20-Jährige vom MfS verhaftet. Das Bezirksgericht Dresden verurteilte sie zu einem Jahr und acht Monaten Haft in der Vollzugsanstalt Hoheneck. Noch in Haft stellte sie einen Ausreiseantrag. 1977 kaufte die Bundesregierung Catharina Mäge frei.

Uta Franke

Jahrgang 1955, Berlin: Uta Franke organisierte seit 1975 in Leipzig Treffen mit Systemkritikern und politisch interessierten Freunden. Ab 1978 druckte die Gruppe systemkritische Flugblätter. Am 5. September 1979 wurde Franke verhaftet und 1980 wegen "staatsfeindlicher Hetze" zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt, die sie teilweise im Frauengefängnis Hoheneck verbüßte. 1981 gelangte Uta Franke im Zuge des Freikaufs politischer Häftlinge in die Bundesrepublik.

Jahrgang 1954, Rottenburg: Als im Januar 1977 ein Fluchtversuch im Kofferraum eines Autos missglückte, wurde die 23-Jährige in Hoheneck inhaftiert. Fast zwei Jahre musste sie dort verbringen, bevor sie von der Bundesregierung freigekauft wurde.

Jahrgang 1954, Chemnitz: Petra Weise versuchte im Sommer 1980 mit ihrer Familie zu fliehen. Die Flucht scheiterte und sie kam zunächst in Untersuchungshaft und anschließend in das Frauenzuchthaus Hoheneck. Nach insgesamt rund einem Jahr Haft kaufte die Bundesrepublik Deutschland sie frei.

Zeitzeugenberichte

Gespräch mit Zeitzeuginnen nach der öffentlichen Filmvorführung des Dokumentarfilmes "Ein Tag zählt wie ein Jahr – Die Frauen von Hoheneck" am 8. März 2012 auf der 5. Geschichtsmesse der Bundesstiftung Aufarbeitung in Suhl.

 

Zeitzeuginnen: Margot Jann, Anita Goßler, Konstanze Helber

Gesprächs-Mitschnitt (46:06 Min, mp3, 45 MB) >>hier<< zum Nachhören!

Wir wussten nicht, schießen die?

 

Nachlese einer Podiumsdiskussion am 7. November 2011 bei der Bundesstiftung Aufarbeitung mit Sibylle Plogstedt und Gabriele Stötzer.

 

Zeitzeugen im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern (Videos)

 

Bei dem Projekt „Stimmen der Opposition“ führen Schülerinnen und Schüler Interviews mit einem Zeitzeugen. Es entsteht ein Bild der DDR-Geschichte, gesehen mit den Augen der heutigen Jugendlichen. Interviewt wurden zum Beispiel Eva-Maria Neumann, Angelika Feustel und Angelika Cholewa.

 

Projekt der Deutschen Gesellschaft e.V., gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung.

Uta Franke: Wie die Stasi Verdächtige zermürbt (Video)

 

Mit Anfang 20 traf sich Uta Franke in Leipzig mit Freunden, um über Politik zu sprechen. Das reichte aus, damit sie ins Visier der Staatssicherheit geriet. Nachdem der Freundeskreis eine „Plakatklebeaktion" durchgeführt hatte, wurde Uta Franke verhaftet. In dem Video des MDR erzählt sie von ihrer Verhaftung.

 

Ellen Thiemann berichtet von ihren Erlebnissen in Hoheneck (Videos)

Die Interviews wurden geführt von Gedächtnis der Nation

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Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

Contemporary Witnesses of Divided Germany

The brochure provides information on the portal www.zeitzeugenbuero.de, presents the educational offers of the Federal Foundation for the Study of Communist Dictatorship in East Germany as well as memorial sites and museums in Berlin and Brandenburg with English-language offers. 

You can download and order the broschure for free in our publication shop.

DDR-Geschichte vermitteln

Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

>>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.