Zeitzeugen für den Unterricht

Viele Schüler und Studenten widersprachen der Diktaturdurchsetzung in dier SBZ/DDR. Sie erzählen von ihrer Jugendzeit, von ihren Aktionen und von Inhaftierungen. Sie werden im Folgenden kurz vorgestellt. Über ihr Profil können sie direkt kontaktiert und für Veranstaltungen eingeladen werden. Alle Biografien können zusammen mit den Angeboten des Schwerpunkts „Früher Widerstand“ für die Gestaltung von Schulstunden genutzt werden.

Jahrgang 1932, Heusenstamm: Norbert Sommer besuchte die Geschwister-Scholl-Oberschule im thüringischen Sondershausen und war Mitglied einer Gruppe, die antistalinistische Flugblätter herstellte und verteilte. 1952 wurde Norbert Sommer verhaftet und zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. 1956 floh er in die Bundesrepublik.

Jahrgang 1935, Schönwalde: Wilfried Seiring stand dem SED-System zunächst positiv gegenüber, änderte seine Einstellung jedoch 1956 und rief zur Solidarisierung mit dem ungarischen Volksaufstand auf. Er wurde "als Gegner der DDR" relegiert und zur Arbeit in der volkseigenen Produktion verurteilt. Durch Flucht nach West-Berlin entzog er sich der Strafe.

Jahrgang 1932, Hamburg: Werner Bork engagierte sich in einer Widerstandsgruppe in Werder. Als ihm das Abitur verweigert wurde, ging er 1949 nach West-Berlin und organisierte von dort aus den Widerstand weiter. Die Stasi versuchte, ihn zu entführen. Mitglieder der Gruppe wurden 1952 in Moskau erschossen, andere zu Haftstrafen verurteilt.

Jahrgang 1928, Bonn: Jochen Stern wurde 1947 wegen angeblicher Zugehörigkeit zu einer Spionageorganisation und vermeintlicher "antisowjetischer Propaganda" vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet. Er wurde zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, kam jedoch 1954 durch eine Amnestie frei und wurde in die Bundesrepublik entlassen.

Jahrgang 1937, Euskirchen: Als Schüler gründete Thomas Ammer 1953 die Widerstandsgruppe "Eisenberger Kreis", die Aktionen gegen die staatlichen Repressalien unternahm und versuchte, die FDJ zu unterwandern. 1958 wurde Thomas Ammer verhaftet und zu 15 Jahren Zuchthaus wegen Staatsverrats verurteilt. 1964 kaufte ihn die Bundesrepublik frei.

Jahrgang 1932, Berlin: Lutz Rackow wehrte sich schon früh gegen das SED-Regime. Für eine Tageszeitung berichtete er am 17. Juni 1953 über den Volkaufstand. Er studierte in West-Berlin, wohnte aber in Ost-Berlin und arbeitete als Fachjournalist auch für ostdeutsche Medien. Wiederholt unternahm die Stasi Anwerbungsversuche, denen er widerstand.

Jahrgang 1935, Berlin: Raimund August schrieb Flugblätter gegen die Bodenreform und die Mangelversorgung. 1953 begann er für die "Organisation Gehlen" zu arbeiten. Als ein Freund ihn an die Stasi verriet, wurde er verhaftet. Es folgte eine Verurteilung zu zehn Jahren Zuchthaus in Cottbus. 1959 wurde er entlassen und floh 1960 nach West-Berlin.

Jahrgang 1937, Alfeld: Der Student an der TU Dresden wurde Mitglied einer oppositionellen Studentengruppe, die verraten wurde. Elf Mitglieder bekamen langjährige Haftstrafen. Als einer der "Rädelsführer" war Hanns-Lutz Dalpke von 1959 bis 1964 in Bützow-Dreibergen und Torgau inhaftiert. 1964 kaufte ihn die Bunderepublik frei.

Jahrgang 1930, Karlsruhe: Der Student Martin Hoffmann gründete eine Menschenrechtsgruppe, die sich mit den in SBZ/DDR verschwundenen Menschen befasste. 1951 wurde er festgenommen und wegen "Antisowjethetze" zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde in dreimal 25 Jahre Zwangsarbeit geändert. 1955 kam er frei.

Jahrgang 1931, Peißenberg: Im Frühjahr 1951 kam Gerd Utech in Kontakt zu einer Widerstandsgruppe aus Werder/Havel, die bereits von Agenten des MfS unterwandert war. Dies führte zu seiner Verhaftung im Juni 1951, zur Verurteilung durch ein Sowjetisches Militärtribunal und zu einem fast fünf Jahre währenden Aufenthalt in sibirischen Straflagern.

Jahrgang 1932, Köln: Als junger Mann wurde Eduard Lindhammer Mitglied der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands und verteilte Flugblätter gegen die SED-Diktatur. 1950 wurde er während des Schulunterrichtes verhaftet. Ein sowjetisches Militärtribunal verurteilte ihn zu 25 Jahren Zwangsarbeit in Workuta. 1956 wurde er in die Bundesrepublik entlassen.

