Bild:  Manfred Kruczek

Manfred Kruczek, Brandenburg (Potsdam)

"Widerstand in Diktaturen ist der Selbstversuch, die eigene Würde zu bewahren."

Thema: Bürgerrechtsbewegung, Deutsche Einheit, Kirche, Mauerfall 9. November 1989, historische Aufarbeitung

Biografisches

1950
geboren in Markendorf bei Jüterbog
1969
Abitur an der Helmholtz-Schule Potsdam (Erweiterte Oberschule)
1969-1971
Grundwehrdienst bei der Nationalen Volksarmee
1971-1975
Studium mit dem Abschluss Diplomwirtschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin
1975-1986 Tätigkeit als Revisor in der Staatlichen Finanzrevision (Ministerium der Finanzen, Inspektion Potsdam) bis zu der von der Staatssicherheit durchgesetzten "Herauslösung als personeller Unsicherheitsfaktor"
1982-1992
Mitglied Pfarrgemeinderat St. Peter und Paul Potsdam
1986-1990
Beschäftigung als Innenrevisor im VEB Wohnungskombinat Potsdam; im Ehrenamt Sektionsleiter Triathlon/Ausdauer in der Betriebssportgemeinschaft
1989
Eintritt Neues Forum und Mitbegründer des Bürgerkomitees zur Stasi-Auflösung im Bezirk Potsdam
Oktober 1989
Mitbegründer der Laieninitiative "Aktion Katholischer Christen Potsdams"
1990-1994
Bündnis'90-Landessprecher der AG Sport im Land Brandenburg
1990-2003
Potsdamer Stadtverordneter für die Bürgerbewegung
1990-2016
Breitensportreferent im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg
seit 2005 Vorstand des "Forums zur kritischen Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte im Land Brandenburg"

Themen

- DDR-Opposition unter dem Kirchendach oder das Wunder der Friedlichen Revolution
- Stasi-Besetzungen und Aktensicherung
- DDR-Wirtschaft
- das unbewältigte DDR-Erbe des deutschen Sports
- Mauerfall und Opfergedenken

Veröffentlichungen

Manfred Kruczek: "Personalpolitik im öffentlichen Dienst des Landes Brandenburg seit 1990, speziell die Überprüfung auf Kooperation mit Nachrichtendiensten unter Berücksichtigung der Stadtverwaltung und Stadtverordnetenversammlung Potsdam", Gutachten für die Enquete-Kommission "Aufarbeitung der Geschichte und Bewältigung von Folgen der SED-Diktatur und des Übergangs in einen demokratischen Rechtsstaat im Land Brandenburg", 7. Juni 2011.

Manfred Kruczek: "Die Herausbildung von Bürgerkomitees im Land Brandenburg und ihre Bedeutung für die Entstehung demokratischer Strukturen", Dokumentation anlässlich des 20. Jahrestages der Besetzung der Stasi-Zentralen am 4./5. Dezember 1989 in den Städten Rathenow, Brandenburg, Forst, Pritzwalk, Fürstenwalde, Cottbus, Frankfurt (Oder) und Potsdam, Potsdamer Gedenkstätte Lindenstraße 54, 5. Dezember 2009.

Manfred Kruczek: "Vom Friedenskreis zur Friedlichen Revolution", in: "Entscheidung für den Glauben", hg. von der Katholischen Propstpfarrei St. Peter und Paul, Potsdam 2009, S. 86-91. 

Manfred Kruczek: "Wie die Fahrrad-Fraktion die Stasi besetzte." Ein Bericht vom Potsdamer Herbst `89, in: Horch und Guck, Ausgabe 2000/4, S. 33-35.

Kurzbeschreibung

Als Kind einer 1945 aus Oberschlesien nach Brandenburg vertriebenen katholischen Familie war die Distanz zur SED-Ideologie von natürlichem Selbstverständnis. Die Stasi bescheinigte mir später im Operativen Vorgang "Transit" eine "verfestigte negative Einstellung". Diese verstärkte sich aus meinen Einblicken in das Ausmaß von Misswirtschaft und Amtsmissbrauch der SED-Eliten. Ihnen stand ich als Revisor bei der Prüfung sozialistischer Staatsbetriebe gegenüber. Es kam zu mehreren Befragungen durch die Stasi, weil ich einen Kollegen unterstützte, der später wegen "staatsfeindlicher Hetze" zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Im Rahmen der Operativen Personenkontrolle (OPK) "Läufer" wurde ich von der Staatssicherheit operativ bearbeitet, weil ich der DDR im Spitzensport systematisches Doping unterstellte. Nach diesen Erfahrungen intensivierte ich meine Aktivitäten im ökumenischen Friedenskreis Potsdam, unter anderem im November 1988 als Initiator des öffentlichen Regionalen Forums "Mehr Gerechtigkeit in der DDR". Es war für mich nur konsequent, am 5. Dezember 1989 als Mitglied beim Neuen Forum an der Auflösung der Stasi-Bezirksverwaltung in Potsdam mitzuwirken. Als Potsdamer Stadtverordneter für die Bürgerbewegung seit 1990 war es mein Anliegen, den Geist der Friedlichen Revolution auch in die Stadtpolitik einzubringen. Ununterbrochen engagiere ich mich (dabei von 1990 bis 2016 als Breitensportreferent der Landesregierung) für einen Sport, der ohne Doping und Funktionärsseilschaften auskommt und das immer noch erhebliche West-Ost-Gefälle bei der Beteiligung am Vereinssport überwindet. Dabei gerate ich noch heute in Konflikte, die mit dem Ende der DDR eigentlich auflösbar erschienen.

Berichte 

"Der 9. November hat eine besondere Bedeutung für die Deutschen" - Manfred Kruczek beim Gedenken am ehemaligen Todesstreifen in der Stubenrauchstraße in Potsdam. Blickpunkt vom 10.11.2015.

"Da drüben wohnen nur Omas und Opas" - Manfred Kruczek über die Relevanz vom Lernen an historischen Orten und den Besuch von Gedenkorten. Märkische Allgemeine vom 9.11.2015.

"Teil zwei der Revolution" - Manfred Kruczek blickt zurück auf die Ereignisse am 5. Sezember 1989 in Potsdam. Potsdamer Neueste Nachrichten vom 17.1.2015.

"West-Ost-Gefälle in Sportvereinen. Mitgliederzahlen schwanken in Deutschland stark", Bericht des Deutschlandfunk vom 11.11.2012 mit einem Interview mit Manfred Kruczek.

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info@ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

DDR-Geschichte vermitteln


Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

 >>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.

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Donnerstag, 19 Oktober 2017 - Heute vor 33 Jahren

19.10.1984 In Polen wird der junge Priester Jerzy Popieluszko vom Sicherheitsdienst ermordet. Tausende hörten seine Predigten in der Warschauer Stanislaw-Kostka-Kirche.