Bild: Dr. Dietrich Koch

Dr. Dietrich Koch, Nordrhein-Westfalen (Mülheim)

"Der Angeklagte ist in den wesentlichsten Punkten des ihm zur Last gelegten strafbaren Verhaltens nicht geständig (Urteil 13.3.1972, S. 12)."

Thema: Flucht/Ausreise/Freikauf, Bürgerrechtsbewegung, politische Haft

Biografisches

1937 in Leipzig geboren
1955-1962 Physikstudium an der Karl-Marx-Universität Leipzig
1962-1968 theoretischer Physiker an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin in Leipzig
Festnahme und Entlassung wegen Protests gegen die Sprengung der Leipziger Universitätskirche
1970-1972 Verhaftung, Untersuchungshaft und Verurteilung wegen staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme, staatsfeindlicher Gruppenbildung, staatsfeindlichem Menschenhandel sowie staatsfeindlicher Hetze
1972 Einweisung in das psychiatrische Haftkrankenhaus Waldheim und Entlassung in die Bundesrepublik
1973-2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Philosophie an der Universität in Essen
2002 Ruhestand

Veröffentlichungen

Dietrich Koch: "Das Plakat gegen die Sprengung der Universitätskirche Leipzig im Stasi-Verhör", in: Frank Hoffmann/Silke Flegel (Hg.): Fluchtpunkt NRW. Zeitzeugenberichte zur DDR-Geschichte, in der Reihe Deutschland in Europa. Gesellschaft und Kultur, Bd. 3, ISBN 978-3-643-13382-3, Berlin 2016.

Dietrich Koch, Karin Wieckhorst: Das Verhör. Zerstörung und Widerstand. 2. Aufl., Mai 2001

Kurzbeschreibung

Dietrich Koch ist studierter Physiker und promovierter Philosoph. Nach seinem Studium war er zwischen 1962 und 1968 als theoretischer Physiker am Leipziger Standort der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin tätig. Als er 1968 gegen die Sprengung der Leipziger Universitätskirche protestierte, wurde er festgenommen und fristlos aus dem Dienst entlassen. Im selben Jahr ließ er gemeinsam mit befreundeten Physikern beim Internationalen Bachwettbewerb in der Leipziger Kongresshalle mithilfe einer selbstentworfenen Apparatur ein Plakat mit der Umrisszeichnung der Universitätskirche und der Aufschrift „Wir fordern Wiederaufbau" entrollen. Erst 1970 gelang es dem MfS, Koch als Mitverantwortlichen des Protests auszumachen. Er wurde verhaftet und wegen "staatsfeindlicher Gruppenbildung", "staatsfeindlichem Menschenhandel" und "Hetze" verurteilt. Außerdem warf man ihm "staatsfeindliche Verbindungsaufnahme" und "versuchte Republikflucht" vor, da ihm zuvor der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker Hilfe bei einer legalen Ausreise angeboten hatte. Er wurde zu zweieinhalb Jahren Haft und zu anschließender unbefristeter Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung verurteilt. Nach seiner Entlassung in die Bundesrepublik 1972 war er bis 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität in Essen. In seinem dreibändigem Buch „Das Verhör. Zerstörung und Widerstand“ berichtet er vor allem über seine Haftzeit in der DDR.

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Tipps für das Gespräch für Zeitzeugen und für Lehrende

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Der Leitfaden liefert Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung, zur Moderation sowie zur Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen. Er informiert über Gepräche am historischen Ort und bietet weiterführende Literatur.

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DDR-Geschichte vermitteln


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Zeitzeugenerinnerungen und -interviews

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Leitfaden für Zeitzeugengespräche

Der Leitfaden für Zeitzeugengespräche, veröffentlicht vom Grenzlandmuseum Eichsfeld, gibt anschauliche Tipps und Anleitungen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Interviews mit Zeitzeugen.

Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

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Dienstag, 17 Oktober 2017 - Heute vor 28 Jahren

17.10.1989 Die polnische Regierung fordert von der Sowjetunion eine Entschädigung für die Zwangsarbeit von etwa 3,5 Millionen zwischen 1939 und 1959 verschleppten Polen.