Bild:  Reinhard Bohse

Reinhard Bohse, Sachsen (Leipzig)

"Demokratie schenkt uns keiner. Die Karre müssen wir selbst aus dem Dreck ziehen."

Thema: Parteien, Medien, historische Aufarbeitung

Biografisches

1948 in Leuben/Meißen geboren
1963-1967 EOS (Abitur) und Internat in Meißen
1969-1973 Studium der Geowissenschaften in Freiberg
1974-1982 Referent in der Bezirksstelle für Geologie in Leipzig
1982 Lektor im Tourist Verlag Berlin/Leipzig
1989 Mitbegründer Neues Forum in Leipzig, Mitgründer des Forum Verlages Leipzig
1990 Mitherausgeber „Jetzt oder nie – Demokratie"
1990-1998 Pressesprecher der Stadt Leipzig, Leiter Öffentlichkeitsarbeit
1991 Mitbegründer von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen
1999  Institut für Medienanalysen Medien Tenor in Leipzig
2001 Leiter Unternehmenskommunikation Leipziger Verkehrsbetriebe
2014-2020 Geschäftsführer Wortgebrauch GmbH 
2014-2020 Lehraufträge an Universität Leipzig, Fachhochschule Mittweida, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK)

Veröffentlichungen 

Reinhard Bohse: Von einem, der auszog in eine nicht vergangene Zeit. Historischer Report 1945-1989, Leipzig: Edition Hamouda, 2021.

Reinhard Bohse: Warum war die 89er Revolution friedlich? Das Jahr 1989 – eine Sternstunde in Europa. In: Krieg und Frieden. ed. Dominik Becher und Alexandra Bär, Leipzig: Edition Hamouda, 2017.

Reinhard Bohse und Tobias Hollitzer (Hg.): Heute vor 10 Jahren. Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution, Bonn: InnoVatio Verlag, 2000.

Reinhard Bohse und Grit Hartmann, Ulla Heise, Matthias Hoch, Josef Kurz, Amelie Möbius, Rolf Sprink (Hg.): Jetzt oder nie – Demokratie! – Leipziger Herbst ’89, Leipzig: Forum Verlag Leipzig, 1989.

Kurzbeschreibung

Reinhard Bohse wuchs in einem weitgehend staatstreuen Haushalt auf. Der Vater Schuldirektor, die Mutter Grundschullehrerin erzogen ihn in christlicher Tradition. Bohse war FDJ-Mitglied, besuchte ein Internat und machte das Abitur. Während des Mauerbaues besuchte er in West-Deutschland Verwandte und kehrte mit der Mutter zurück. 1967-1969 war er in der DDR-Armee und erfuhr den Prager Frühling als Soldat. Seine Erfahrung in der NVA, die er als faschistoid empfand, prägte ihn. Auch deshalb war er bereits vor 1989 in DDR-kritischen Kreisen aktiv. Seit 1975 organisierte er regelmäßige Gesprächsrunden in seiner Wohnung. Bohse gründete in Leipzig die Jazzgruppe SUM, die zeitweise Auftrittsverbot hatte und beteiligte sich an einem Literaturzirkel, der vom MfS aufgelöst wurde.
1989 war er Mitbegründer des Neuen Forums und des Forum Verlages Leipzig. Dort konzipierte er 1990 Publikationen wie „Stasi intern“ und „Stasi intim“. Von 1990 bis 1998 – nach der Wahl von Dr. Hinrich Lehmann-Grube zum Oberbürgermeister – sprach Bohse als Pressesprecher für die Stadt Leipzig und verantwortete die Öffentlichkeitsarbeit. Nach der 89er-Revolution erwiesen sich die 1990er-Jahre erwartungsgemäß als besonders turbulente Zeiten, geprägt vom demokratischen sowie organisatorischen Neuaufbau der Stadt Leipzig und der Auseinandersetzung mit den DDR- Eliten. Nichts blieb unverändert. Die Wahl des Oberbürgermeisters 1990 ging als erste demokratische Wahl eines Stadtoberhauptes nach 60 Jahren in die Geschichte Leipzigs ein. 1991 gehörte er zu den Mitbegründern von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen und organisierte Leipziger Montagsgespräche als Opfer-Täter-Gespräche. 2009/10 moderierte er regelmäßig montags mit Tobias Hollitzer in der „Runden Ecke" Montagsgespräche, welche Akteure der Friedlichen Revolution vorstellen. Seine besonderen Interessen sind Jazzmusik, Literatur und osteuropäische Zeitgeschichte.

Bericht

"DDR blieb der doofe Rest" - Reinhard Bohse erinnerte anlässlich eines Festaktes zum 25. Jubiläum der deutschen Einheit im Stadthaus in Bargteheide an die friedliche Revolution. Stormarner Tageblatt, 04.10.2015.

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

Contemporary Witnesses of Divided Germany

The brochure provides information on the portal www.zeitzeugenbuero.de, presents the educational offers of the Federal Foundation for the Study of Communist Dictatorship in East Germany as well as memorial sites and museums in Berlin and Brandenburg with English-language offers. 

You can download and order the broschure for free in our publication shop.

DDR-Geschichte vermitteln

Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

>>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.