Bild:  Wolfgang Stiehl

Wolfgang Stiehl, Sachsen-Anhalt (Magdeburg)

"Es muß versucht werden, ihm durch einen Freiheitsentzug die gesamten demokratischen Ziele unserer Ordnung vor Augen zu führen und ihn ideologisch umzuwandeln."

Thema: politische Haft, Mauerbau 13. August 1961, Mauerfall 9. November 1989

Biografisches


1934 in Schönebeck/Elbe geboren
1940-1948 Grundschule
1949-1952 Bäckerlehre
1952 Immatrikulation an der ABF Halle-Wittenberg
Februar 1953 Verhaftung
April 1953 Verurteilung zu 6 Jahren Zuchthaus
November 1956 mit drei Jahren „Bewährung“ vorzeitig entlassen
1968-1972 Ausbildung zum Meister der VE-Industrie sowie eine externe Ausbildung zum Dipl. Ing (FH) Fachrichtung Backwaren
1972-1975 tätig als Aufbauleiter einer neuen Brotfabrik. Anschließend diverse nicht SED-Nomenklaturpflichtige Leitertätigkeiten
seit 1992 Vorruhestand und Mitglied der VOS, verschiedene Mandate in der Landesgruppe Sachsen-Anhalt und im Bundesvorstand

Am 01. Januar 2014 verstarb Herr Stiehl im Alter von 79 Jahren.

Kurzbeschreibung

Als der Zweite Weltkrieg endete war Wolfgang Stiehl elf Jahre alt und erlebte die Nachkriegsjahre als Übergang von einer Diktatur in die nächste. Mit 14 Jahren begann er eine Bäckerlehre. Er machte im Februar 1952 seinen Facharbeiterabschluss und war einige Monate als Bäckergeselle tätig, bis er auf Grund einer Delegation durch die Berufsschule das Studium an der Arbeiter und Bauernfakultät der Uni Halle-Wittenberg aufnahm. Stiehl kaufte, sich ein Rundfunkgerät um mit seinen Kommilitonen "Westsender" hören zu können. Dass war der Auslöser für die Stasi, einen Kommilitonen zu beauftragen, Stiehl auszuspionieren. Stiehl äußerte, unter scheinbar Gleichgesinnten, seine antikommunistische Grundeinstellung. Er besuchte den Rundfunksender RIAS und besaß Westberliner Satire-Zeitschriften. Nach einem Viertel Jahr Beobachtung und Berichten durch den GM (Geheimer Mitarbeiter der Stasi) erfolgte am 1. Februar 1953 die "konspirative Verhaftung (Kidnapping)" Stiehls und acht Wochen später die Verurteilung zu sechs Jahren Zuchthaus. Es folgte der Strafvollzug im „Roten Ochsen" in Halle mit einem kurzen Zwischenaufenthalt im Haftkrankenhaus Leipzig Klein-Meusdorf. Als er 1956 entlassen wurde, entschied sich Stiehl nicht zur Flucht. Er absolvierte mit Unterstützung eines "Mensch gebliebenen Genossen Betriebsleiter" die Meister- und Fachschule, doch weil er als "politisch nicht tragbar" deklariert  war, konnte er in seinem Berufszweig nur bedingt aufsteigen (in nicht SED-Nomenklaturabhängige Funktionen). Nach 1989 wurde Wolfgang Stiehl strafrechtlich und beruflich rehabilitiert. Seitdem engagiert sich Stiehl im Verband der Opfer des Stalinismus e.V.

*Das Zitat stammt aus der Urteilsbegründung für Wolfgang Stiehl "6 Jahre Zuchthaus" des Halleschen Bezirksgerichtes vom 22. 4.1953.

Weiteres Bildmaterial:

- Wolfgang Stiehl 1943 (PDF)
- Wolfgang Stiehl 1949 (PDF)
- Wolfgang Stiehl 1952 (PDF)
- Wolfgang Stiehl heute (PDF)

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