Zeitzeugen für den Unterricht

Viele versuchten, aus der DDR in den Westen zu fliehen. Trotzdem einige von ihnen Unterstützung aus dem Westen hatten, ist nicht allen der Versuch geglückt. Sie wurden in den Gefängnissen der DDR inhaftiert und einige von der Bundesrepublik freigekauft. Jene, die im frei zugänglichen Bereich des Portals zu finden sind, werden im Folgenden kurz vorgestellt. Über ihr Profil können sie direkt kontaktiert und für Veranstaltungen eingeladen werden. Alle Biografien können zusammen mit den Angeboten des Schwerpunkts „Flucht, Fluchthilfe und Freikauf“ für die Gestaltung von Schulstunden genutzt werden.

Flucht vor 1961

Jahrgang 1937, Berlin: Als Klaus Gronau 20 Jahre alt war, floh er zusammen mit seinen Eltern nach West-Berlin.

Jahrgang 1940, Stuttgart: Die Ereignisse am 17. Juni 1953 hatten Eberhard Wilms empört und sie prägten sein politisches Bewusstsein. Mit 18 Jahren floh er aus der DDR. In Süddeutschland studierte er Politikwissenschaften, Geschichte und Germanistik, wurde Lehrer und Studiendirektor.

Jahrgang 1935, Schönwalde: Als der 21-Jährige zur Solidarität mit den aufständischen Studenten in Ungarn aufrief, wurde er von der Universität Greifswald relegiert. Er sollte sich in der volkseigenen Produktion bewähren und entzog sich dem durch seine Flucht nach West-Berlin.

Von Ost- nach West-Berlin (1964-1984)

Jahrgang 1947, Bremen: Im Oktober 1964 gelang Wolfgang Reiche die Flucht, ohne Wissen seiner Eltern und Mitschüler, als „Sperrbrecher“ durch Stacheldraht und Minenfeld im Südharz. Es sollten acht Jahre vergehen, bis er seine Familie wiedersehen konnte.

Jahrgang 1944, Bad Zwischenahn: Wegen "Vorbereitung zur Republikflucht" wurde Dagmar Meier-Barkhausen 1974 zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Jahr lang war die damals 30-Jährige im Haftarbeitslager Dessau inhaftiert, bis die Bundesrepublik sie freikaufte.

Jahrgang 1947, Aukrug: Viermal versuchte Jürgen Kurt Wenzel aus der DDR zu fliehen, immer wieder wurde er aufgegriffen und verhaftet. Erst zehn Jahre nach seinem ersten Fluchtversuch, 1974, gelangte er durch eine fingierte Familienzusammenführung in den Westen. 

Jahrgang 1956, Berlin: Noch bevor Catharina Mäge ihre Fluchtpläne umsetzen konnte, wurde sie von der Staatssicherheit verhaftet. Das Bezirksgericht Dresden verurteilte sie zu einem Jahr und acht Monaten Haft. 1977 kaufte die Bundesregierung die 21-Jährige aus dem Frauengefängnis Hoheneck frei.

Jahrgang 1952, Ruppichteroth: Nach dem Studium wollte Christoph Becke keinen Tag länger in der DDR bleiben. 1978 wurde er wegen „Republikflucht“ verhaftet und ein Jahr später von der Bundesrepublik freigekauft.

Jahrgang 1966, Berlin: Nach mehreren erfolglosen Fluchtversuchen aus der DDR wurde Cliewe Juritza 1984 verhaftet und zu zwölf Monaten Haft verurteilt. Nach zehn Monaten kaufte die Bundesrepublik den damals 19-Jährigen aus dem Jugendhaus Halle frei.

Jahrgang 1967, Schildow: Der Versuch, im Januar 1989 in Glienicke die Grenzssperren zu überwinden, scheiterte. Der damals 22-Jährige wurde zu 15 Monaten Haft verurteilt. Im Oktober desselben Jahres kaufte die Bundesrepublik ihn frei.

Flucht über die Ostsee

Jahrgang 1948, Schondorf: Carmen Rohrbachs Anträge für Forschungsaufträge auf Kuba, in der Mongolei oder Sibirien wurden abgewiesen. Um ihr Berufsziel zu verwirklichen, versuchte die Biologin eine Flucht über die Ostsee. Nach zwei Nächten und einem Tag wurde sie verhaftet und zu zwei Jahren Gefängnis in Hoheneck verurteilt.

