Bild:  Lothar Rochau

Lothar Rochau, Sachsen-Anhalt (Halle)

"In der Offenen Arbeit der Evangelischen Kirche der DDR galt es die ganze Person in die Waagschale zu werfen um Veränderungen in Staat, Gesellschaft und Kirche zu bewirken."

Thema: Bürgerrechtsbewegung, Kirche, Hafterfahrungen/MfS

Biografisches

1952 geboren in Weißensee/Thüringen
1969 Schulabschluss
1969-1971 Ausbildung als Werkzeugmacher
1971-1972 Grundwehrdienst in Eggesin
1973-1977 Diakonausbildung Ev. Kirche in Neinstedt/Eisenach
1977-1983 Tätigkeit als Jugenddiakon in Halle-Neustadt
1983 Verhaftung und Verurteilung zu drei Jahren Gefängnis nach § 214, 219, 106 StGB der DDR
1983 Revision vor dem Obersten Gericht der DDR mit Rechtsanwalt Schnur (IM „Torsten“)
Dezember 1983 Abschiebung in die Bundesrepublik
1984-1986 Studium Sozialpädagogik/Sozialarbeit in Frankfurt/Main
1989 Rückkehr nach Halle/Saale
1990 Aufbau des Jugendamtes der Stadt Halle/Saale
2007 Wechsel zum Wirtschaftsdezernat der Stadt Halle

Veröffentlichungen:
Rudolf Schulze: Die Konflikte um den Jugenddiakon Lothar Rochau und seinen Dienst in Halle-Neustadt 1981-1983. EKD Edition, 1996.                                                             Lothar Rochau: Es gibt ein Leben ohne Kompromisse, in: Rebellion im Plattenbau. Die offene Arbeit in Halle-Neustadt 1977-1983, Katalog zur Ausstellung, hrsg. v. Sebastian Bonk, Florian Key und Peer Pasternack, Halle-Wittenberg 2013, S. 12-15.

 

Kurzbeschreibung

Seit 1977 war Lothar Rochau Jugendiakon in Halle-Neustadt. Er führte eine über vierzig Anhänger große Friedens-Umwelt-und Menschenrechtsgruppe an, die mit vielerlei Aktivitäten von sich reden machte. Die Diskussionen, Konzerte, Werkstatt-Tage und Umweltprojekte, die der Geistliche im Rahmen der Offenen Jugendarbeit initiierte, waren aber nicht nur dem SED-Staat ein Dorn im Auge. Auch die Kirchenleitung distanzierte sich zunehmend von ihm und seiner Arbeit. Zu Beginn des Jahres 1983 wurde ihm von Seiten der Kirche gekündigt. Im Juni 1983 wurde Lothar Rochau verhaftet. Im September wurde er wegen staatsfeindlicher Hetze, ungesetzlicher Verbindungsaufnahme und Herabwürdigung der staatlichen Organe zu drei Jahren Haft verurteilt. Ein Artikel im „Spiegel“, der über seine Inhaftierung berichtete, führte dazu, dass er im Dezember 1983 mit seiner Familie in die Bundesrepublik abgeschoben wurde. Aber auch in Halle blieb seine Inhaftierung nicht ohne Folgen – unter dem Dach der Kirche formierte sich eine politische Opposition, die sich mit Umwelt- und Demokratiefragen beschäftigte. Nur kurze Zeit nach der friedlichen Revolution kehrte Lothar Rochau wieder nach Halle/Saale zurück.

 

Lothar Rochau im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern (Video):

Bei dem Projekt „Stimmen der Opposition“ führen Schülerinnen und Schüler Interviews mit einem Zeitzeugen. Es entsteht ein Bild der DDR-Bürgerrechtsbewegung, gesehen mit den Augen der heutigen Jugendlichen. Das Zeitzeugeninterview mit Lothar Rochau wurde veröffentlicht. Eine Kurzversion finden Sie hier.

Projekt der Deutschen Gesellschaft e.V., gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung.

Finanzierung von Zeitzeugengesprächen

Das Koordinierende Zeitzeugenbüro des Bundes bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen mit Zeitzeugen. Die Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. 030 / 98 60 82 414/447 oder Email: info@ddr-zeitzeuge.de.

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Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

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Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

Sie können den Leitfaden hier kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

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Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

 >>Hier<< gibt es den Leitfaden (PDF zum Download)

Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.

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11.12.1956 In Ungarn beginnt ein Generalstreik, auf den die Regierung mit der Ausrufung des Ausnahmezustands im ganzen Land reagiert. Ganz Budapest ist ohne Strom.