Bild:  Manfred Witt

Manfred Witt, Baden-Württemberg (Pforzheim)

"Als mich im Mai 1989 ein Bekannter fragte, wie lange die DDR noch existieren würde, lautete meine Antwort: nicht länger als fünf Jahre. Und dann waren es doch nur noch fünf Monate."

Thema: Flucht/Ausreise/Freikauf, Hafterfahrungen/MfS

Biografisches

1949 in Loitz/Mecklenburg geboren
1958 Polytechnische Oberschule (POS) Wechselburg und ab 1961 in Göritzhain (Sachsen)
1964-1967 Ausbildung zum Autolackierer
1967 Facharbeiterzeugnis, anschließend Tätigkeit im Volkseigenen Betrieb (VEB) „Stern-Radio Rochlitz“ als Stanzer und Lackierer
1968 Grundausbildung in der NVA, Verweigerung des Fahneneids aufgrund der Zuordnung zu einer Panzerdivision.
Daraufhin Urlaubssperre, Radio-, Fernseh- und Postverbot               
1971 Fluchtversuch nach Österreich über die ungarische Grenze in Hegyeshalom
Festnahme und Übergabe an das MfS, Überstellung in die Untersuchungshaftanstalt Kassberg-Chemnitz
1971-1972 Verurteilung zu 18 Monaten Haft in der Haftanstalt Cottbus
1975 Ausreise in die Bundesrepublik
1989 erste (Wieder-)einreise in die DDR

Kurzbeschreibung

Meine Pläne, aus der DDR zu fliehen, festigten sich 1970 nach dem Ende des Wehrdienstes in der Nationalen Volksarmee (NVA). 1971 entschied ich mich, eine Urlaubsreise nach Mecklenburg-Vorpommern zu buchen und zeitgleich ein Visum für Ungarn zu beantragen. Anstatt an die Ostsee, fuhr ich mit dem Zug aber sofort nach Budapest. Bei meinem Versuch, die ungarische Grenze Richtung Österreich zu überqueren, wurde ich verhaftet. Nach meiner MfS-Untersuchungs- haft verbüßte ich 18 Monate in der Haftanstalt Cottbus. Nach meiner Entlassung stellte ich mehrere Ausreiseanträge. 1975 konnte ich gemeinsam mit meiner Frau in die Bundesrepublik ausreisen. Danach durfte ich aufgrund einer Einreisesperre 13 Jahre lang nicht mehr meine Freunde und Familie in der DDR besuchen. Im Mai 1989 erhielten meine Frau und ich dann doch ein Visum und feierten meinen 40. Geburtstag in Rochlitz (Sachsen). Als ich am 26. Juni 1989 von einer Bergtour nach Hause kam, erfuhr ich, dass Ungarn in Hegyeshalom die Grenzen zu Österreich geöffnet hatte. Dies war genau der Ort, an dem ich 1971 bei meinen Fluchtversuch verhaftet wurde. Den Fall der Mauer erlebte ich in meiner neuen Heimat in Pforzheim (Baden-Württemberg).

Interview

- Zwangskollektivierung und Fluchtversuch über Ungarn: Ein Zeitzeugenbericht von Manfred Witt, in: "Erlebte Geschichte: Zeitzeugen erzählen über ihr Leben in der DDR" (DVD), herausgegeben von: Stadtmedienzentrum Stuttgart 2009.

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19.2.1953 Der stellvertretende Außenminister der Sowjetunion, Iwan Maiski, wird verhaftet. Im Verhör »gesteht« er, dass er in seiner früheren Funktion als Botschafter in London als Spion angeworben wurde.