Jahrgang 1963, Travemünde: 1985 planten Bodo Müller und seine Frau, gemeinsam mit den zwei Kindern in einem Segelboot über die Ostsee zu fliehen. Bei den Vorbereitungen in Danzig (Gdansk) verhaftete die Stasi das Ehepaar mit dem Verdacht auf Republikflucht.

Flucht über die Ostblockländer (1963-1989)

Die Staatssicherheit überwachte Tatjana Sterneberg und ihren Freund, der im Westteil Berlins lebte, unter dem Operativen Vorgang "Hänsel und Gretel". Als Sterneberg ahnungslos in eine vom MfS initiierte "Flucht" einwilligte, wurden sie und ihr Freund 1973 verhaftet. Drei Jahre später kaufte die Bundesrepublik sie frei.

Jahrgang 1959, Korschenbroich: Grenzsoldaten nahmen Anke Jauch und ihren Mann in einer Sperrzone zwischen Bulgarien und Jugoslawien fest. Sie wurde zu 18 Monaten im Frauengefängnis Hoheneck verurteilt. 1981 erfolgte der Freikauf durch die Bundesrepublik. 

Jahrgang 1951, Königs Wusterhausen: Am 23. August 1982 wurde Peter Driske an der Grenze zu Österreich verhaftet. Nach der Untersuchungshaft in Berlin wurde er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach 14 Monaten in Haft kaufte ihn die Bundesrepublik frei.

Jahrgang 1958, Essen: Ein Fluchtversuch im Sommer 1981 über die CSSR nach Ungarn scheiterte. Peter Keup wurde zu zehn Monaten Haft verurteilt. Im März 1982 kaufte ihn die Bundesrepublik frei.

Jahrgang 1960, Ingelheim: Uwe Pries war 22 Jahre alt, als ihn das Fernweh und die Lust auf freies Leben zu einem Fluchtversucht über die bulgarisch-türkische Grenze motivierten. Doch beim Übersteigen eines Grenzzaunes löste er Alarm aus und wurde festgenommen.

Jahrgang 1958, München: Im Sommer 1983 wollten Michael Proksch und seine Schwester zusammen mit Freunden zu Fuß über die bulgarische Grenze nach Jugoslawien. Das Vorhaben scheiterte und Michael Proksch wurde inhaftiert. 1985 kaufte die Bundesrepublik ihn frei.  

Jahrgang 1940, Quedlinburg: Uwe Gerig arbeitete als Reporter für die "Neuen Berliner Illustrierten" in Ost-Berlin, als er und seine Frau sich 1983 entschlossen, über Jugoslawien die DDR zu verlassen. Um die Ausreise ihrer Tochter zu erzwingen, drohte er mit der Veröffentlichung von Fotos hoher SED-Funktionäre und Journalisten.

Jahrgang 1963, Lübeck: Die Studentin aus Halle nutzte 1987 eine Transitreise durch die Sowjetunion aus, um auch andere fremde Länder zu besuchen. In Peking tauschten sie und ihre Freunde die DDR-Pässe gegen bundesdeutsche Pässe.

Jahrgang 1966, Berlin: Ein Fluchtversuch an der sowjetisch-iranischen Grenze missglückte. Anne Hahn wurde für sechs Monate inhaftiert und auf der Grundlage einer Amnestie Ende November 1989 entlassen.

Fluchtwege im Herbst 1989

Jahrgang 1959, Sinsheim: Zusammen mit ihrer Kindern und ihrem Mann floh sie im Oktober 1989 über Ungarn in den Westen.

Jahrgang 1970, Günzburg: Jens Hase wuchs in einem systemkritischen Elternhaus auf. Ende September 1989 fasste der 19-Jährige den Entschluss, die DDR zu verlassen und nahm den Weg über die bundesdeutsche Botschaft in Prag.

Jahrgang 1965, Berlin: 1989 beantragte Janina Manthey ein Visum und reiste nach Ungarn. Zusammen mit weiteren 250 Ausreisewilligen gelang ihr im August 1989 der Übergang an der österreichisch-ungarischen Grenze bei Klingenbach.

