Bild:  Siegmar Faust

Siegmar Faust, Berlin (Berlin)

"Wo keiner eine Wahl hat, wird man alternativlos vor die Wahl gestellt, dafür oder dagegen zu sein."

Thema: Kunst, Kultur und Literatur, Hafterfahrungen/MfS, Volksaufstand 17. Juni 1953

Biografisches

1944
in Dohna bei Dresden geboren
1964
Abitur an der Kinder- und Jugendsportschule Dresden, Kandidat der SED
1965
Studium Kunsterziehung und Geschichte an der Universität Leipzig
1966
Initiator einer Lyrikveranstaltung über "unzensierte Lyrik", daraufhin Exmatrikulation und ein Jahr "Bewährung in der Produktion" im Kunstseidenwerk Pirna
1967
Studium am Leipziger Literaturinstitut "Johannes R. Becher", wegen eines Gedichtes, das den Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 erwähnt, erneute Exmatrikulation, Streichung als SED-Kandidat
1968
Ausweisung aus Leipzig; Gründung einer Künstlergruppe u. a. mit Wolfgang Hilbig, Gert Neumann, Andreas Reimann; Versuch der Veröffentlichung im Westen
1971
Untersuchungshaft in Leipzig wegen des Vorwurfs "staatsfeindlicher Hetze"
1972
durch Amnestie ohne Prozess entlassen
1973 offizieller Ausreiseantrag, nach Ablehnung Unterschriftensammlung gegen Verweigerung der Menschenrechte; erneut wegen "staatsfeindlicher Hetze" inhaftiert und vor dem Bezirksgericht Dresden zu viereinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt
1975
401 Tage Keller-Einzelhaft wegen handgeschriebener Häftlingszeitung
1976
Entlassung aus der Haft; im September Ausreise nach West-Berlin
1976-1989
Arbeit als freier Schriftsteller, Drehbuchautor, Vortragsreferent, Chefredakteur der Zeitschriften "DDR heute" und "Christen drüben"
1996-1999
Sächsischer Landesbeauftragter für Stasi-Unterlagen
2003-2006
Studium der Philosophie, Politikwissenschaft und Theologie in Würzburg
seit 2011
Aufbau der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, dort als Zeitzeuge und Kurator tätig

Kurzbeschreibung

Zweimal wurde Siegmar Faust wegen regimekritischer Lesungen und Gedichte vom Studium ausgeschlossen. 1971 wurde er verhaftet, nachdem er versucht hatte, Literatur einer 1968 gegründeten Künstlergruppe in der Bundesrepublik Deutschland zu veröffentlichen. Nach wiederholten Repressionen stellte er ab 1973 mehrmals erfolglos Ausreiseanträge. Im Oktober 1973 initiierte er eine von 45 Personen unterschriebene Resolution gegen die Verweigerung der Menschenrechte. Dies führte zur Verurteilung wegen "staatsfeindlicher Hetze", die er im Zuchthaus Cottbus verbüßte. Dort brachte er die handgeschriebene DIN-A4-große Zeitung "Armes Deutschland" in Umlauf, was ihm Isolationshaft in den kalten und feuchten Kellerzellen, den so genannten "Tigerkäfigen", einbrachte. Weil sich bekannte Persönlichkeiten in Ost und West für seine Freilassung eingesetzt hatten, wurde er im März 1976 auf Veranlassung des SED-Generalsekretärs Erich Honecker vorzeitig aus der Haft in die DDR entlassen und reiste am 1. September 1976 aus. Auf einer Pressekonferenz in West-Berlin prangerte er die Haftbedingungen des Zuchthauses Cottbus an, was dazu führte, dass die "Tigerkäfige" im Keller geschlossen und in die erste und zweite Etage des Nachbargebäudes verlegt wurden. Er klärt seitdem auf vielfältige Weise über die DDR-Diktatur auf.

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Dienstag, der 27. September 2016 - Heute vor 60 Jahren

27.9.1956: US-Präsident Eisenhower fordert auf einer Pressekonferenz erneut, den Suezkanal unter internationale Kontrolle zu stellen. Die ägyptische Regierung lehnt dies tags darauf ab.