Bild:  Nadja Klier

Nadja Klier, Berlin (Berlin)

"Ich habe unsere Zwangsausbürgerung aus der DDR als Erwachsenwerden zwischen zwei Welten empfunden. Die Spuren dieses Bruchs in meiner Lebensgeschichte sind immer noch deutlich vorhanden."

Thema: Opposition/Bürgerrechtsbewegung, Kunst/Kultur/Literatur, Ausreise/Ausbürgerung, Mauerfall 9. November 1989, Grenzerfahrungen

Biografisches

1973 geboren in Dresden, Vater Musiker, Mutter Regisseurin und Autorin
1978 Umzug nach Ost-Berlin
1985 Hauptrolle im DEFA-Film „Gritta von Rattenzuhausbeiuns“
1988 Verhaftung der Mutter Freya Klier und ihres Ehemanns Stephan Krawczyk
1988 Ausbürgerung der Familie in die Bundesrepublik Deutschland aus politischen Gründen
1993 Abitur am Hermann-Ehlers-Gymnasium in West-Berlin
1994-1996 zunächst Studium der Philosophie, dann Studium der visuellen Kommunikation in Berlin
1998-2001 Ausbildung am Lette-Verein Berlin, Bereich Fotografie
2001 Abschluss zur staatlich geprüften Fotodesignerin, seitdem freie und selbstständige Arbeit in den Bereichen People, Porträt und Filmfotografie
2006-2009 längere Arbeitsreisen nach Italien, Jamaika, Island, Tschechien, Österreich sowie in die USA und die Schweiz
2009 Geburt des Sohnes Luis
2014 Gründung der „Ostwind Filmproduktion“ mit Freya Klier
2017 Yoga Teacher-Training, seitdem ausgebildete Yogalehrerin
2019 bis heute Lesungen in Schulen und Bildungseinrichtungen, Konzeption von Bildungsprojekten

Weitere Informationen unter: www.nadjaklier.de


Veröffentlichungen (Auswahl)

Bücher und Texte:
Nadja Klier: 1988. Wilde Jugend. Berlin: OKAPI Verlag, 2019.
Nadja Klier: Der Himmel über uns. In: Freya Klier (Hrsg.): Und wo warst du? 30 Jahre Mauerfall. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder, 2019.
Nadja und Freya Klier: Die Oderberger Straße. Reihe: Berliner Orte, Berlin: be.bra Verlag, 2017.
Nadja Klier: Verdrängt. In: Anna Schädlich und Susanne Schädlich (Hrsg.): Ein Spaziergang war es nicht. Kindheiten zwischen Ost und West. München: Wilhelm Heyne Verlag, 2012.

Filme:
„Wir wolln Euch mal wat fragen!“, Dokumentarfilm und Bildungsprojekt von Neue Identitäten Filmproduktion, gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung, geplante Veröffentlichung: 2021.
„'Wenn Mutti früh zur Arbeit geht' – Frauen in der DDR“, Dokumentarfilm von Freya und Nadja Klier, Produktion für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) mit Fördermitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung, 2016. Der Audiomitschnitt einer Veranstaltung zum Filmstart ist hier verfügbar.
„Meine Oderberger Straße“, Dokumentarfilm von Freya und Nadja Klier über das Leben im Schatten der Mauer im Ost-Berliner Prenzlauer Berg, Produktion für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) mit Förderung der Bundesstiftung Aufarbeitung, 2014.

Kurzbeschreibung

Aufgewachsen mit meiner Mutter Freya Klier in der Oderberger Straße im Prenzlauer Berg, war ich mittendrin im Trubel der Ost-Berliner Künstlerszene.
1986 bekommt meine Mutter als Regisseurin Berufsverbot, obwohl sie kurz zuvor mit Preisen für beste Theaterregie ausgezeichnet wurde. Sie und ihr Ehemann, der ebenfalls mit Berufsverbot belegte Liedermacher Stephan Krawczyk, halten sich mit illegalen Theaterstücken und Konzerten in Kirchen über Wasser, finanziell und auch politisch.
Ich hatte 1983 Theater in einem Stück meiner Mutter und 1985 eine Hauptrolle im DEFA-Kinderfilm „Gritta von Rattenzuhausbeiuns“ gespielt. Danach wollte ich unbedingt Schauspielerin werden, die Einladung der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ lag schon auf dem Tisch. Doch daraus wurde nichts, denn Anfang 1988 wurde unser Leben auf den Kopf gestellt. Meine Mutter und Stephan wurden verhaftet und wir drei wurden über Nacht abgeschoben in den Westen.
Nach der Ausbürgerung aus der DDR im Februar 1988, anderthalb Jahre vor dem Mauerfall, versuchten wir in West-Berlin ein neues Leben zu beginnen. Es war nicht leicht. Ich vermisste mein altes Leben und meine Freunde so sehr. Durch eine Traumatherapie und die Ausbildung zur Yogalehrerin konnte ich das Thema Entwurzelung auflösen und die Erfahrungen in meinem Buch „1988. Wilde Jugend“ verarbeiten.

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

Contemporary Witnesses of Divided Germany

The brochure provides information on the portal www.zeitzeugenbuero.de, presents the educational offers of the Federal Foundation for the Study of Communist Dictatorship in East Germany as well as memorial sites and museums in Berlin and Brandenburg with English-language offers. 

You can download and order the broschure for free in our publication shop.

DDR-Geschichte vermitteln

Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

>>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.