Jahrgang 1973, Hamburg: Als Jörg Stiehler 16 Jahre alt war, floh seine Mutter mit ihm im Oktober 1989 über Ungarn in die Bundesrepublik.

Fluchthilfe

Jahrgang 1938, Berlin: Als Joachim Rudolph 23 Jahre alt war, floh er durch das Tegeler Fließ über die Grenzsperren nach West-Berlin. An der Technischen Universität schloss er sich einer Gruppe von jungen Studenten an. Am 14. September 1962 gehörte er zu den Fluchthelfern, die in der Bernauer Straße den legendären „Tunnel 29“ öffneten.

Jahrgang 1942, Berlin: Ein Tunnel unter der Berliner Mauer, das umgebaute Amaturenbrett eines Cadillac - auf unterschiedlichen Wegen half Ralph Kabisch DDR-Bürgern bei ihrer Flucht in den Westen. 1967 wurde der 25-Jährige in Prag verhaftet.

Jahrgang 1948, Köln: Günther Heinzel war 22 Jahre alt, als er mit der Unterstützung von Fluchthelfern in dem umgebauten Tank eines LKW nach West-Berlin floh. Für seine Freundin organisierte er eine Fluchtmöglichkeit im Kofferaum eines Angehörigen der Alliierten über den Grenzübergang Checkpoint Charlie.

Jahrgang 1955, Selsingen: Manuela Morgenstern wollte zusammen mit ihren Eltern in die Bundesrepublik fliehen. Fluchthelfer sollten sie in mehreren Autos über die Grenze bringen. Bei ihrem Wagen flog das Vorhaben auf. Die 17-Jährige wurde in Hoheneck inhaftiert.

Jahrgang 1938, Berlin: Der FU-Student engagierte sich bei Fluchthelfer-Gruppen und verhalf von 1961 bis 1970 vielen DDR-Bürgern in den Westen. Sie gruben Tunnel von West nach Ost oder bauten Autos zu Fluchtfahrzeugen um. Die Staatssicherheit beobachtete Burkhard Veigel und versuchte, ihn zu entführen.

Jahrgang 1942, Berlin: Reinhard Hummel wuchs in West-Berlin auf und studierte an der Freien Universität. Regelmäßig besuchte er mit einem Tagesvisum den anderen Teil der Stadt. Als er 1970 eine Frau aus Leipzig mit Fluchtwünschen kennen lernte, verhalf er ihr in einem Versteck in seinem Auto in den Westen.

Jahrgang 1948, Berlin: Mit 18 Jahren floh Hartmut Richter schwimmend durch den Teltow-Kanal nach West-Berlin. In seinem Auto fuhr er auf den Transitstecken zwischen Westdeutschland und Berlin 33 Menschen in den Westen. Als er 1975 seine Schwester und deren Verlobten im Kofferraum versteckt hatte, flog alles auf.

Jahrgang 1951, Aachen: Ein Fluchthelfer versteckte Eva-Maria Neumann, ihren Mann und ihre dreijährige Tochter im Kofferraum seines Autos, um sie im Jahr 1977 über die Grenzanlage Hirschberg in den Westen zu bringen. Als das Vorhaben aufflog, wurde die damals 26-Jährige zu drei Jahren Haft verurteilt.

Jahrgang 1941, Berlin: Nach mehr als drei Jahren Haftzeit wegen angeblicher Spionagetätigkeit gelang dem damals 26-Jährigen die Flucht in den Westen. Fluchthelfer schleusten ihn und andere DDR-Bürger 1976 in einem amerikanischen Buick über die CSSR nach Österreich.

Jahrgang 1942, Hemmingen: Rund 60.000 DM zahlte Karlheinz Breinig an Fluchthelfer, die ihn und seine Familie im Kofferraum von zwei Autos in den Westen brachten.

Jahrgang 1945: Peter Bieber floh im April 1970 in einem Schrank auf der Ladefläche eines westdeutschen LKW. Danach half er elf Menschen zur Flucht, bis er im Oktober 1972 aufflog und verhaftet wurde. Nach fünf Jahren Haftzeit wurde er von der Bundesregierung freigekauft.

