Bild:  Gabriele Stötzer

Gabriele Stötzer, Thüringen (NL Utrecht)

"Mich interessiert dieses Leben hier nicht, diese Gesellschaft des Gleichschritts, der gleichen Häuser, der gleichen Gespräche, der gleichen Gesichter"

Thema: Bürgerrechtsbewegung, Kunst, Kultur und Literatur, politische Haft, historische Aufarbeitung

Biografisches

1953 in Emleben in der Nähe von Gotha geboren
1973 Pädagogikstudium Deutsch/Kunsterziehung in Erfurt
1976 wegen reformerischer Aktivitäten von der Hochschule relegiert
1976 Untersuchungshaft wegen Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns
1977 Verurteilung zu einem Jahr Haft wegen „Staatsverleumdung“
ab 1983 Veröffentlichungen in Untergrundzeitschriften „und" Dresden, „mikado" Berlin, „ariadne" Berlin
1990er Mitarbeit in der Gruppe „Frauen für Veränderung“, Mitwirkung im Bürgerrat und im Bürgerkomitee

Eigenständige Veröffentlichungen (u.a.)

Stötzer, Gabriele: "Frauenzuchthaus Hoheneck - Demütigung, Willkür, Verrat", Feature, 2012 (Laufzeit ca. 60 Min.)
Stötzer, Gabriele: Ich bin die Frau von gestern. Prosa und Gedichte, Edition Büchergilde, Frankfurt am Main, 2005.
Stötzer, Gabriele: zügellos, Aufbau Verlag, Berlin,1989.

Kurzbeschreibung

Von 1979 bis 1989 stand Gabriele Stötzer unter ständiger Beobachtung des MfS, welches die Aktivitäten der Bürgerrechtlerin genauestens registrierte. Dennoch schrieb sie für zahlreiche Untergrundzeitschriften unter anderem für „und“ und „mikado“ und gründete zusammen mit Kerstin Schön die Frauengruppe „Frauen für Veränderung“. Das MfS wurde auf Stötzer im Laufe ihres Studiums aufmerksam, als sie sich 1976 mit einem exmatrikulierten Kommilitonen solidarisierte und selbst von der Hochschule verwiesen wurde. Später unterschrieb sie eine Petition gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns und wurde daraufhin als „Rädelsführerin“ verhaftet. Die zuständigen Richter sahen in Stötzers Fall den Tatbestand der „Staatsverleumdung“ als erfüllt an und verhängten eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Zu ihren weiteren Aktivitäten gehörte die Mobilisierung von DDR-Bürgern zur ersten Besetzung des Stasi-Komplexes in Erfurt am 4. Dezember 1989. Dadurch verhinderten die Erfurter Bürgerinnen und Bürger die Aktenvernichtung durch die Staatssicherheit.

Heute arbeitet und lebt sie als Schriftstellerin.

Berichte

"Unterwegs auf eigenen Spuren: Performance im Erfurter Stasi-Knast": Bei der Performance "Freigang" geht es Gabriele Stötzer um die halbe Stunde "Freiheit", die sie und ihre Mithäftlinge in Untersuchungshaft täglich hatten. Thüringer Allgemeine, 10. Februar 2016.

"Frauen führten ersten Sturm gegen Stasi-Zentrale an": Bei der Veranstaltung "Nach dem Sturm" in der Stasi-Gedenkstätte Andreasstraße in Erfurt berichtete Gabriele Stötzer von der Besetzung der Stasi-Bezirksverwaltung im Dezember 1989. Deutschlandradio Kultur, Henry Bernhard, 6. Januar 2015.

Gabriele Stötzer wurde im Oktober 2014 mit dem "Robert Geisendörfer Preis", dem Medienpreis der Evangelischen Kirche, für ihren Beitrag "Fremde Mutter, fremdes Kind. Zwangsadoptionen in der DDR" ausgezeichnet.

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

Contemporary Witnesses of Divided Germany

The brochure provides information on the portal www.zeitzeugenbuero.de, presents the educational offers of the Federal Foundation for the Study of Communist Dictatorship in East Germany as well as memorial sites and museums in Berlin and Brandenburg with English-language offers. 

You can download and order the broschure for free in our publication shop.

DDR-Geschichte vermitteln

Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

>>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.