Bild:  Lutz Kersten

Lutz Kersten, Baden-Württemberg (Kirchentellinsfurt)

"Diktaturen sind Einbahnstraßen - In Demokratien herrscht Gegenverkehr"

Thema: Bürgerrechtsbewegung, politische Haft, Flucht/Ausreise/Freikauf

Biografisches

1.10.1953 in Stendal
geboren
1970 Schulabschluss in Stendal
1970-1972 Ausbildung als Baufacharbeiter
1976-1988 tätig als Baufacharbeiter
1984 Ausreiseantrag der Familie Kersten
April 1988 Verhaftung der Eheleute Kersten
Juli 1988 Verurteilung zu drei Jahren und zwei Monaten Gefängnis
Lutz Kersten wird in Brandenburg, seine Frau Karin in Hoheneck inhaftiert
Nov. 1988 Freikauf durch die Bundesrepublik
1989 tätig als Maurer in Kirchentellinsfurt
1989-2006 bei Mercedes-Benz tätig
seit 2006 Frühpensionär
seit 2012 Mitglied der CDU (Senioren Kreisverband Tübingen)

Kurzbeschreibung

1984 stellte Familie Kersten aus politischen Gründen einen Antrag auf Ausreise aus der DDR. Sie sehnten sich nach Meinungs- und Reisefreiheit. Ihre Kinder sollten in Freiheit aufwachsen. Da sie ihren Antrag nicht zurückzogen, wurde ihnen 1985 der Personalausweis entzogen. Fortan blieben ihnen auch Reisen in sozialistische Länder verwehrt. 1988 schlossen sie sich mit anderen Ausreisewilligen zusammen, um ihren Forderungen mehr Ausdruck zu verleihen. Im April desselben Jahres wurden die Eheleute Kersten verhaftet. Ein Spitzel in der Gruppe hatte sie verraten. Sie wurden wegen "Vaterlandsverrats" zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Als die Kerstens im November 1988 von der Bundesrepublik freigekauft wurden, war es für Karin Kersten zu spät. Die junge Frau verließ den Staat, der sie als Feind behandelt hatte, psychisch gebrochen und schwer depressiv. Als die DDR die Ausreise der Kinder der Familie systematisch verzögerte, war für Karin Kersten das Maß des Ertragbaren überschritten. Sie beging Selbstmord. Seitdem setzt sich Lutz Kersten dafür ein, dass das DDR-Unrecht nicht vergessen wird und die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden.

Berichte

"Eine Westbekanntschaft mit Folgen": 1984 stellten Lutz Kersten und seine Frau einen Ausreiseantrag für sich und ihre Töchter. Dreißig Jahre danach hat das Reutlinger Wochenblatt mit ihm gesprochen, 18. Juni 2014.

"Vier Tage zu spät": In dem 12-minütigen Video erinnert sich Lutz Kersten an seine Verhaftung, an die politische Haft und die Trennung von seiner Frau und seinen Töchtern. Er schildert den Freikauf im November 1988 und berichtet von dem Versprechen, seine Töchter würden ihm und seiner Frau bald in den Westen nachfolgen können. Schließlich erzählt er, wie seine Frau sich ohne jede Hoffnung auf ein tatsächliches Wiedersehen das Leben nahm. Vier Tage danach sah er seine Kinder wieder.
Video von Gregor Landwehr, 2012, veröffentlicht auf seiner Seite debatare.de

"Wo ist Mama?": Der Artikel erzählt die Geschichte von Lutz und Karin Kersten. Erschienen im Stern, 1991, von Uta Stern

Bildmaterial: Zelle

1988 war Lutz Kersten in Zelle 12 eingesperrt. Das Bild nahm er 2010 auf.

Bildmaterial: "Käfig"

Draußen waren die Gefangenen in den wenige Quadratmeter großen "Käfigen" eingesperrt.

Bild 1 zeigt Lutz Kersten in einem der "Käfige" (2010).

Bild 2 zeigt den Blick aus dem "Käfig".

 

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de.

Informationsblatt Finanzierung

Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

Contemporary Witnesses of Divided Germany

The brochure provides information on the portal www.zeitzeugenbuero.de, presents the educational offers of the Federal Foundation for the Study of Communist Dictatorship in East Germany as well as memorial sites and museums in Berlin and Brandenburg with English-language offers. 

You can download and order the broschure for free in our publication shop.

DDR-Geschichte vermitteln

Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

Im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung finden sich zahlreiche Zeitzeugen- erinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Eine Übersicht über weitere Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren, finden Sie hier [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

>>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.