Zeitzeugenberichte

Flucht und Freikauf

Gerhard Eifert: „Nie und nimmer komme ich von meiner Linie ab.“ (Bericht)

Gerhard Eifert lernt 1960 bei einer Reise in die DDR Eleonore kennen. Aus Liebe zieht der Schwabe zu ihr. Als ein Jahr später die Mauer gebaut wird, steht bald fest, dass sie in diesem Land nicht leben wollen. Während einer Urlaubsreise im August 1967 nach Pamporovo in Bulgarien sehen sie eine Chance und planen ihre Flucht.

Hier gelangen Sie zum Zeitzeugenbericht mit Fotos und Dokumenten, zusammengestellt von Helen Stoeßel, Praktikantin im Arbeitsbereich schulische Bildung.

Peter Keup: „Ich wollte weg." (Video)

Peter Keup wurde als 23-jähriger wegen „Republikflucht“ inhaftiert und musste insgesamt zehn Monate Haft absitzen, bis er von der Bundesregierung freigekauft wurde. 2009 kehrte er zurück in das ehemalige Stasigefängnis in Dresden und berichtete von seinen Hafterfahrungen. Kurzfilm vom Klara Höfels, Dresden 2009.

Jürgen Kurt Wenzel: „Freiheit, die ich meine“

Vier Fluchtversuche von Jürgen Kurt Wenzel scheiterten. Insgesamt verbrachte er fast sechs Jahre in Gefängnissen der DDR. In autobiografischen Texten berichtet er vom Leben in der DDR, von den Haftbedingungen, von den Beobachtungen durch die Staatssicherheit und seinem Leben nach der Haft.

„Und plötzlich waren wir Verbrecher“ (Video)

In einem kurzen Film berichten die Geschwister Dorothea Ebert und Michael Proksch von ihrer Motivation, die DDR zu verlassen und von ihren Fluchtplanungen. Sie lesen Passagen aus ihrem Buch „Und plötzlich waren wir Verbrecher“ vor und erinnern sich an Flucht, Verhaftung und Untersuchungshaft.

Film vom dtc, 2010: http://www.youtube.com/watch?v=uK5lwgWrNPk

Eberhard Wilms: „Der Ruf nach Freiheit“ (Video)

Eberhard Wilms spricht über seine Erlebnisse in der DDR, berichtet vom Volksaufstand am 17. Juni 1953, erinnert sich an seine Gründe, die DDR zu verlassen. Er erzählt von seiner Flucht und dem Neuanfang im Westen.

Das Zeitzeugeninterview mit Eberhard Wilms führten Schülerinnen und Schüler des Ellenrieder-Gymnasiums Konstanz im Rahmen des Projektes „Stimmen der Opposition“.

Uwe Gerig: „24 Stunden Angst in Zagreb“

Auf einer Reise nach Jugoslawien 1983 setzten sich Uwe Gerig und seine Frau von der Gruppe ab und flohen in den Westen. Der damalige DDR-Fotoreporter berichtet auf www.einestages.de, wie die Flucht verlaufen ist. Er erzählt auch vom Notaufnahmelager Gießen und von der erspressten Ausreise seiner Tochter.

Catharina Mäge: „Zur Klärung eines Sachverhalts“ (Video)

Catharina Mäge erinnert sich an den Bau der Mauer am 13. August 1961 in der Bernauer Straße in Berlin. Sie berichtet von ihren Fluchtabsichten 1975 und ihrer Verhaftung. Wegen „versuchten ungesetzlichen Grenzübertritts“ wurde sie im Frauengefängnis Hoheneck inhaftiert und 1977 freigekauft. 

Das Zeitzeugeninterview wurde im Auftrag der Bundestiftung Aufarbeitung von Hans Sparschuh und Rainer Burmeister von Heimatfilm GbR durchgeführt. Das vollständige Interview befindet sich im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung.

Tatjana Sterneberg: „Die Liebe wurde uns zum Verhängnis“ (Tonaufnahme)

Bericht des Bayerischen Rundunks über Tatjana Sterneberg, die sich in den in West-Berlin lebenden Italiener Antonio verliebte. Das junge Paar wollte heiraten, sie stellte einen Ausreiseantrag. Fortan wurde sie vom Ministerium für Staatssicherheit überwacht. Ein Inoffizieller Mitarbeiter gab sich als Fluchthelfer aus, nach der Einwilligung in den Fluchtversuch wurden Tatjana Sterneberg und ihr Freund verhaftet. Sie wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. 1976 kaufte die Bundesrepublik Tatjana Sterneberg aus dem Frauengefängnis Hoheneck frei.

