Bild:  Klaus Gronau

Klaus Gronau, Berlin (Berlin)

"Am 17. Juni 1953 war klar, die SED war nicht mehr Herr der Lage."

Thema: Volksaufstand 17. Juni 1953, Flucht/Ausreise/Freikauf

Biografisches

1937 in Berlin-Friedrichshain geboren
1953-1955 Ausbildung und Tätigkeit als Lebensmittelfachverkäufer. Aktiver
Zeuge des 17. Juni 1953
1957 Flucht mit den Eltern nach West-Berlin
seit 1997 Mitglied der CDU. Vorstandsmitglied im Ortsverband City-Kurfürstendamm und Kreisparteitagsdelegierter im Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf Bürgerdeputierter im Ausschuss Soziales des Berliner Bezirks
seit 2005 Mitglied und Zeitzeuge im Verein „Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft“
2010 Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande, Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Kurzbeschreibung

Nach Kriegsende 1945 ging es dem zerstörten Berlin sehr schlecht. Meine Eltern und ich lebten im Sowjetischen Sektor von Berlin. Ich wuchs nahe der Stalinallee im Bezirk Friedrichshain auf. 1953, im Jahr des Volksaufstandes, war ich 16 Jahre alt. Ich besuchte die Berufsschule der HO in der Pettenkoferstraße. Am 16. Juni 1953 um 14 Uhr sah ich auf meinem Heimweg in der Stalinallee Ecke Niederbarnimstraße eine Ansammlung von Bauarbeitern, die ihren Unmut über das DDR-Regime lautstark äußerten. Sie legten die Arbeit nieder und schlossen sich zu einem Demozug zusammen. Ich schloss mich ihnen an! Wir wurden von winkenden Menschen aus den Fernstern begleitet. Aufrufe zum nächsten Tag 7 Uhr zum Straußberger Platz schallten um uns herum! Am nächsten Tag, 17. Juni 1953, waren in den Morgenstunden die Straßen voller Menschen. Der Marsch ging in Richtung Lustgarten. Neben mir lief ein großer Bauarbeiter im Gummimantel, der aß im Laufen aus einer blechernen Stullenbüchse ein Brot. Diesen Mann sah ich am Nachmittag, wie er von einem Panzer überfahren wurde. Seine Stullenbüchse lag daneben, platt wie eine Briefmarke. Ich lief vor Schreck und Angst nach Hause. In der Stadt herrschte der Ausnahmezustand und Schießbefehl. Der Aufstand war niedergeschlagen!

Videointerview:

Gedächtnis der Nation im Interview mit Klaus Gronau, veröffentlicht am 14.2.2013

1. Am Vortag des 17. Juni 1953
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2. Steine werfen am 17. Juni 1953
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Berichte:

"Wir hatten fürchterliche Angst": Klaus Gronau über den Volksaufstand am 17. Juni 1953, Nordwest-Zeitung, 17.6.2014

- "Wir stürzen die Regierung!", Frankfurter Rundschau, Beitrag von Steven Geyer, 17. Juni 2013

- "Spuren des Aufstandes. Der 17. Juni 1953 in Berlin", Deutschlandradio Kultur, Beitrag von Claudia van Laak, 17. Juni 2013 (Audiobeitrag)

- "Die Arbeiteraufmärsche werden immer größer", MDR Info, Beitrag von Michael Voß, 17. Juni 2013. (Audiobeitrag)

- "Ausbruch aus der Dunstglocke der Angst", in: taz, Beitrag von Susanne Messmer, 15. Juni 2013

- "Ruf nach Freiheit und Demokratie", Deutschlandradio, Beitrag von Otto Langels, 14. Juni 2013 (Audiobeitrag)

- "17. Juni 1953 - Der große Aufstand", n-tv, Beitrag von Hubertus Volmer, 14. Juni 2013

- "DDR-Volksaufstand am 17. Juni 1953 - 60 Jahre nach dem Ausnahmezustand", von Steven Geyer, in: Berliner Zeitung, 13. Juni 2013

 

Interview

Klaus Gronaus erzählt von seinem Leben in der DDR und vom Generalstreik am 17. Juni 1953. Er schildert die Demonstration an der Oberbaumbrücke und am Alexanderplatz und geht schließlich auf die Auswirkungen des 17. Juni 1953 ein.

Das Interview mit Klaus Gronau ist Teil der Interviewreihe "17. Juni 1953". Die Reihe ist ein Projekt der Berliner Heimatfilm GbR, in Kooperation mit dem Onlineportal DeineGeschichte, gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Kooperation

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Informationsblatt Finanzierung

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Die Broschüre ist für Schüler didaktisch aufbereitet und bietet auch für Lehrer und andere Akteure der historisch-politischen Bildungsarbeit zahlreiche methodische Anregungen und Informationen.

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Gefördert wurde der Leitfaden mit den Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung.

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