Bild:  Ralph Kabisch

Ralph Kabisch, Berlin (Berlin)

"Demokratie, Freiheit und Frieden sind die wertvollsten Güter, die wir heute wie selbstverständlich jeden Tag aufs Neue genießen dürfen. Aber sie sind auch sehr zerbrechlich und müssen daher aktiv gelebt und geschützt werden, um so Diktaturen für die Zukunft zu verhindern."

Thema: Flucht/Ausreise/Freikauf, Hafterfahrungen/MfS

Biografisches

1942 geboren in Görlitz
1945
Flucht der Familie nach Osnabrück
1947 Umzug der Familie nach Düren und später nach Köln
1961
Abitur in Köln
ab 1961 Studium des Bau- und Verkehrswesens an der TU Berlin zum Bauingenieur
Juni-Oktober 1964
Mitarbeit am "Tunnel 57" von der Bernauer Straße 97 zur Strelitzer Straße 55 in Berlin
1965-1966
Mithilfe bei Fluchtaktionen am Friedhof Liesenstraße in Berlin-Mitte sowie über die Transitwege in die Bundesrepublik
1967
Fluchtaktionen über die CSSR und Bulgarien nach Österreich und in die Bundesrepublik
19.11.1967
Festnahme in der CSSR, sechsmonatige Untersuchungshaft in Prag
27.3.1968
Anklage in Prag
24.-26.4.1968
Hauptverhandlung beim Bezirksgericht Prag 1
9.5.1968
Haftentlassung und Rückkehr nach West-Berlin im Zuge einer Amnestie des neuen tschechoslowakischen Staatspräsidenten
1969
Heirat, Abschluss des Studiums
1970-1972
Referendariat bei der Deutschen Bundesbahn in Hamburg mit Abschluss als Bauassessor
Ab 1972 Bauingenieur in leitenden Positionen bei der Deutschen Bundesbahn in Hamburg, Krefeld und Frankfurt/Main sowie bei der Deutschen Eisenbahn-Consulting GmbH (DE-Consult), Betreuung und Leitung von Großprojekten u.a. in Asien und Nord-Afrika
1980-1986
Büroleiter der DE-Consult in Taipei/Taiwan, Leiter des Planungs- und Bauprojektes für die Tieferlegung der Eisenbahn in Taipei mit Neubau des Hauptbahnhofes
1990-2001
Umzug von Frankfurt/Main nach Berlin; Geschäftsführer der European Transport Consulting GmbH; später Ruhestand
2002-2004
Betriebs- und Ausbildungsleiter für Siemens Bangkok Ltd. bei Bau, Ausrüstung und Inbetriebnahme einer U-Bahn-Linie in Bangkok

Veröffentlichungen

Marion Detjen: Ein Loch in der Mauer. Die Geschichte der Fluchthilfe im geteilten Deutschland 1961-1989. Siedler, München 2005, ISBN 3-88680-834-3. Klaus-M. v. Kreusser, Peter Schulenburg: Fluchthelfer - Die Gruppe um Wolfgang Fuchs. Berlin Story Verlag, 2011, ISBN 978-3-86368-001-5.

