Bild:  Peter Keup

Peter Keup, Nordrhein-Westfalen (Essen)

"Die Ruhe, in der man sich wähnt, ist trügerisch"

Thema: Flucht/Ausreise/Freikauf, Hafterfahrungen/MfS

Biografisches
1958 in Radebeul bei Dresden geboren
1974 Antragstellung der Eltern auf Ausreise in die Bundesrepublik, Verlassen der Erweiterten Oberschule Radebeul (Besuch der 11./12. Klasse nicht mehr möglich)
1975-1977 Lehre zum Schriftsetzer
1976-1981 Turniertanz mit Schwester Uta
1981 3. Platz bei den DDR-Meisterschaften, Aufnahme in das Nationalteam der DDR
1981 Fluchtversuch über CSSR/Ungarn nach Österreich (Durchschwimmen der Donau). Verhaftung durch MfS Dresden und vier Monate Untersuchungshaft. Verurteilung zu zehn Monaten wegen Vorbereitung zur Republikflucht
1982 Haftentlassung und Freikauf durch die Bundesrepublik. Ankunft in Essen
seit 1989 Inhaber einer eigenen Tanzschule in Dinslaken

Kurzbeschreibung

Im Winter 1974 stellten meine Eltern einen Ausreiseantrag, der das Leben unserer Familie von einem auf den anderen Tag komplett veränderte. Ich musste die Erweiterte Oberschule Radebeul nach der 10. Klasse verlassen und einen Lehrberuf wählen. Von 1975 bis 1977 ließ ich mich zum Schriftsetzer ausbilden. Nach Beendigung der Lehre wurde mir eine Arbeitsstelle zugewiesen. Den Sportclub, in dem ich Leichtathletik betrieb, musste ich 1975 verlassen. Danach tanzte ich auf Turnieren. 1981 belegten meine Schwester Uta und ich den dritten Platz bei den DDR-Meisterschaften und wurden ins Nationalteam berufen. Fortan observierte uns das  MfS. Turnierreisen in den Westen wurden abgelehnt. Im Sommer 1981 versuchte ich über die CSSR nach Ungarn und von dort nach Österreich zu fliehen. Nach der Verhaftung an der tschechischen Grenze wurde ich knapp vier Monate in der Untersuchungshaftanstalt der "Stasi" in Dresden festgehalten und zu zehn Monaten Gefängnis wegen "Vorbereitung zur Republikflucht" verurteilt. Nach weiteren vier Monaten in der Vollzugsanstalt Cottbus wurde ich im März 1982 in den Westen per Freikauf abgeschoben. Seit 1982 lebe ich in Essen (der Stadt, aus der meine Eltern stammen) und betreibe seit 1989 eine eigene Tanzschule in Dinslaken.

Berichte:

"Als Zeitzeuge durch Südamerika" - Argentinien, Uruguay, Brasilien - und von dort aus weiter nach Nordamerika: Zuerst berichtete Peter Keup den Jugendlichen an der Deutschen Schule in Montevideo von seinen Erinnerungen an die DDR, auch in Rio de Janeiro und Sao Paulo hörten die Schülerinnen und Schüler ihm aufmerksam zu.

"Der Moment der Wahrheit": Anlässlich des Sturms auf die Stasi-Zentrale vor 25 Jahren hat Peter Keup in Berlin aus seinen Akten gelesen. 1981 wurde er auf der Flucht verhaftet. Erst heute weiß er, wer ihn verraten hat. Deutschlandradio Kultur, Verena Kemner, 15. Januar 2015.

"Ich war Nummer 13-1" - Peter Keup zu Gast bei Volkshochschule und Driland-Kolleg, Westfälische Nachrichtenm 30.10.2014

"Warum ein Ex-Häftling in seine alte Stasi-Zelle zurückkehrt", in: Der Westen, 21. September 2014

"Zeitzeuge spricht über Stasi-Haft und Schikanen in der DDR", in: Der Westen, 7. November 2013

"Peter Keup referiert in Südkorea über Parallelen zur DDR", in: Der Westen, 4. September 2012.

