Bild:  Holger Timmreck

Holger Timmreck, Hamburg (Hamburg)

"Nicht reden – handeln! Die Mischung war Frust, Neugier und Mut … und erst am Ende war alles gut."

Thema: Flucht/Ausreise/Freikauf, Medien, politische Haft

Biografisches

1959 geboren in Pirna
1977 Abitur, keine Zulassung für ein Hochschulstudium Sport in der DDR
1977-1979 Grundwehrdienst bei der Nationalen Volksarmee (NVA)
1980 Fluchtversuch von der CSSR nach Österreich, Festnahme an der Grenze, Verurteilung zu zwei Jahren und vier Monaten Haft
1980-1982 Strafvollzug im Zuchthaus Brandenburg-Görden
1982 Freikauf und Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland
1983-1988 Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln (Diplom-Sportlehrer/Sportpublizistik)
1988-1991 Tätigkeit in der Sportredaktion von RTL in Köln
1991-1998 Tätigkeit in der Sportredaktion von Premiere in Hamburg
1999-2011 freier Regisseur und Producer Sport
2012-2018 Tätigkeit an der Deutschen Schule in Lima, Peru

Kurzbeschreibung

Vom Wunsch, Sportlehrer zu werden bis zum Sportstudium – ein ungewöhnlicher Weg: Holger Timmreck wächst in einem regimekritischen Elternhaus auf. Als Kind erfährt er, dass sein Vater wegen ''Hetze'' im Stasi-Gefängnis war. Für Holger Timmreck ist in seiner Jugend Sport alles. Er träumt von einer Sportkarriere, macht Abitur und will Sportlehrer werden. Trotz guten Abiturs erhält er von seinen Lehrern die Beurteilung ''für ein Hochschulstudium NICHT geeignet, er würde junge Menschen nicht im Sinne des Sozialismus erziehen''.
Es gibt immer wieder erhebliche Probleme mit der „sozialistischen Erziehung“, auch während des Grundwehrdienstes in der NVA. Holger Timmreck landet nach dem Wehrdienst an einer Agraringenieurschule. Nach zwei Semestern ist der Frust genauso groß wie die Neugier auf die andere Seite des „Eisernen Vorhanges“.
Mit einer Portion Mut entschließt er sich mit einem Freund im Sommer 1980 zum Fluchtversuch über die grüne Grenze von der CSSR nach Österreich. Die abenteuerliche Nacht mit dem gescheiterten Fluchtversuch endet mit Verhaftung und späterer Auslieferung an die Stasi der DDR.
Nach der Stasi-Untersuchungshaft und der Verurteilung im Namen des Volkes in Dresden (zu zwei Jahren und vier Monaten Haft) landet er mit 21 Jahren im berüchtigten Zuchthaus Brandenburg-Görden und ist auf einmal von schwerstkriminellen Langstraflern umgeben. Selbst im Zuchthaus schafft es Timmreck noch mit seiner antikommunistischen Einstellung bis in die Arrestzelle. Nach fast 18 Monaten hinter Gittern sitzt er dann 1982 endlich im Bus mit freigekauften Häftlingen auf dem Weg in die Freiheit.
Ein Jahr später, 1983, ist er am Ziel angekommen: er ist Student an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Nach dem Abschluss mit Schwerpunkt Sportpublizistik landet er beim Fernsehen. Beim WDR beginnt er als Kabelhilfe und schafft es über die Sportredaktionen von RTL und Premiere bis zum Regisseur – natürlich für Sportübertragungen. Er bleibt seinem Metier Sport treu, jetzt über Kameraperspektiven und Zeitlupen.
2011 verschlägt es ihn privat nach Lima in Peru, wo er eine Anstellung an der Deutschen Schule erhält. Dort findet 2016 ein Zeitzeugenvortrag zum Thema Republikflucht statt. Holger Timmreck bleibt dem Vortrag bewusst fern, um nicht alte Wunden wieder aufzureißen.
In späteren Gesprächen mit dem Zeitzeugen ändert er seine Meinung. Er möchte seine Geschichte an junge Menschen heute weitergeben.

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

Contemporary Witnesses of Divided Germany

The brochure provides information on the portal www.zeitzeugenbuero.de, presents the educational offers of the Federal Foundation for the Study of Communist Dictatorship in East Germany as well as memorial sites and museums in Berlin and Brandenburg with English-language offers. 

You can download and order the broschure for free in our publication shop.

DDR-Geschichte vermitteln

Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

>>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.