Bild:  Reinhard Spiller

Reinhard Spiller, Berlin (Berlin)

"Mit dem Fall der Mauer wurde eine große Last von mir genommen."

Thema: Flucht/Ausreise/Freikauf, Mauerfall 9. November 1989

Biografisches

1941 geboren in Dahlwitz/Hoppegarten bei Berlin
1955
Abschluss der Schule in Berlin-Köpenick
1955-1958
Lehre als Elektromonteur im Kabelwerk Oberspree Ost-Berlin (KWO), Entlassung wegen Engagements in der Jungen Gemeinde
1958-1959
Fernmeldemechaniker
1959-1962
Studium an der Ingenieurschule Gauß in West-Berlin
15.8.1961
Flucht nach West-Berlin
1962
Fluchthilfe für Eltern und Freunde
1963
Hochschulreifeprüfung
1963-1968
Studium an der Technischen Universität Berlin (TU)
1968-1974
wissenschaftlicher Assistent für Informatik an der TU
1974-1981
Fachreferent für Datenverarbeitung in der Senatsverwaltung Berlin
1981-1999
Leiter der Verbundsysteme beim Deutschen Bibliotheksinstitut

Veröffentlichung

Die Fluchtwege mit gefälschten Diplomatenpässen beschreibt der Fluchthelfer Burkhart Veigel in der 4. Auflage seines Buchs: Wege durch die Mauer. Fluchthilfe und Stasi zwischen Ost und West, Berlin 2011.

Kurzbeschreibung

Reinhard Spiller war weder Junger Pionier, noch stammte er aus einer Arbeiter- und Bauernfamilie. Stattdessen engagierte er sich bei der Jungen Gemeinde und hatte dafür die Konsequenzen zu tragen: Zuerst wurde ihm ein Schulbesuch über die 8. Klasse hinaus untersagt, später durfte er seine Lehre im Kabelwerk Oberspree als Elektromonteur nicht beenden und wurde drei Monate vor der Facharbeiterprüfung entlassen. Der 17-Jährige konnte seine Lehre in einem Privatbetrieb beenden und anschließend ein Studium an der West-Berliner Ingenieurschule Gauß aufnehmen. Er hatte nur noch ein Jahr zu studieren, als ihn der Mauerbau am 13. August 1961 überraschte und seine Zukunftspläne zerstörte. Reinhard Spiller entschloss sich sofort zur Flucht. Er nutzte den Trubel der ersten Tage nach dem Mauerbau und schaffte es am 15. August 1961 über den Grenzübergang an der Friedrichstraße/Kochstraße, dem späteren Checkpoint Charlie, nach West-Berlin. Wenige Monate später, Mitte 1962, verhalf er auch seinen verzweifelten Eltern über die Grenze: Mit dem österreichischem Pass eines Kommilitonen, versehen mit seinem eigenen Foto, und mit einem gefälschten Diplomatenausweis fuhr er sie über den gleichen Grenzübergang, über den er selbst geflohen war. Bis 1963 gelang es ihm, etwa 50 weitere Personen aus seinem Freundeskreis auf diesem Weg zur Flucht zu verhelfen. Die nervliche Anspannung bei jeder Fahrt über den Grenzübergang, die er immer selbst durchführte, und die daraus folgenden gesundheitlichen Probleme sowie die Kosten für den Fluchtweg zwangen ihn, sein Vorhaben zu beenden. Entscheidend war jedoch auch der Wunsch, die Bildung nachzuholen, die ihm in der DDR verweigert wurde. Seine Methoden zum Fälschen von Diplomatenausweisen wurden von anderen Fluchthelfern weiter genutzt. Nach 1989 erfuhr er aus seiner Stasiakte, dass er noch bis 1983 unter Beobachtung gestanden hatte.

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Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

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Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

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