"Als Zeitzeuge der ehemaligen DDR unterwegs", in: Der Westen, 25. Januar 2012.

"Peter Keup berichtet in der ganzen Welt vom Leben in der DDR-Diktatur", in: Der Westen, 5. Mai 2012.

"Von Sydney nach Taiwan", in Neue Rhein Zeitung, 7. April 2012.

"Der Fall Peter Keup", in: Rheinische Post, 11. November 2011.

"Blick zurück in die Stasi-Zeit", in: Der Westen, 5. November 2011.


Videodokumentationen:

"Das letzte Mal. Ost/West Tanzgeschichten der Geschwister Uta und Peter Keup", Dokumentation von Klara Höfels, 2012.

Veranstaltung

Wer entscheidet über einen Asylantrag? Dürfen Polizisten in meine Wohnung eindringen? Und wie war das in der DDR? – die Fragen der Sonneberger Schülerinnen und Schüler zu den Grundrechten standen am 14. September 2015 im Mittelpunkt des Projekttages „GG 19 – Ein guter Tag für die Demokratie“. Marcus Kiesel und Helge Eikelmann von Multivision e.V. führten sie durch Artikel 1 bis 19 des Grundgesetzes. Peter Keup berichtete von den Einschränkungen seiner Rechte in der DDR, von Fluchtversuch und Haft. Die 15-Jährigen diskutierten abschließend mit Peter Keup, Stefan Hilsberg, Staatssekretär Malte Krückelt (Thüringer Staatskanzlei) und Markus Ermert (Freies Wort) vor allem über die aktuelle Situation von Flüchtlingen in Thüringen. Das Projekt wurde von der Bundesstiftung gefördert.

Interviews

Video 1: "Ich wollte weg". Kurzfilm vom Klara Höfels, Dresden 2009

Peter Keup wurde als 23-jähriger wegen Republikflucht inhaftiert und musste insgesamt 10 Monate Haft absitzen, bis er von der Bundesrepublik freigekauft wurde.

Video 2: "Die Zeitzeugenarbeit hat mein ganzes Leben verändert"

Peter Keup berichtet von seinen Erfahrungen als Zeitzeuge an Schulen und anderen Lernorten, verrät, welche Frage seine Zuhörer besonders interessiert und warum die Bildungsarbeit sein ganzes Leben verändert hat. Das Interview wurde auf der 3. Regionalkonferenz des Koordinierenden Zeitzeugenbüros am 29.11.2013 in Berlin aufgenommen. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Das Interview führte Miriam Menzel von der Kooperative Berlin.

 

Kooperation

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter Jessica Steckel und Michael Lotsch sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info(at)ddr-zeitzeuge.de

Informationsblatt Finanzierung

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro ist eine gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Umfangreiche Materialiensammlung für den Unterricht

DDR-Geschichte vermitteln


Diese Website sammelt Materialien und Medien, Handreichungen und Praxisreflexionen zur historisch-politischen Bildung über das Thema „DDR-Geschichte“. Verflechtungen mit der westdeutschen Geschichte und europäischen Kontexten sind berücksichtigt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf kostenlos verfügbaren Online-Ressourcen. Ein Projekt des Bildungswerks der Humanistischen Union NRW

Zeitzeugeninterviews

Verzeichnis

Übersicht über Archiv- und Erinnerungsorte, die Zeitzeugeninterviews aufbewahren [mehr]

Zeitzeugengespräche führen

Bleib nicht stumm ...

Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

 >>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.

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Donnerstag, der 28. Juli 2016 - Heute vor 60 Jahren

28.7.1956: Die USA sichern Großbritannien und Frankreich Unterstützung in der Frage des Suezkanals zu, lehnen militärische Repressalien und scharfe Sanktionen gegen Ägypten jedoch ab.