Zeitzeugen für den Unterricht

Einige Zeitzeugen haben im sowjetischen GULag eigene Erfahrungen machen müssen. Sie wurden oft ohne nachvollziehbare Begründung verhaftet und in verschiedene sowjetische Arbeitslager verschleppt. Viele Jahre verbrachten sie dort unter menschenunwürdigen Bedingungen. Einige von ihnen werden im Folgenden kurz vorgestellt. Über ihr Profil können sie direkt kontaktiert und für Veranstaltungen eingeladen werden. Alle Biografien können zusammen mit den Angeboten des Schwerpunkts „Deutsche im GULag“ für die Gestaltung von Schulstunden genutzt werden.

Prof. em. Dr. Siegfried Jenkner

Dr. Martin Hoffmann

Klaus Gronau

Jahrgang 1930, Oederan (Sachsen): Als Student gründete er eine Menschenrechtsgruppe, die sich mit den Schicksalen Verschwundener befasste. Dafür wurde er 1951 vom MfS verhaftet und an die sowjetische Armee übergeben, die ihm sofort das Todesurteil verkündete. Das Urteil wurde später zu dreimal 25 Jahren Zwangsarbeit im sowjetischen Arbeits- und „Besserungslager“ Workuta abgeändert.

Gerd Utech

Klaus Gronau

Jahrgang 1931, Bayern: Im Frühjahr 1951 kam Gerd Utech in Kontakt zu einer Widerstandsgruppe aus Werder/Havel, die bereits von Agenten des MfS unterwandert war. Dies führte zu seiner Verhaftung im Juni 1951, zur Verurteilung durch ein Sowjetisches Militärtribunal und einem fast fünf Jahre währenden Aufenthalt in sibirischen Straflagern.

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Werner Höpfner

Jahrgang 1928, Berlin: Am 11. Mai 1945 wurde Werner Höpfner vom NKWD abgeholt, verhört und festgehalten. Wegen seiner Mitgliedschaft in der Hitlerjugend wurde er zu 15 Jahren Arbeits- und Erziehungslager verurteilt. Über acht Jahre musste er im Arbeitslager Workuta unter schlimmsten Bedingungen leben, ehe er kurz vor Jahresende 1953 entlassen wurde.

Eduard Lindhammer

Jahrgang 1932, Köln: Am 5. Juli 1950 wurde Eduard Lindhammer während des Englischunterrichts verhaftet und von einem sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Lagerhaft verurteilt. Sechs Jahre später kam er nach West-Berlin und studierte Rechtswissenschaften.

Zeitzeugenberichte

Autobiografische Aufzeichnungen von Wilhelm Sprick

Wilhem Sprick wurde im September 1945 vom NKWD verhaftet und in die NKWD-Keller in Waren und Röbel sowie in den "Justizpalast" am Schweriner Demmlerplatz gebracht. Bei einem ersten Tribunal konnte ihm nichts nachgewiesen werden. Im August 1946 wurde er in einem zweiten Tribunal wegen Beleidigung und Verleumdung Stalins zu einer hohen Haftstrafe verurteilt und nach Torgau, Sachsenhausen, Luckau und Bautzen verschleppt. Am 6. Oktober 1950 wurde Wilhelm Sprick aus der Haft entlassen. Sein Kunststudium durfte er nicht beenden, ein Berufsverbot verhinderte seine Arbeiten. 1991 stelle Sprick erstmals aus.

600 Skizzen und Bilder, die Wilhelm Sprick in Haft anfertigte, befinden sich im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung.

Als 10-Jährige in sowjetischen Straflagern

Archiv: Mehr als 250 Zeitzeugeninterviews

In den vergangenen Jahrzehnten hat der Historiker Dr. Meinhard Stark mehr als 250 ehemalige Lagerhäftlinge bzw. ihre Kinder in Russland, Polen, Kasachstan, Litauen und Deutschland interviewt. Im Rahmen eines von der Bundesstiftung Aufarbeitung geförderten Kooperationsprojektes mit der Abteilung für Osteuropäische Geschichte der Universität Bonn sind diese Gespräche im Jahr 2013 vollständig digitalisiert und dem Archiv der Stiftung zur Verfügung gestellt worden. Die mehr als 1.200 Stunden Audio- und Video-Material bilden den Basisbestand des neu begründeten Gulag-Archivs in der Bundesstiftung Aufarbeitung und können vor Ort in einer Datenbank recherchiert werden.

Veranstaltungsmittschnitt: Zum Leben Erwin Jöris (1912)

Buchpräsentation Deine Schnautze wird dir in Sibirien zufrieren von Dr. Andreas Petersen im Juni in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur 

Petersen hat in diesem Buch das Leben des hundertjährigen Erwin Jöris in die Zeit eingebettet, die Interviews in den Archiven von Berlin, Moskau bis Swerdlowsk nachrecherchiert, Weggefährten befragt und diesen Lebensstoff mit der neueren Forschungsliteratur gegengelesen.

Als Zeitzeuge, Idealist und politischer Akteur schildert Erwin Jöris (geb. 1912) sein Jahrhundert zwischen Weltrevolution, Illegalität, Krieg, Utopie und Enttäuschung. Ein Leben immer mitten in den politischen Brennpunkten: in den Straßenschlachten der untergehenden Weimarer Republik, im Widerstand gegen Hitler, als Konzentrationslager-Häftling, in der sowjetischen Aufbau-Euphorie und dem Großem Terror Stalins, ausgeliefert von der Lubjanka an die Gestapo, als Wehrmachtssoldat vor Moskau und in russischer Kriegsgefangenschaft, im Ruinen-Berlin mit früher DDR-Hoffnung und einem NKWD-Urteil: 25 Jahre Gulag im ewigen Eis.

Den Veranstaltungsmitschnitt (Audio) gibt es hier zum Nachhören.

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

Contemporary Witnesses of Divided Germany

The brochure provides information on the portal www.zeitzeugenbuero.de, presents the educational offers of the Federal Foundation for the Study of Communist Dictatorship in East Germany as well as memorial sites and museums in Berlin and Brandenburg with English-language offers. 

You can download and order the broschure for free in our publication shop.

DDR-Geschichte vermitteln

Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

>>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.