Bild:  Norbert Sommer

Norbert Sommer, Hessen (Heusenstamm)

"Ein demokratischer Staat ist ein wertvolles Gut. Er ist nie vollkommen und deshalb immer gefährdet. Er braucht unsere Unterstützung."

Thema: Flucht/Ausreise/Freikauf, Grenzerfahrungen, Hafterfahrungen/MfS

Biografisches

1932
geboren in Birnai/Aussig, Sudetenland
1945 Vertreibung nach Thüringen
1951 Abitur an der Geschwister-Scholl-Oberschule in Sondershausen (Thüringen)
1951-1952 Studium der Slawistik an der Universität Jena
1952 Verhaftung durch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR, Verurteilung zu sieben Jahren Zuchthaus wegen Herstellung und Verteilung antistalinistischer Flugblätter (1950/51) an der Oberschule in Sondershausen
1956 Entlassung aus dem Zuchthaus Untermaßfeld (Thüringen), Flucht nach Westdeutschland
1956-1962 Studium der Anglistik und Slawistik an der Universität Marburg/Lahn
1962 1. Staatsexamen
1964 2. Staatsexamen im Studienseminar Kassel
1964-1995 Lehrer für Englisch, Russisch, Sozialkunde an einem Gymnasium in Offenbach/Main, zuletzt als Oberstudienrat
seit 1995 ehrenamtlich tätig als Sprachlehrer  und  Stadtverordneter in Heusenstamm

Kurzbeschreibung

1932 in Aussig-Birnai geboren, erlebte ich 1938 den Anschluss des Sudentenlandes an Deutschland, den Zweiten Weltkrieg und das Kriegsende. 1945 wurde ich mit meiner Mutter und meiner dreijähriger Schwester aus der Heimat vertrieben. In Thüringen besuchte ich von 1947-1951 die Oberschule in Sondershausen. Dort schloss ich mich einer Gruppe von Schülern an, die antistalinistische Flugblätter herstellte und verteilte. Wir beendeten im Frühsommer 1951 die illegale Arbeit, weil die Bevölkerung der DDR zu eingeschüchtert schien. Nach dem Abitur im Juni 1951 studierte ich Slawistik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Im September 1952 wurde ich mit fünf weiteren Studenten und Oberschülern verhaftet, nachdem ein zuvor verhafteter Angehöriger unserer Gruppe unsere Namen preisgegeben hatte. Von September 1952 bis Januar 1953 erlebte ich die Schikanen der Stasi-Untersuchungshaftanstalt  Erfurt/Thüringen. Am 23. Januar 1953 wurde ich vom Bezirksgericht Erfurt zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Ich kam in das Zuchthaus Untermaßfeld/Thüringen, aus dem ich im Juli 1956 mit Bewährungsfrist entlassen wurde. Ich floh über West-Berlin in die Bundesrepublik und studierte an der Universität Marburg Englisch und Russisch. 1962 legte ich in Marburg/Lahn mein 1. Staatsexamen ab und 1964 mein 2. Examen in Kassel. 1964 bis 1995 war ich Lehrer an der Rudolf-Koch-Schule (Gymnasium) in Offenbach. Nach meiner Pensionierung war ich ehrenamtlich in Heusenstamm und Offenbach tätig.

Berichte

"Sondershäuser Zeitzeugen-Projekt zum Widerstand gegen die SED-Diktatur" - Norbert Sommer kehrte an seine Schule, die Geschwister-Scholl-Oberschule, zurück und erzählte den Schülerinnen und Schülern von Fluchgblättern, Verhören und Verhaftung. Thüringer Allgemeine, 25.1.2016.

"Über ein Gespräch mit zwei DDR-Häftlingen" - Die Klasse 10a des Bülow-Gymnasiums traf sich im Werkhaus Neudietendorf mit Norbert Sommer und Fritz Richter. Eine Schülerin berichtet.

Kooperation

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter Jessica Steckel und Michael Lotsch sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de

Informationsblatt Finanzierung

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Umfangreiche Materialiensammlung für den Unterricht

DDR-Geschichte vermitteln


Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugeninterviews

Verzeichnis

Übersicht über Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

 >>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.

Kalender

Sonntag, der 26. Juni 2016 - Heute vor 60 Jahren

26.6.1956: Die polnische Botschaft in Ost-Berlin gibt bekannt, dass deutsche Vertriebene unter bestimmten Umständen zurückkehren dürften.