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04.09.2017 | 12:49 Uhr

Neues Buch: 15-jähriger Briefwechsel zwischen Ost und West

Die DDR ist längst Geschichte, doch was ist mit ihren Einwohnern? Das Buch „Ost-West-Denkstrukturen“ erzählt von einem Briefwechsel zwischen Hans Christange und Klaus Stenzel.


Ost-West Denkstrukturen: ein Briefwechsel zwischen Brandenburg und Hessen/Rheinland-Pfalz

Rezension von Lena Jaeschke, FSJ im politischen Leben bei der Bundesstiftung Aufarbeitung

Die DDR ist längst Geschichte, doch was ist mit ihren Einwohnern? Das Buch "Ost-West Denkstrukturen" erzählt von einem 15-jährigen Briefwechsel zwischen Hans Christange und Klaus Stenzel. Während der erste in der DDR gelebt hat, berichtet Klaus Stenzel aus der Sicht eines Westdeutschen. Gemeinsam stellen sie sich die Frage, welche Probelme mit dem deutschen Einheitsprozess zusammenhängen und wie vereinigt die Deutschen nach 1990 tatäschlich sind.

Alles begann mit einer Projektfahrt nach Magdeburg im Jahr 1996, initiiert vom Autor und Lehrer Klaus Stenzel aus Hessen. Als die Darmstädter Schüler im "Neuen Deutschland" Aufsätze über ihre Eindrücke in Ostdeutschland schrieben, erreichten Klaus Stenzel zahlreiche Leserbriefe. Einer der Briefe kam vom ehemaligen Cottbusser Staatsanwalt Hans Christange. Dies war der Anfang des 15-jährigen deutsch-deutschen Dialoges, der sich neben dem Prozess der deutschen Einheit auch mit dem Volksaufstand in der DDR und der Staatssicherheit auseinandersetzt. Die Einstellungen der Autoren könnten unterschiedlicher nicht sein: Der Eine erlebte den 17. Juni 1953 als einen "gesteuerten Putsch" und spricht von den Opfern der SED-Diktatur nur in Anführungsstrichen. Der Andere, aufgewachsen in West-Berlin, verbindet mit der DDR hauptsächlich eins - den Transitverkehr.

Die Briefe insbesondere aus der Anfangszeit sind teils ruppig und sehr emotional geschrieben. Zwischen den Autoren, die sich tatsächlich niemals persönlich getroffen haben, kam es sogar zu Kontaktabbrüchen: "Ich bin tatsächlich nicht mehr gewillt, Auseinandersetzungen in der Art weiterzuführen." Diese Worte stammen vom ostdeutschen Hans Christange, dem die Wiedervereinigung ein Dorn im Auge war. Es entsteht ein Dialog geprägt durch Besänftigung und Provokation.

Geprägt ist dieses Buch von Kontroversität - und doch versuchen beide, mit Respekt und Höflichkeit die Ansichten des Anderen zu verstehen und nachzuvollziehen. Klar und deutlich werden Standpunkte vertreten und als Leserin hatte ich keine eindeutige Tendenz zu einem der Schreibenden. Beide gehen aufeinander ein und verharren nicht stur auf ihrem Standpunkt. Das Buch ist somit gerade deshalb spannend, weil es verschiedene Perspektiven anbietet, die zum Nachdenken anregen.

Verständlich wird das Buch nur mit dem Wissen um historische Fakten und Kontexte. Anstelle von Darstellungen historischer Ereignisse werden persönliche Meinungen asugetauscht - darüber sollten sich die Leser bewusst sein. Oder, um es mit den Worten von Klaus Stenzel zu sagen: Es ist "keine Annäherung, sondern ein Austausch."

Hans Christiange und Klaus Stenzel: Ost-West Denkstrukturen: ein Briefwechsel zwischen Brandenburg und Hessen/Rheinland-Pfalz, 2009, Verlag. NORA

Hans Christiange und Klaus Stenzel: Ost-West-Denkstrukturen - Von den Mühen des Zusammenwachsens. Ein Briefwechsel zwischen Brandenburg und Rheinland-Pfalz. Fünfzehn Jahre deutsch-deutscher Dialog, Band 2, 2013,Verlag. NORA

Foto: Archiv Bundesstiftung Aufarbeitung, Fotobestand Uwe Gerig, Bild 6075

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Contemporary Witnesses of Divided Germany

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