Bild: Prof. Dr. Peter Bohley

Prof. Dr. Peter Bohley, Baden-Württemberg (Tübingen)

"Wir Brüder wagten es nur manchmal, ein offenes Wort zu sagen."

Thema: Kunst, Kultur und Literatur, Flucht/Ausreise/Freikauf, Volksaufstand 17. Juni 1953

Biografisches

1935 in Sulzbach-Rosenberg geboren
1959 Studium der Medizin mit anschließender Promotion in Halle-Wittenberg
1973-1983 Lesekreis freitags in der Friedensstrasse
1974 Habilitation in Biochemie an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg
1983 Lehrverbot wegen pazifistischer Äußerungen
1984 Ausreise in die Bundesrepublik mit Frau und drei Kindern
1986 Professor für Biochemie an der Universität Tübingen

Eigenständige Veröffentlichungen (u.a.)
Bohley, Peter: Sieben Brüder auf einer fliegenden Schildkröte. Norderstedt: Books on Demand, 2005. 2. Auflage.

Kurzbeschreibung

Peter Bohley kehrte 1990 als Gastdozent an die Universität Halle zurück, um alljährlich Vorlesungen in Biochemie zu halten. Sieben Jahre zuvor erhielt er an jener Stätte Lehrverbot. Aufgewachsen ist er als einer von sieben Brüdern in einem offenen und pazifistischen Haushalt. Alle Brüder verweigerten den Wehrdienst, was für die gesamte Familie zahlreiche Konflikte mit den Staatsorganen zur Folge hatte. Der Biochemiker gehörte zu den renommiertesten DDR-Naturwissenschaftlern, weshalb er trotz Staatskritik und Beobachtung durch das MfS nicht verhaftet wurde. Er war Mitbegründer und Veranstalter eines Lesezirkels in Halle, der vom MfS den Namen „Freitags-Kreis“ erhielt. Hier trafen sich zahlreiche Intellektuelle, wie der Maler Ludwig Ehrler, um zu diskutieren und bürgerlich-klassische Literatur zu lesen. 1979 eröffnete das MfS den Operativen Vorgang „Ring“, der an der Zersetzung des Lesekreises arbeitete. Die Ermittler notierten, es handle sich um „verfestigte politisch-negative Grundhaltung zur DDR und der gesamten sozialistischen Entwicklung“.

Die Konsequenz für Bohley war die Ausreise in die Bundesrepublik, wo er ab 1986 als Professor für Biochemie an der Universität Tübingen seine wissenschaftliche Laufbahn erfolgreich fortsetzte.

Material zu Prof. Peter Bohley

17. Juni 1953

Auszug aus "Sieben Brüder auf einer fliegenden Schildkröte"

Ringvorlesung

Diskussionsbeitrag "Meine Akte gehört mir!"

Unterrichtsmodule

Die Unterrichtsmodule zum Thema "Volksaufstand 17. Juni 1953", "Flucht und Ausreise" und "Kunst und Kultur" beinhalten Anregungen zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen zu diesem Thema im Unterricht und für eine Begegnung mit Peter Bohley. Die Module "Arbeit am Begriff Zeitzeuge“ und "Zeitzeugenbegegnungen" können in der Vor- und Nachbereitung der jeweiligen Unterrichtseinheiten zum Einsatz kommen.

Berichte

- "Als in Halle die Panzer rollen, ist Peter Bohley mittendrin", online unter: www.schwäbische.de, 27.09.2013.

- Schüler des Wendlinger RBG tauchen in die Geschichte ein. Peter Bohley als Referent bei der Ausstellung zum 17. Juni 1953 in Wendlingen, in: Nürtinger Zeitung, 6. Juni 2013

- "DDR-Volksaufstand am 17. Juni 1953 - 60 Jahre nach dem Ausnahmezustand", von Steven Geyer, in: Berliner Zeitung, 13. Juni 2013.

Interview

"Interview der Woche: Mauefall" - Peter Bohley über seine Ausreise und den Herbst 1989, Reutlinger Tübinger Wochenblatt, 1.10.2014

 

 

Kooperation

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter Jessica Steckel und Michael Lotsch sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de

Informationsblatt Finanzierung

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Umfangreiche Materialiensammlung für den Unterricht

DDR-Geschichte vermitteln


Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugeninterviews

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Zeitzeugengespräche führen

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Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

 >>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.

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Dienstag, der 31. Mai 2016 - Heute vor 60 Jahren

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