Bild:  Peter Rösch (Blase)

Peter Rösch (Blase), Berlin (Berlin)

"Keine Macht für niemand"

Thema: politische Haft, Bürgerrechtsbewegung, Kirche, Kunst, Kultur und Literatur

Biografisches

1953 als Peter Rösch in Jena geboren
1960-1970 Besuch der Polytechnischen Oberschule in Jena
1970-1972 Lehre als Feinmechaniker beim VEB Carl Zeiss Jena und der Friedrich Schiller Universität Jena
1972-1982 tätig als Feinmechaniker in der Forschungswerkstatt des Bereiches Medizin der Friedrich Schiller Universität Jena. Mitglied der JG-Stadtmitte Jena der Evangelischen Kirche
1973 Verbot aus politischen Gründen das Abitur an der Volkshochschule Jena zu machen
1974 Entzug des Personalausweises für zwei Jahre, Verurteilung zu einem halben Jahr Bewährung und einer Geldstrafe auf Grund "staatsfeindlicher Hetze"
1975 Verhaftung wegen Protesten gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns
1978-1979 Wehrdienst als Bausoldat in Bautzen. Die letzten zwei Monate dort in Einzelhaft
1979 Besuch der streikenden Arbeiter auf der Danziger Werft und Beginn der Kontakte zur Gewerkschaft "Solidarnosc"
1979-1982 Erneuter Entzug des Personalausweises
1980 Mitbeteiligt am offenen Brief zur Abrüstung in Ost und West mit anschließender Verhaftung
1981 Verhaftung durch das MfS. U-Haft in Gera
1982 Übersiedlung nach Westberlin auf Wunsch des MfS
1983-1989 Unterstützung der Oppositionsbewegung in der DDR.
1991 Gründungsmitglied des Bürgerkomitees "15. Januar" zur Auflösung des MfS
seit 1983 Restaurator im Deutschen Technikmuseum
1992 Umzug in ein besetztes Haus in Friedrichshain
seit 2004 im Aufsichtsrat der Genossenschaft am Ostseeplatz in Berlin

Peter Rösch ist am 17. Mai 2017 gestorben.

Kurzbeschreibung

Peter war von 1971 bis 1983 Mitglied der "Offenen Jugendarbeit" der Jungen Gemeinde (JG) Stadtmitte/Jena. Während der Weltfestspiele 1973 in Berlin wurde ihm verweigert, nach Berlin zu fahren. Er arbeitete in einem Lesekreis, wo sich junge Schriftsteller trafen, die verbotene Literatur diskutierten. 1975 wurde er wegen "Staatsfeindlicher Hetze" zu einem halben Jahr auf Bewährung, einer Ordnungsstrafe und zwei Jahren Entzug des Personalausweises verurteilt. Als er 1976 an den Solidaritätsaktionen gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns teilnahm, wurde er verhaftet. Er verweigerte den Wehrdienst und wurde stattdessen von 1978 bis 1979 Bausoldat. Danach vernetzte er gemeinsam mit Lothar Rochau (Halle/Neustadt) oppositionelle Gruppen in der DDR. 1981 wurde er zusammen mit Matthias Domaschk vom MfS inhaftiert. Sein Freund Domaschk kam dort unter bis heute ungeklärten Umständen ums Leben. Das Angebot des MfS zur Ausreise in die Bundesrepublik konterte er mit dem Wunsch der Ausreise nach Polen, um sich mit der Gewerkschaft "Solidarno??" zu solidarisieren. Er setzte sich für die Einführung eines sozialen Friedensdienstes ein und organisierte im Rahmen der Friedensdekade 1981, trotz Verbotes, eine Friedensdemonstration in Halle. Peter formulierte 1982 mit Freunden den Aufruf "Abrüstung in Ost und West". Es folgten Hausdurchsuchungen, Beschlagnahme des Aufrufs, Verhaftung und Verhöre. Kurz danach siedelte er nach West-Berlin über. Dort arbeitete er ab 1983 in der AG "Berlin- und Deutschlandpolitik" der Alternativen Liste mit. Er beteiligte sich an der Aktion "Persönliche Friedensverträge zwischen Ost und West" und bereitete die erste Reise der Bundestagsfraktion der "Grünen" zu Erich Honecker vor. Er nahm 1984 an den Blockaden gegen die Nachrüstung in der Bundesrepublik teil und unterstützte bis 1990 oppositionelle Gruppen in der DDR. Nach dem Fall der Mauer war er Gründungsmitglied des Bürgerkomitees 15. Januar zur Auflösung des MfS und verantwortlicher Redakteur für deren Zeitschrift "Horch und Guck".

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

Contemporary Witnesses of Divided Germany

The brochure provides information on the portal www.zeitzeugenbuero.de, presents the educational offers of the Federal Foundation for the Study of Communist Dictatorship in East Germany as well as memorial sites and museums in Berlin and Brandenburg with English-language offers. 

You can download and order the broschure for free in our publication shop.

DDR-Geschichte vermitteln

Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

>>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.