Sendung vom 30. Juli 2013

Uwe Pries: „Einfach nur raus aus der DDR“ (Video und Text)

Uwe Pries versuchte 1982 die bulgarisch-türkische Grenze zu passieren. Er wurde verhaftet und in Naumburg/Saale inhaftiert. Ein Jahr später kaufte die Bundesrepublik ihn frei. Im Rahmen des Projekts "Stimmen der Opposition" der Deutschen Gesellschaft e.V. führten Schülerinnen und Schüler der Kaiserpfalz-Realschule Plus in Ingelheim/Rhein ein Interview mit Uwe Pries. Er berichtete er von seinem Leben in der DDR, den Fluchtplanungen und der Verhaftung.

Autobiografischer Text von Uwe Pries auf www.einestages.de

Flucht nach West-Berlin im Mai 1957 (Tonaufnahme)

Als Wilfried Seiring im Mai 1957 mit der S-Bahn bis Bahnhof Zoo fuhr, verließ er die DDR als "Partei- und Staatsfeind", der von der Universität Greifswald ausgeschlossen worden war. Die Trennung von seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder Lothar wurde mit dem Bau der Mauer scheinbar endgültig. Aber auch nach dem 13. August 1961 gelang es ihnen, Kontakt über die Grenze hinweg zu halten. Bei den Treffen folgten ihnen zeitweilig bis zu 14 Inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit, die Frankfurter Wohnung wurde rund um die Uhr abgehört.

Das Zeitzeugengespräch im "Zeitzeugencafé" der Gedenkstätte Berliner Mauer kann hier nachgehört werden.

Flucht aus der DDR (Videos und Audios)

Zeitzeugen erzählen auf der Seite des MDR von ihren Fluchtgeschichten.

Nichts wie raus – Flucht unter Lebensgefahr (Video)

Kontraste zeigte 1988 spektakuläre Aufnahmen gefährlicher Fluchtaktionen an der innerdeutschen Grenze. Im Jahr vor dem Mauerfall schwammen vier junge DDR-Bürger durch die Spree. Die DDR-Grenzspolizisten drohten zu schießen, aber nichts passierte – die Flucht glückte. Anders erging es einem 18-Jährigen, der über die Elbe in den Westen gelangen wollte.

Die Sendung kann auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung angesehen werden. Bericht von Peter Wensierski.

Flucht kurz vor dem Mauerfall (Interview)

Deutschland Ende der 1980er Jahre: Simone und Walter Sobel leben mit ihren Töchtern in der DDR am Rande des Harzes. Doch sie fühlen sich unfrei und entscheiden sich für die Flucht. Die Familie ahnt zu jener Zeit nicht, dass der Mauerfall kurz bevorsteht.

Fluchthilfe

Hilfe für Flüchtlinge – die West-Berliner Feuerwehr im Einsatz an der Mauer (Tonaufnahmen)

Die Aufgaben der West-Berliner Feuerwehrmänner Klaus Abraham und Dietrich Webner änderten sich mit dem Bau der Mauer am 13. August 1961 grundlegend: Fortan hatten sie Einsätze an der Grenze zu leisten - zum Beispiel standen sie mit Sprungtüchern bereit, wenn Anwohner aus ihren Wohnungen auf den zum Westteil gehörenden Bürgersteig sprangen.

Das Zeitzeugengespräch im "Zeitzeugencafé" der Gedenkstätte Berliner Mauer kann hier nachgehört werden.

Klaus Abraham berichtet von dem Einsatz von Sprungtüchern der West-Berliner Feuerwehr, Gedenkfeier 50. Jahrestag des Mauerbaus, 13. August 2011

Fluchthilfe für „Ost-Schüler“

Der Bau der Mauer trennte die Ost-Berliner Karin und Karl-Heinz Albert von ihrer Schule in West-Berlin. Ihr Klassenkamerad Dieter Wohlfahrt hatte einen österreichischen Pass und verhalf ihnen zur Flucht durch die Kanalisation. Danach beteiligte sich Karl-Heinz Albert an den Fluchthilfeaktionen von Dieter Wohlfahrt. Tonaufnahmen eines Zeitzeugengesprächs im "Zeitzeugencafé" der Gedenkstätte Berliner Mauer.

