Bild:  Regina Labahn

Regina Labahn, Nordrhein-Westfalen (Wülfrath)

"In Hoheneck warst du einfach ein Nichts."

Thema: Flucht/Ausreise/Freikauf, Kirche, Hafterfahrungen/MfS, Heimerfahrungen, Mauerfall 9. November 1989, Bildung/Erziehung

Biografisches

1951 in Krumin auf Usedom geboren
1980 Erster Ausreiseantrag
1981 Staatlich angeordnete Verbringung von zweien der drei Kinder in ein Heim. Ehemann Karl-Heinz wird verhaftet, Regina flüchtet mit dem Sohn auf die Insel Rügen. Verhaftung.
1982 Verurteilung auf Bewährung; Unterschlupf und Arbeit bei der Evangelischen Kirche in Berlin-Friedrichshain. Antrag auf Staatenlosigkeit, Labahns geben Personalpapiere ab. Erneute Verhaftung.
1984 Verurteilung nach § 214 (wegen Beeinträchtigung staatlicher Tätigkeit) und nach § 143 (Vereitlung von Erziehungsmaßnahmen) StGB/DDR. Regina wird in das Frauenzuchthaus Hoheneck verbracht.
1986 Entlassung und Aufforderung, die DDR sofort zu verlassen.
1987 darf Tochter Kathi zu ihren Eltern ausreisen.
1989 nach der Maueröffnung holen Labahns beide Söhne aus dem Heim
2007 Beitritt zum "Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen".

Kurzbeschreibung

Nachdem Karl-Heinz Labahn es ablehnte, der SED beizutreten, begann für die junge Familie ein langer Leidensweg durch staatliche Schikanen. 1980 beantragten die Eheleute für sich und die drei Kinder erstmals die Ausreise. Auf staatliche Anordnung hin wurden daraufhin zwei der drei Kinder in ein Heim verbracht und der Vater verhaftet. Regina flüchtete mit einem Sohn nach Rügen. Dort wurde sie jedoch von einem Pfarrer an die Stasi verraten. 1982 wurde Karl-Heinz zu zehn Monaten Haft und Regina auf Bewährung verurteilt. Auch das dritte Kind kam in ein Heim. 1983 fand das Ehepaar Unterkunft und Arbeit bei der Evangelischen Kirche in Berlin-Friedrichshain. Manfred Stolpe empfahl den Eheleuten Labahn, einen Antrag auf Staatenlosigkeit zu stellen. Die Folge war eine erneute Verhaftung. Nach der Untersuchungshaft in Hohenschönhausen im Jahr 1984 wurde Karl-Heinz zu eineinhalb, Regina zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Regina kam in das Frauengefängnis Hoheneck, Karl-Heinz nach Cottbus. Nach ihrer Entlassung 1986 hatte Regina zwei Stunden Zeit, die DDR zu verlassen. Regina und Karl-Heinz litten unter den schweren gesundheitlichen Folgen der Haft. Die DDR-Behörden hielten die Kinder auch weiterhin fest. Erst 1987 durfte Tochter Kathi ausreisen. Einen Tag nach dem Fall der Mauer holten Labahns beide Söhne gegen den Widerstand der Heimleitung aus dem Kinderheim. Heute leben die Eheleute als Rentner im Rheinland.

Berichte:

- Rezension: "Ein Tag zählt wie ein Jahr", von Johanna Seeger, online unter: www.deinegeschichte.de, März 2012.

- Maggie Riepl, Dirk von Nayhauß: Der dunkle Ort. 25 Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck, be.bra Verlag, Februar 2012.

Weitere Dokumente:

Die Stasi verlangte von Regina Labahn während ihrer Haft verschiedene schriftliche Stellungnahmen.

- "Persönliche Niederschrift", Berlin 15.3.1984 (Kopie BStU)
- "Sofortige Ablegung d. DDR-Staatsbürgerschaft auf staatenlos für unsere Familie" (Kophie BStU)
- "Stellungnahme zu meiner Straftat", 2.04.1984 (Kopie BStU)


- Familienfotos, Regina Labahn mit ihren Kindern Bert, Réne und Kati (Fotografien aus dem Privatbesitz v. R. Labahn)
--> Regina Labahn mit Bert
--> Réne
--> Kati



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