Jahrgang 1930, Frankfurt/Main: Siegfried Jenkner wurde 1950 nach seiner Verhaftung von einem sowjetischen Militärtribunal in Dresden wegen "politischer Spionage, antisowjetischer Agitation und illegaler Gruppenbildung" zu zweimal 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und in die Sowjetunion nach Workuta deportiert.

Jahrgang 1934, Heringen: Horst-Adolf Hennig wurde im November 1950 in der Schule verhaftet und dem sowjetischen Inlandsgeheimdienst überstellt. Ein Militärgericht verurteilte ihn wegen angeblicher Spionagetätigkeit zu 25 Jahren Strafarbeitslager. Sein Vater wurde wegen "Spionage" und Mitgliedschaft in der KgU zum Tode verurteilt.

Zeitzeugenberichte

Wilfried Seiring: Solidarität mit den Studenten in Ungarn

Wilfried Seiring rief zur Solidarität mit dem Aufstand in Ungarn auf und wurde von der Schule relegiert. Im Zeitzeugencafé der Gedenkstätte Berliner Mauer berichtet er von der Relegation, von seiner Flucht, der Ankunft im Notaufnahmelager Marienfelde und der Überwachung seiner Familie in der DDR durch die Stasi.

Thomas Ammer im Interview über den „Eisenberger Kreis“

Thomas Ammer war 1953 Mitbegründer der Widerstandsgruppe "Eisenberger Kreis". Im Interview berichtet er von seiner Jugendzeit, von der Entstehung der Gruppe, von Flugblättern und Aktionen, den Reaktionen der Bevölkerung sowie von Verrat, Prozess und Verurteilung. Das Interview ist nach Themen aufgeteilt und wurde 2005 herausgegeben von der Robert Havemann Gesellschaft und der Bundeszentrale für politische Bildung.

Gerd Utech: Prägende Jahre

Gerd Utech bekam 1951 Kontakt zu einer Widerstandsgruppe aus Werder/Havel, die bereits von der Stasi unterwandert war. Dies führte zu seiner Verhaftung im und zur Verurteilung durch ein Sowjetisches Militärtribunal. In seiner Aufzeichnung berichtet er von den Jahren in Potsdam und der Haft in Sibirien 1945-1955. Erschienen in der Schriftenreihe des Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Bd. 17, 2. Auflage, 2008. 

Manfred Klein: „Jugend zwischen den Diktaturen“

Manfred Klein trat 1945 in die CDU ein und gründete eine Hochschulgruppe, die sich gegen den SED-Einfluss wehrte. 1947 wurde er wegen angeblicher Spionagetätigkeit vom Sowjetischen Geheimdienst festgenommen. Ein Sowjetisches MIlitärtribunal verurteilte ihn zu 25 Jahren in einem Straflager, 1956 wurde er entlassen und siedelte in die Bundesrepublik über. Der Aufsatz von Michael Richter: Jugend zwischen den Diktaturen. Manfred Klein und die christlich-demokratische Jugendopposition in der SBZ kann hier herunter geladen werden.

Video-Interview: Der Werdauer Oberschülerprozess

Der Werdauer Oberschülerprozess war ein Gerichtsprozess gegen 19 Jugendliche einer Widerstandsgruppe gegen das SED-Regime in der DDR, die auch Kontakt zur KgU hatte. Es waren überwiegend Schüler der Alexander-von-Humboldt-Oberschule im sächsischen Werdau. Die Angehörigen der Gruppe wurden 1951 wegen „Boykotthetze gegen demokratische Einrichtungen und Organisationen“ zu insgesamt 130 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der 19-jährige Gerhard Schneider erhielt 13 Jahre. In dem Video-Interview erinnert er sich an die Aktivitäten der Gruppe und an den Gerichtsprozess.

Das Gymnasium Werdau berichtet über den Oberschülerprozess.

Video-Interviews: Wegen Flugblättern verhaftet

Rolf Wiese wurde im Dezember 1952 verhaftet, weil er anlässlich Stalins Geburtstag eine systemkritische Flugblattaktion plante. In West-Berlin hatte er bei der "Aktionsgemeinschaft Freie Deutsche Jugend" Flugblätter organisiert und wollte sie in der DDR verteilt. Verurteilt zu zehn Jahren Zuchthaus, davon zweieinhalb Jahre im Jugendgefängnis Dessau, wurde sein Urteil auf sechs Jahre reduziert. Nach vier Jahren wurde er entlassen und gelangte 1957 in die Bundesrepublik.

Video-Interviews mit Rolf Wiese:
"Nationale Kulturgruppe der FDJ"
Flugblatt-Aktion
Der Haftalltag I
Der Haftalltag II
Nach der Haftentlassung in den Westen

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

Contemporary Witnesses of Divided Germany

The brochure provides information on the portal www.zeitzeugenbuero.de, presents the educational offers of the Federal Foundation for the Study of Communist Dictatorship in East Germany as well as memorial sites and museums in Berlin and Brandenburg with English-language offers. 

You can download and order the broschure for free in our publication shop.

DDR-Geschichte vermitteln

Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

>>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.