Bild:  Gerd-Rainer Dietzel

Gerd-Rainer Dietzel, Bayern (Bad Abbach)

"Der Wissende handelt, über den Unwissenden wird verhandelt. (Leitthema meines verstorbenen Vaters)"

Thema: Staatssicherheit

Biografisches

1951 geboren in Kranichfeld/Thüringen
1970
Abitur und Gesellenprüfung zum Elektromonteur
Bis 1974 Studium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Fachrichtung Elektrotechnik
1974-1977
Pflichtabsolvent, Funkwerk Erfurt, Elektronisches Messgerätewerk
1977-1981
Lufttechnische Anlagen Dresden, Außenstelle Erfurt
1981-1984
Kinderfahrzeuge Mühlhausen, Außenstelle Erfurt-Dittelstedt
1984-1987
Stahlbaufirma Erfurt-Gispersleben
1987-1988
Berufs- und Arbeitsverbot
1.6.1988
Zwangsausbürgerung aus Ostdeutschland
1988-1994
Verkäufer beim Drogeriemarkt Müller in Regensburg, erst haupt- und später nebenberuflich während meines Referendariats bei der Deutschen Bundespost
1990
bis heute Beamter im höheren posttechnischen Dienst der Deutschen Bundespost (seit 1995 der Deutschen Post AG)

Kurzbeschreibung

Als mir während meiner Schulzeit die Teilnahme an den Konfirmationsstunden verwehrt wurde, bemerkte ich das erste Mal, wie die SED-Diktatur mein Leben begrenzte. Bei einem Verstoß wäre meinem Vater der Arbeitsplatz gekündigt worden. Später setzte er sich dafür ein, dass ich die Erweiterte Oberschule in Erfurt besuchen konnte – tatsächlich war es mir möglich, das Abitur abzulegen. An der Universität in Jena wurde ich gezwungen, Mitglied der SED zu werden. Nur so konnte ich der Aufforderung eines Professors nachkommen und ihm als Doktorand an seinen Lehrstuhl folgen. Mit großem Ehrgeiz in Schule und Studium versuchte ich, meine krankheistbedingten Auszeiten zu kompensieren. Seit meiner Geburt bin ich an der Erbkrankheit Hämophilie A mit schwerer Verlaufsform erkrankt. Die lebensnotwendigen Medikamente waren in der DDR Mangelware. Die Kosten für die Herstellung der Präparate sind sehr hoch, die Anzahl der Bluter in DDR war niedrig. Der Vorsitzende der Gesellschaft für Hämatologie und Bluttransfusion der DDR erteilte mir damals eine Absage für den Zugriff auf die Medikamente. Diese aber waren notwendig für eine Lebensplanung über die ersten 30 Jahre hinaus. Immer wieder habe ich das Gesundheitswesen mit schriftlichen Eingaben angegriffen und ließ mich nicht einschüchtern. Meine Anträge auf eine Behandlung in Österreich, der Schweiz oder der Bundesrepublik wurden kommentarlos abgelehnt. Stattdessen wurde ich von der Prophylaxe ausgeschlossen, so dass ich immer häufiger krankheitsbedingte Auszeiten nehmen musste. Nach einem Berufs- und Arbeitsverbot kam es schließlich im Juni 1988 zu einer Zwangsausbürgerung. In Westdeutschland angekommen konnte ich mich gesundheitlich erholen und meine Arbeit fortsetzen.

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info@ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

DDR-Geschichte vermitteln


Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

 >>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.

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Mittwoch, 28 Juni 2017 - Heute vor 61 Jahren

28.6.1956 Arbeiter der Stalin-Werke im polnischen Poznan demonstrieren mit tausenden Bürgern für ökonomische Verbesserungen, freie Wahlen und den Abzug der sowjetischen Truppen aus Polen.