Bild:  Jens Hase

Jens Hase, Bayern (Günzburg)

"Freiheit ist nicht selbstverständlich, es lohnt sich jeden Tag dafür zu kämpfen!"

Thema: Flucht/Ausreise/Freikauf, Grenzerfahrungen, Mauerfall 9. November 1989

Biografisches

1970 geboren im thüringischen Eisenach
1976 Besuch der polytechnischen Oberschule Eisenach
1985 Ausbildung zum Transport- und Lagerfacharbeiter im Automobilwerk Eisenach
1989 Flucht über die Prager Botschaft
am 1.10.1989 Eintreffen in der Bundesrepublik
Arbeiter in der Wanzl Metallwarenfabrik GmbH
2002 Ausbildung zum Informations- und Telekommunikationssystemelektroniker
2006 Weiterbildungen
Seit 2009 Dozent und Ausbilder im Berufsbildungszentrum Augsburg gGmbH (vorwiegend Jugendarbeit)

Kurzbeschreibung

Die systemkritische Haltung meiner Eltern zum DDR-Staat prägte mich von Kindheit an. Zwei meiner Geschwister stellten Anträge auf ständige Ausreise aus der DDR. Als mein Vater schwer erkrankte und die DDR-Medizin nicht weiterhelfen konnte, stellten meine Eltern ebenfalls einen Antrag auf ständige Ausreise. Während meine halbe Familie bereits im Bundesgebiet wohnte, wurde der Telefonanschluss stillgelegt und ich war wiederholten Konfrontationen und Provokationen der Staatssicherheit und von SED-Genossen am Arbeitsplatz ausgesetzt. Mir wurde immer deutlicher bewusst, dass ich weg wollte aus diesem Unrechtsstaat. Kurzerhand entschied ich mich, den Weg über die Bundesdeutsche Botschaft in Prag zu gehen. Dort traf ich schließlich Ende September 1989 ein. Die Tage in der Botschaft waren prägend. Es gab viele gefährliche, aber auch lustige und traurige Momente. Dort habe ich viel erlebt, bis zu dem Tag, als der damalige Bundesaußenminister H.-D. Genscher uns den bewegenden Satz: "Wir sind zu ihnen gekommen, um ihnen mitzuteilen, dass heute ihre Ausreise …!" vom Balkon des Palais Lobkowicz verkündete (Der Rest des Satzes ging im Jubel der "Freiheit" rufenden Menschenmenge unter).  Der schönste Moment in der damaligen Zeit. Seither lebe ich im schwäbischen Teil Bayerns und genieße jeden Tag in der Freiheit. Aufgrund meiner Tätigkeit im Jugendbereich habe ich die Möglichkeit, meine Geschichte zu erzählen und so die Chance dazu beizutragen, dass diese schlimme Zeit der SED-Diktatur nie vergessen wird!

Veröffentlichung

Grit Poppe: Abgehauen. Cecilie Dressler Verlag 2012: Die Autorin nahm die Erinnerungen von Jens Hase als Grundlage. Das Interview können Sie hier nachlesen.

Berichte und Interviews

"Papa, ich bin da, ich komme" - Jens Hase floh mit 19 Jahren aus der DDR. Über seine Gründe und seinen Fluchtweg sprach er mit Schülerinnen und Schülern des Lauinger Albertus-Gymnasium. Augsburger Allgemeine, 1.7.2016.

"Züge in die Freiheit" - Jens Hase berichtete in Ahrweiler von seiner Flucht über die Prager Botschaft und von den Herausforderungen seines Neuanfangs im Westen. Das Gespräch beleuchtete auch die Situation jener, die sich heute als Flüchtlinge auf den Weg machen. Der Kölner Ramian Fathi, dessen Eltern aus dem Iran geflohen waren, erzählte von seinen Erfahrungen mit Vorurteilen und Integration. General-Anzeiger, 5.3.2016.

"Ich träume heute noch davon" - Die Elftklässer des Katharinen-Gymnasiums in Ingolstadt hörten gespannt zu, als Jens Hase von seiner Flucht in den Westen erzählte. Donaukurier, 09.11.2015.

"Prag vor 25 Jahren: Ein Flüchtling erinnert sich" - Jens Hase berichtet in einem Video-Interview mit der Deutschen Welle von seiner Flucht aus der DDR. 30.09.2014.

"Flucht über die Botschaft in Prag" - Auf der Internetseite www.stories.unhcr.org erzählen Flüchtlinge von ihrer Flucht, einem Erlebnis oder einer besonderen Erinnerung. Es stellen sich auch Menschen vor, die aus der DDR in den Westen geflohen sind. Jens Hase gibt einen Einblick in seine eigenen Fluchterfahrungen.

"Aufbruch in Thüringen: Eisenacher Jens Hase floh über Prag gen Westen" - Am 1. Oktober 1989 traf Jens Hase in der Bundesrepublik ein. Im Interview berichtet er von seiner Flucht und der Ankunft im Westen. Thüringische Landeszeitung 7.5.2015

"1989 - Die Züge in die Freiheit" - Jens Hase gehörte zu den ersten Ostdeutschen, die 1989 über die Prager Botschaft in den Westen flohen. Im Interview mit der ZEIT berichtet er von den Ereignissen. Interview: Anne Hähnig, Juli 2014.

"Zug in die Freiheit" - Das Dokudrama berichtet von den Zügen, die im Oktober 1989 von der bundesrepublikanischen Botschaft in Prag nach Hof führten und DDR-Bürger in den Westen brachten. In der Produktion von MDR und Arte schildert Jens Hase, wie er diese Zeit erlebt hat. Hier finden Sie die Ausstrahlungstermine.

Thomas Hilgendorf: Nackt vor der Staatsgewalt, in: Augsburger Allgemeine, 7. Nov. 2009.

Weiteres Bildmaterial
Jens Hase und Rudolf Seiters, 11. Nov. 2009, Darmstadt (Foto: Jens Hase)

Kooperation

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Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

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