Bild:  Peter Bieber

Peter Bieber, Berlin (Berlin)

"Streben nach Freiheit heißt, in der richtigen Zeit und am richtigen Ort anzukommen. Der Preis war hoch, aber es hat sich gelohnt."

Thema: Grenzerfahrungen, Bildung/Erziehung, Flucht/Fluchthilfe, politische Haft, Staatssicherheit

(Foto: BStU)

Biografisches

1945 geboren in Königsberg/Preußen, seit 1948 vertrieben
1955-1959 Schule und Ausbildung in Seifhennersdorf, auf Hiddensee und auf Rügen
1966 Abitur
1970 Flucht aus der DDR
1972 Studium der Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin (FU)
1972-1977 Fluchthilfe und Untersuchungshaft in Ost-Berlin und Haft in Brandenburg
1978-1992 Fortsetzung des Studiums an der FU Berlin, Tätigkeit beim Axel Springer-Verlag in Hamburg   
1992-2003 Tätigkeit im Ministerium des Inneren des Landes Brandenburg
2005 Beginn der ehrenamtlichen Tätigkeiten im Seniorenheim Otto Dibelius
2013-2015 Arbeit an dem im August 2015 veröffentlichten autobiografischen Buch „Glasbausteine in Beton“
2017 Tätigkeit als Zeitzeuge bei der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur in unterschiedlichen Einrichtungen
2019 deutsche/englische Zeitzeugengespräche zum 30. Jahrestag des Mauerfalls mit Journalistinnen und Journalisten aus verschiedenen Ländern (Italien, Argentinien, England, Frankreich, USA, Polen, Ukraine und Hongkong)

Weitere Informationen unter: www.peter-bieber-ddr-zeitzeuge.de

Veröffentlichung

Peter Bieber: Glasbausteine in Beton. Als Flüchtling und Fluchthelfer hinter Gittern in der DDR, Isensee-Verlag, 2015, ISBN 978-3-7308-3.

Kurzbeschreibung

Ich wurde in den letzten Kriegstagen in Königsberg/Preußen geboren. Nach der Vertreibung wuchs ich in der DDR auf. Auf Hiddensee an der Ostsee war die Mauer weit weg und das Leben fühlte sich für mich frei an. Einschränkungen und Repressalien erlebte ich in Leipzig. Dort studierte ich Literatur und Bibliothekswesen, durfte aber nicht die Bücher lesen, die ich wollte. Ich fasste den Entschluss, in den Westen zu fliehen. Mein Wunsch, frei und selbstbestimmt zu leben, war auch geprägt von meinen Besuchen in Westdeutschland vor dem Mauerbau bei meinen Vater in Hannover. Der Prager Frühling und die Aufbruchsstimmung steckten mich an, ich reiste nach Bratislava und ging von dort Richtung österreichische Grenze. Grenzsoldaten stoppten mich und setzten mich in einen Zug zurück nach Leipzig. Aber der Fluchtgedanke ließ mich nicht los: Ich versuchte es in Danzig mit einem Schiff und in Bulgarien mit einem westdeutschen Auto. Beides missglückte. Am 28. April 1970 versteckte ich mich in einem Schrank auf der Ladefläche eines westdeutschen LKW. Dieses Mal klappte es, die Kontrolleure auf der Transitstrecke bemerkten nichts. Aufgrund der Hilfe zu meiner Flucht aus der DDR half ich elf Menschen zur Flucht in die Freiheit. Durch Verrat wurde ich bei einer Fluchthilfe im Oktober 1972 von der Staatssicherheit verhaftet. Nach fünf Jahren Haftzeit konnte ich von der Bundesregierung 1977 freigekauft werden.

Berichte

"Schmuggeln und geschmuggelt werden" - Peter Bieber erzählt im Jugendmagazin Fluter über seine Flucht. Artikel von Hannah Mann, Fluter, 23.10.2019.

"Im Schrank versteckt aus der DDR geflohen" - Peter Bieber und Kheder Abdulkarim berichteten Jugendlichen in der Gedenkstätte Lindenstraße 54 von Flucht und Haft. Peter Bieber entkam 1970 aus der DDR, Kheder Abdulkarim war sechs Jahre in Syrien inhaftiert. Artikel von Anne-Kathrin Fischer, Potsdamer Neueste Nachrichten, 11.05.2017.

"Wie ein Student im Schrank versteckt aus der DDR floh" - Nach mehr als 40 Jahren besuchte Peter Bieber die MfS-Untersuchungshaftanstalt in Pankow und erzählte von seinen Fluchtversuchen, der Fluchthilfe und der Haftzeit. Artikel von Anette Kuhn, Berliner Morgenpost, 13.08.2015.

 

Videos und Podcasts

"Glasbausteine in Beton“ - Dokumentarfilm des Filmemachers Jacob Dodd (33 Minuten in Deutsch/Englisch), 2020. 

"Meine Wende - Unsere Einheit: Folge 32: Der Optimist" - Postcast des ZDF und anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls, 28.05.2020. 

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

Contemporary Witnesses of Divided Germany

The brochure provides information on the portal www.zeitzeugenbuero.de, presents the educational offers of the Federal Foundation for the Study of Communist Dictatorship in East Germany as well as memorial sites and museums in Berlin and Brandenburg with English-language offers. 

You can download and order the broschure for free in our publication shop.

DDR-Geschichte vermitteln

Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

>>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.