Kurzbeschreibung

Ralph Kabisch kam im Oktober 1961 in die gerade durch die Mauer geteilte Stadt Berlin, um zu studieren. In West-Berlin „brannte die Luft“ zu jener Zeit, und unter den Studierenden fanden sich rasch jene zusammen, die ihren Freunden und Angehörigen zur Flucht aus der DDR verhelfen wollten. 1964 schloss sich der 22-Jährige der Gruppe um Wolfgang Fuchs an, einem der bekanntesten Fluchthelfer, um seine Cousine aus Görlitz in den Westen zu holen. Gemeinsam arbeiteten sie mit rund 25 weiteren Studierenden am „Tunnel 57“: Ein Meter am Tag, liegend im schmalen Schacht, mit der Schaufel in der Hand. Nach sechs Monaten Grabungsarbeiten konnten 57 Menschen durch den Tunnel fliehen. Ralph Kabischs Cousine war jedoch nicht dabei, sie befand sich im „Ernteeinsatz“ in Bernau bei Berlin. Im umgebauten Armaturenbrett eines Cadillac fuhren die Fluchthelfer ab 1967 viele DDR-Flüchtlinge über die Tschechoslowakei, Ungarn und Bulgarien in den Westen. Bei einem dieser Fluchtprojekte bemerkte Ralph Kabisch am 18. November 1967, dass er beobachtet und verfolgt wurde; er brach daraufhin das geplante Vorhaben ab, fuhr nach Prag und spielte dort den interessierten Touristen. Während seiner Rückfahrt nach Österreich am 19. November wurde er verhaftet und erhielt - beeinflusst durch den Prager Frühling - ein überraschend mildes Urteil. Am 9. Mai 1968 wurde er aufgrund einer Amnestie des neuen tschechoslowakischen Ministerpräsidenten entlassen und kehrte zu seinen Eltern in die Bundesrepublik und später nach Berlin zurück. Seine Cousine wurde bei einem eigenen späteren Fluchtversuch in Bulgarien entdeckt, kam nach ihrer Auslieferung an die DDR in Haft und wurde schließlich von der Bundesrepublik freigekauft. Ralph Kabisch beendete die Fluchthilfe und begann nach Abschluss des Studiums seine berufliche Laufbahn, die ihn auch ins Ausland zu verschiedenen Eisenbahn- und U-Bahn-Tunnelprojekten führte.

Interview in Englisch über den "Tunnel 57"

"Tunnel under the Berlin Wall", BBC

"The Man Who Helped Dig a Secret Tunnel Under the Berlin Wall", Slates Design Blog

Zeitzeugengespräche zum Nachhören

"Fluchthelfer mit unterschiedlichen Erfahrungen" - Ralph Kabisch und Hubert Hohlbein geben im Zeitzeugencafé der Gedenkstätte Berliner Mauer Auskunft über die Fluchthilfe für DDR-Bürger.

"Flucht und Fluchthilfe in Deutschland: Grenzen überwinden - auch in der Erinnerungskultur? - Anlässlich des 54. Jahrestags des Mauerbaus berichtete Ralph Kabisch bei einer Veranstaltung der Bundesstiftung Aufarbeitung von seinen Engagement als Fluchthelfer für DDR-Bürger. Die Podiumsgäste diskutierten über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Flucht und Fluchthilfe in der DDR und heute. In der Veranstaltungsnachlese finden Sie eine Tonaufzeichnung, Fotos und einen Bericht.

Berichte

Ralph Kabisch in Interviews zur Ausstellung "Vom Risiko der Freiheit. Fluchthilfe für DDR-Bürger" in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde (bis 26.10.2015): "Der schwierige Weg in den Westen", taz vom 21.08.2014, "Vom Risiko der Freiheit", SWR2 am 22.08.2014.

"Mauer, Fluchttunnel und Vermessung": Ralph Kabisch und Joachim Neumann im Interview mit der Zeitung "Forum. Zeitschrift des Bundes der öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e.V."

"Unter der Mauer hindurch in die Freiheit - Der Tunnel 57", jugenopposition.de

"Codewort Tokio": Durch einen 145 Meter langen Tunnel unter der Mauer brachte Fluchthelfer Wolfgang Fuchs 57 Menschen in den Westen, Die Welt, 16.06.2001.

"Flucht im Handschuhfach eines Cadillacs": Fluchten in umgebauten Autos, durch die Kanalisation und Tunnel, Die Welt, 2.10.2011.

"Ich habe nicht zurück geschaut", Veranstaltung zur Erinnerung an den Fall der Mauer 1989, Konrad-Adenauer-Stiftung, Auslandsbüro Washington.

 

Kooperation

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter Jessica Steckel und Michael Lotsch sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de

Informationsblatt Finanzierung

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Umfangreiche Materialiensammlung für den Unterricht

DDR-Geschichte vermitteln


Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugeninterviews

Verzeichnis

Übersicht über Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

 >>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.

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Dienstag, der 26. Juli 2016 - Heute vor 60 Jahren

26.7.1956: Auslöser für die Suezkrise: Der ägyptische Staatspräsident Nasser verkündet in Kairo die Verstaatlichung des Suezkanals, um den Bau des Assuan-Staudamms zu finanzieren. Frankreich und die USA hatten ihre Kredite zurückgezogen.