Auf der Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 2011 in der Gedenkstätte Berliner Mauer berichtete Karin Albert von der Hilfe ihrer damaligen Lehrerin Ruth Wellmer-Hesse und von ihrem Mitschüler Dieter Wohlfahrt bei der Flucht durch die Kanalisation. Ruth Wellmer-Hesse erinnert sich an den Unterricht in den so genannten "Ost-Klassen".

Buch: Immer auf der Hut: Ostschüler in West-Berlin - Als die Mauer dazwischen kam, Schleichers Buchhandlung Dahlem-Dorf; Auflage: 1., Aufl. (20. März 2012)

Die Motivation von Fluchthelfern der „Girrmann-Gruppe“

Uwe Johnson interviewte 1963/64 Dieter Thieme und Detlef Girrmann für sein Buch über die Fluchthilfe. Die "Girrmann-Gruppe" war auch bekannt als "Unternehmen Reisebüro" und bestand neben Girrmann, Thieme und Bodo Köhler aus weiteren Studenten des Studentenwerks der Freien Universität. Johnson interessierte sich vor allem für die Motivation der jungen Männer, begaben sie sich bei ihren Aktionen mit gefälschten Pässen, durch die Kanalisation und Fluchttunnel, mit umgebauten Autos und auf den so genannten "Skandinavien-Touren" immer wieder selbst in Gefahr.

Bei Suhrkamp können Sie die Interviews hören und die Passagen auch lesen.

Der Fluchthelfer Wolfgang Welsch

Wolfgang Welsch wurde im Januar 1971 von der Bundesrepublik aus politischer Haft freigekauft. Im Westen baute er eine Fluchthelferorganisation auf - und gelangte erneut in das Blickfeld des Ministeriums für Staatssicherheit. Das MfS versuchte, den von ihr als "effizienten Fluchthelfer und Staatsfeind mit hohem Gefährdungspotential für die DDR" bezeichneten Welsch zu ermorden. Wolfgang Welsch überlebte die Anschläge.

Wolfgang Welsch: Ich war Staatsfeind Nr. 1. Als Fluchthelfer auf der Todesliste der Stasi. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2001.

Fluchthelfer mit unterschiedlichen Erfahrungen (Tonaufnahmen)

Hubert Hohlbein gelang im November 1963 die Flucht von Potsdam nach West-Berlin. Ausgerüstet mit einem Taucheranzug schwamm er durch den Jungfernsee. Um seine Mutter in den Westen zu holen, beteiligte er sich am Bau des "Tunnel 57". Bei den Grabungsarbeiten lernte er Ralph Kabisch kennen, der seiner Cousine die Flucht ermöglichen wollte. Mit ihrer Hilfe waren auch weitere Aktionen der Gruppe um den Fluchthelfer Wolfgang Fuchs erfolgreich. Nachdem Ralph Kabisch einigen DDR-Bürgern zur Flucht über die Ostblockgrenze in einem umgebauten Cadillac verholfen hatte, wurde er 1967 in Prag verhaftet.

Das Zeitzeugengespräch im "Zeitzeugencafé" der Gedenkstätte Berliner Mauer kann nachgehört werden.

Joachim Rudolph: „Eine absolute Sicherheit gab es nicht“ (Tonaufnahme)

Der Fluchthelfer Joachim Rudolph berichtet von den Gefahren beim Bau von Fluchttunneln und bei der Suche von Mitstreitern. Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 2011, Gedenkstätte Berliner Mauer.

Hans-Joachim Tillemann: „Am Ende des Tunnels ist die Freiheit“ (Tonaufnahme)

Hans-Joachim Tillemann erzählt von seiner Flucht durch den "Tunnel 57". Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 2011, Gedenkstätte Berliner Mauer.

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info@ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

DDR-Geschichte vermitteln


Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

 >>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.

Kalender

Montag, 25 September 2017 - Heute vor 64 Jahren

25.9.1953 Der Primas von Polen und Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz, Kardinal Wyszynski, wird verhaftet.